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Sonntag, 22. Januar 2023

Außerhalb der Denk-Spurrillen

Ein Kollege sagte neulich, er würde sich seit Monaten keine Nachrichten mehr mehr antun und ihm ginge es dadurch wieder blendend. Wie wahr! Auch wenn das politische Interesse bei mir wahrscheinlich genetisch bedingt ist, so findet ja schon seit längerer Zeit keine Politik mehr statt, sondern nur noch Irrsinn. Wer sich aber täglich allein mit Irrsinn befasst, ich meine, da steht doch außer Frage, dass er dadurch irgendwann ebenfalls droht, verrückt zu werden. Man kann eh nichts tun. Wer Frieden will und auf die Straße geht, findet sich in einem Grüppchen wieder, das von den anderen ausgeschimpft und ausgelacht wird. Die Mehrheit der Wähler ist kriegsbesoffen, und das ist ein irrationaler Zustand. Da hilft keine Vernunft. Versuche mal einem unter Drogen stehenden Menschen zu erklären, dass seine Drogen ihm und anderen nicht gut tun. Aussichtslos.

Auch gegen die Russen-Phobie und die Kriegsschreierei der Wohnzimmer-Pantoffelkrieger hilft wie zu Zeiten der Corona-Hysterie nur der Raumspalt, in den man sich begibt, um einigermaßen gesund im Kopf zu bleiben. Eine Friedensbewegung existiert nicht mehr, wer Frieden will, hat momentan keinerlei Macht, ihn durchzusetzen. Wir geraten sehenden Auges immer weiter in den Strudel, der uns in einen Abgrund zieht. Was bleibt da, um nicht zu verzweifeln?

Eben, der Raumspalt. Den Kopf mit anderen Dingen herausfordern. Und da dachte ich bei mir, dass das mit dem Lampenschalter der neuen Dielenlampe doch ziemlich suboptimal gelöst war. An der weißen Wand lässt sich nicht so ohne weiteres eine Kabelführung anbringen, da die Wand aus hartem Stahlbeton besteht. Es müsste alle paar Zentimeter gebohrt und gedübelt werden. Kleben hält auch nicht dauerhaft. Egal welche Methode, das Ergebnis sähe bescheiden aus. Oder man müsste die gesamte Deckenverkleidung und jene der Wand, hinter der die normale Stromleitung des Hauses verläuft, abnehmen, um dahinter eine Kabelinstallation zu verlegen und anschließend alles neu verkleiden. Wegen einer Lampe? Das muss doch auch anders gehen, dachte ich bei mir.

Und jetzt verließ ich die Spurrillen des gewohnten Denkens, das automatisch davon ausgeht, dass Lampen an der Wand per Hand geschaltet werden. Wer sagt denn, dass es so sein muss? Ich schaute nach oben zur Deckenlampe, dann nach unten auf den gefliesten Steinboden, und es machte Klick im Hirn: warum die Deckenlampe nicht komfortabel mit einem Fuß bedienen? Und sieh an, das Ergebnis: statt mit der Hand an der Wand geschaltet, mit Verstand Fußgenuss gestaltet ;-)

Die Kabel verlaufen nun unsichtbar entlang der Treppe in einem Umweg zu einem Relais, das wiederum mit nur einem einzigen dünnen Kabel zum Fußschalter führt. Das ist absolut angenehm, so die Dielenlampe ein- und auszuschalten.


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Nachtrag, Montag gegen 9 Uhr: Vollbepackt vom Einkauf mit dem Rad zu Hause angekommen, Tür geöffnet, dann in der einen Hand den sperrigen Fahrradkorb mit dem Gefriergut untergehakt, in der anderen Hand eine schwere Tasche - und doch brauchte ich mich nicht mit Schulter-Verrenkungen gegen die Wand zu stemmen, um den Schalter zu betätigen, sondern ich trat einfach schnell und bequem mit dem Fuß auf Licht-an. Das nennt sich praktischer Nutzen meiner Idee.

2 Kommentare:

  1. Ich unterschreibe alles, was Du zu Krieg und Frieden, Drogen und Irrsinn gesagt hast. Es stimmt leider. Ich verzichte auch weitgehend auf Nachrichtensendungen, politische Magazine und diese grauenhaften Talkrunden. Ich kann das alles nicht mehr ertragen. Zu Scholz, mag er von vielen Leuten für feige gehalten oder als Bremser gesehen werden, ich aber bin froh, dass er bisher in das Kriegsgeheul nicht eingestimmt hat, mögen seine Gründe auch anders sein als meine Bedenken. Die "Heilige Agnes der FDP" und ihre ideologischen Glaubensgenossen gehen mir nur noch auf den Geist.

    Und wieder einmal Glückwunsch zu Deiner kreativen Problemlösung.
    Mit den besten Wünschen für eine gute Woche, Rika

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    1. Die Worte deines Kommentars, liebe Rika, haben mich zum heutigen Eintrag inspiriert. Wann wird aus einer Leidenschaft (für Politik und News) eine Sucht? Oder ist beides nicht vielleicht das gleiche? Ich glaube, wir sind uns da schon ziemlich ähnlich :-)

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