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Donnerstag, 12. Mai 2022

Tanz auf dem Vulkan? Nö, eher bangen und beten

War zum 3. Mal seit der Aufhebung der Maskenpflicht im Edeka-Markt. Nun stehtꞌs unentschieden. Geschätzt die Hälfte der Kunden sind Zorro-Fans, wenngleich ohne dessen "Z", die andere Hälfte atmet frei und die Gesichter sehen glücklich dabei aus (jaja, ein subjektiver Eindruck, schon klar). Die hiesige Gemeinde, der wir trotz außerhalb gelegener alter Kate verwaltungstechnisch zugehörig sind, ist eine reiches Dorf, deren Bürger sich oft noch mental in der Bonner Republik wähnen und das hauptsächlich aus Einfamilienhäusern besteht. Die Bevölkerungsstruktur verteilt sich überwiegend auf junge Familien und alte Leute. In den Märkten sieht man tagsüber daher fast nur Frauen und Alte. Gewählt wird traditionell CDU. Die Menschen hier sind obrigkeitshörig wie zu Heßlings Zeiten. Das war natürlich auch vor Corona schon so.

Inneres Ich: "Hat das etwas zu bedeuten? Möchtest du damit etwas sagen?"

Ich weiß nicht, erst mal ist es einfach so wie beschrieben. Ich denke, so lange die Bürger hier noch vermögend sind, halten sie die Füße still und wählen die Partei, die verspricht, alles größtenteils beim Alten zu belassen. Man arrangiert sich seit Jahren mit der schleichenden Geldentwertung und hofft, dass der größte Batzen des Ersparten Bestand haben wird. Die jungen verschuldeten Familien profitieren von den niedrigen Zinsen für ihre Darlehen. Mein subjektiver Eindruck, den ich aus Small-Talk mit den unterschiedlichsten Leuten gewonnen habe, kündet von dem Wunsch, so einigermaßen wie in den letzten 10, 15 Jahren durch die Verwerfungen der Zeit zu kommen, ohne dabei materiell einen größeren Schiffbruch zu erleiden. Regierungskritik gibt es hier nicht, Rat und Bürgermeister waren und sind unangefochten Honoratioren. Ändern wird sich erst etwas, wenn das Geld wertlos und die Not unübersehbar werden sollte.

Inneres Ich: "Und was hat das jetzt mit Corona und den Masken bei Edeka zu tun?"

Naja, mittlerweile glaube ich, dass das alles zusammenhängt. Abends lullt die Tagesschau die Menschen beruhigend in den Schlaf, tagsüber gibt man sich "solidarisch" in Masken-Uniform und plappert dem zuvor im TV Gesehenen eifrig nach (ich werde den Eindruck nicht los, dass je heftiger dem nachgeredet wird, desto mehr dient es eigentlich nur der eigenen Überzeugungsarbeit). An den Wochenenden grillt man dann mit Freunden in privaten Gärten. Geheizt wird allerorts mit Holzpellets in schicken teuren Öfen und Anlagen. Nachbarschaften rücken in Bunkermentalität zusammen (was grundsätzlich positiv ist) aber schotten sich von allen anderen und der Realität ab (was zwangsläufig ein böses Erwachen nach sich zieht). Es ist ein passives Hoffen und Harren, an einer Katastrophe haarscharf vorbei zu schrammen - allerdings ein Brodeln unter der Oberfläche kann ich nicht feststellen.

Und wie siehtꞌs bei dir aus? Was bewegt die Leute deiner Umgebung?

3 Kommentare:

  1. Lieber Georg,
    ich wohne im tiefsten, erzkonservativen oberfranken und bin in bezug auf masken echt erstaunt.
    im bäckerladen drängeln sich die leute dicht an dicht, gesichtswindeln sind die absolute ausnahme.
    sogar im ehemals sehr diktarorischen bioladen nur ein paar wenige dinosaurier mit diesen spitzen dingern im gesicht.
    brodeln unter der oberfläche...nöööö.
    alles wird unter den teppich gekehrt. kopf in den sand, hintern nach oben...
    alle sind froh dass sie wieder feiern, saufen, fressen und wellnessen können.
    jetzt darf man das ja wieder.
    auch mich einladen darf man wieder....ich kann nur noch kopfschüttelnd ablehnen.
    mir sind die letzten "freunde" abhanden gekommen.
    leute die mit bedauern sagten: ach schade dass du mit uns nicht essen gehen kannst weil du ja die plörre nicht intus hast und die nie auf die idee gekommen sind mich dann auchmal zu besuchen da ich ja in restaurants nicht erwünscht war...
    ach wir haben dich ja soooo vermisst.
    und die sagten: wir können dich ja nicht besuchen, ist ja nicht erlaubt...
    die mit bedauern sagten: schaaaade dass du nicht zu meinem geburtstag kommen kannst, weil die regeln lassen es ja nicht zu... wohlgemerkt im privaten haushalt!
    ganz ehrlich, die gehen mir jetzt auch am allerwertesten vorbei.
    das sind charakterlose amöben.
    meine meinung über meine sogenannten "mitmenschen" hat sich nicht gebessert-lach^^
    so wie du es sagst, das wird noch ein böses erwachen für manche geben die ihren allerwertesten allzu hoch in die höhe strecken-tritt garantiert^^
    die leute in meiner umgebung bewegt nur dass sie jetzt wieder fun haben dürfen.
    mir dreht es oft den magen um, aber ich kann wieder drüber lachen:-)))
    liebe grüsse elke

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    1. Schade, dass wir keine unmittelbaren Nachbarn sind. Das würde echt gut passen. Dann träfen wir uns täglich am Gartenzaun auf ein Pläuschchen und könnten so richtig ablästern.

      Die weiter entfernten Nachbarn hier vor Ort beäugen uns seit Jahren eher argwöhnisch oder ziemlich neugierig, weil sie so rein gar nichts über uns in Erfahrung bringen können.

      Freunde verloren habe ich zwar nicht (hatte eh keine *lach) aber eingeschlafen sind manche Kontakte schon - was mir andererseits sehr zupass kommt, denn ich mutiere mehr und mehr zu einem Misanthropen. Und das finde ich recht angenehm. Tiere sind sowieso die besseren Menschen. Ansonsten können mich alle mal gepflegt am … naja, sowas halt ;-)

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  2. lach^^ ja dachte ich mir auch schon oft. ich hätte dich gerne als nachbarn!
    kann ich mir gut vorstellen ;)
    und das mit dem beäugen kenne ich auch sehr gut, bin und war eigentlich schon immer ein eher exotisches tierchen für die "normalos"
    oh ja, und tiere sind die besseren menschen-meine rede !
    und ja, die reaktionen dieser ach so lieben und tollen menschen haben mir mal wieder gezeigt wo meine reise hingeht...als misanthropin lebt es sich deutlich besser :-)))
    man lernt eben nie aus.
    na dann...von misanthrop zu misanthrop
    lass es dir gut gehen und geniesse dein leben ohne dümmköpfe:-)))
    liebe grüsse elke

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