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Montag, 9. Mai 2022

Der Verdampfer "Kizoku Shima"

Für die folgende Beurteilung des Verdampfers "Kizoku Shima" versuche ich, allgemeinverständlich zu schreiben, damit auch Nicht-E-Dampfer wenigstens ungefähr verstehen, um was es geht. Über allem steht die Überschrift in riesigen Buchstaben: "bei meiner Art zu dampfen", die ich bitte, im Gedächtnis zu behalten, denn ich weiß, wie Dampferinnen und Dampfer schimpfen, sobald jemand ihr geliebtes Gerät in ihren Augen ungerechtfertigt verunglimpft. So etwas liegt absolut nicht in meiner Absicht. Es gibt wahrscheinlich Millionen Arten zu dampfen, ungezählte individuelle Varianten, und was bei einem Dampfer wunderbar funktioniert, kann auf eine andere Art katastrophal daneben gehen. Deshalb ist es beim E-Dampfen grundsätzlich schwer, über ein Produkt, ganz gleich ob ein Verdampfer, Akkuträger oder ein Liquid, allgemeingültige Aussagen zu treffen, die für alle oder die meisten Benutzer zutreffen.

Also bei meiner Art zu dampfen handelt es sich bevorzugt um eine Mischform aus MTL1 (Mouth To Lung) und DL2 (Direct Lung) im Leistungsbereich von 6 bis 15 Watt. Für eine anschauliche Benotung verwende ich die Skala 1 bis 9, wobei 9 exzellent bedeutet und 1 - naja, eben nicht ganz so exzellent. 10 bedeutet den Bewertungsrahmen sprengend genial und nicht mehr steigerungsfähig.

Für den "Kizoku Shima" haben sich die Entwickler etwas Besonderes einfallen lassen, denn er kann mit Fertigcoils genauso betrieben werden wie als Selbstwickler. Dazu liegt ihm ein separates Wickeldeck bei, das wie ein Fertigcoil einfach in den Verdampfer eingeschraubt werden kann. Schon verwandelt sich der "Kizoku Shima" in einen vollwertigen RTA3. Dazu später mehr.

Design: Aussehen ist natürlich Geschmackssache. Für mich sieht die schwarze Variante grandios aus. Es handelt sich dabei um ein mattes Schwarz, das auf einem ebensolchen matt-schwarzen und folglich nicht glänzenden Akkuträger ungeheuer "cool" aussieht. Zur Zeit sehe ich im Straßenverkehr vermehrt Autos, die in einem solchen matten Schwarz lackiert sind. Anscheinend eine Modefarbe junger Männer (das ist nur geschätzt), die jedenfalls auch meinen Alt-Herren-Geschmack positiv treffen. Der Kunststofftank ist dem Design angepasst und fast undurchsichtig dunkel gehalten, was der Optik als Ganzes sehr zuträglich ist, sich aber natürlich gegenläufig auf die Praxis eines schnellen Nachschauens des aktuellen Füllstandes auswirkt: im Halbdunkel ist er nicht mehr zu erkennen. Als Zubehör liegt dem Gerät noch ein "Bubble-Tank" bei, der einerseits mehr Tankvolumen erzeugt, doch andererseits das Erscheinungsbild zerstört. Bei den silbernen Varianten ist ein durchsichtiger Glastank verbaut. Es gibt zwei unauffällige Riffelungen, eine für die Airflow-Control (AFC) und die andere als Aufschraubhilfe für den Tankdeckel, die Topcap. Die Außenmaße bleiben dabei aber streng in Form und werden weder deutlich schmaler, noch weiter durch die Riffelungen. Design: 10 Punkte, Alltagstauglichkeit wegen des dunklen Tanks: 8 Punkte.

Aufbau und Verarbeitung: Von unten zur Wicklung bzw. zum Coil strömt die Luft vom Boden (der Base) her durch das Loch am unteren Ende des Coils bzw. der Wicklungseinheit. Die Luftführung unter der Base lässt sich durch einen exzellent verarbeiteten Airflow-Ring steuern. Stramm und in jeder Stufe mit einem hör- und fühlbaren Klick einrastend verstellt sich hier nichts versehentlich. Sein Spektrum bewegt sich von einem offenen Schlitz (der das Dampfgeräusch laut hörbar macht) bis zu einzelnen kleiner werdenden Löchern. Die Glocke (die Verdampferkammer) ist im Tank integriert. Dieser Tank wird nur einmalig beim Eindrehen der Coil bzw. für die Wicklung von der Base abgeschraubt. Im Gebrauch wird das Liquid von oben über die Topcap eingefüllt, die dafür abgeschraubt wird. Trotz untenliegender AFC entweicht kein Liquid, der Verdampfer bleibt beim Nachfüllen knochentrocken, ebenso während der Benutzung. Die Verarbeitung des "Kizoku Shima" zeigt hier seine herausragende Eigenschaft, denn auf Zehntel Millimeter genau passen sämtliche Elemente ineinander. Auch besteht nichts aus Blech, das immer etwas Spiel verursacht und bei "Blech-Verdampfern" oft zu leichten Undichtheiten führt. Der "Kizoku Shima" ist durchgehend aus dickem schweren Edelstahl gefertigt in einer Passgenauigkeit, die sonst nur bei sehr teuren Verdampfern erreicht wird.

Der "Kizoku Shima" ist für "Nautilus-Fertigcoils" gedacht, so dass sein Tankvolumen 2 ml beträgt. Mit eingeschraubter Wickel-Base verringert sich das Volumen ein wenig. Als MTL-Verdampfer genügen diese 2 ml, fürs DL-Dampfen ist der Tankinhalt aber klar zu gering. Daher vergebe ich dem Aufbau trotz seiner hervorragenden Qualität "nur" 9 Punkte, der Verarbeitung des gesamten Geräts hingegen geniale, nicht mehr steigerungsfähige 10 Punkte.

Grund für meinen Kauf des Geräts war die Suche nach einem MTL-Fertigcoil-Verdampfer, der sich auch bei körperlichen Einschränkungen des Alters, nach einer Verletzung einer Hand oder nach einer Krankheit (Schlaganfall mit anschließender Lähmung einer Hand) verwenden lässt. Der also auch einhändig oder mit zittrigen Händen bedient werden kann, wenn ein Wickeln körperlich nicht mehr möglich ist. Im DL-Bereich funktioniert das beispielsweise hervorragend mit dem "Cubis-Pro-Verdampfer", doch auch andere DL-Fertigcoiler gibt es, die gut funktionieren. Im MTL-Bereich ist mir aber bisher kein Gerät bekannt, was zufriedenstellend dampft - wieder: bei meiner Art zu dampfen. Der "Kizoku Shima" wäre hier perfekt - wäre - wenn er denn für andere Fertig-Coils ausgelegt wäre.

Die Nautilus-Coils: Viel Gutes ist über sie zu lesen. Sie gibt es als DL-Version mit 0,7 Ohm Widerstand oder als MTL-Version mit 1,6 Ohm. Dazwischen existieren noch eine 1,2-Ohm-Variante sowie eine mit 0,7-Ohm Widerstand aus Mesh4. Drei Varianten habe ich ausprobiert. Anfangs dampfen sie hervorragend, doch wie aus dem Nichts führen sie (bei meiner Art zu dampfen) grundlos und urplötzlich zu einem heftigen Dry-Burn5 (oder Dry-Hit). Er ist dermaßen ekelhaft, dass man in den nachfolgenden Stunden den beißenden Geschmack nicht mehr loswird. Und er ist um ein Vielfaches schlimmer als ein Dry-Hit durch eine eigene Wicklung. Die Nautilus-Coils erinnern frappierend an die uralten Kanger-Tech-Fertigcoils, die es ca. von 2011 bis 2014 gab. Abgesehen von der Umstellung der Silikatschnur auf Watte ist bei ihnen keinerlei Weiterentwicklung ersichtlich. Mein Fazit für alle Nautilus-Coils liegt demnach nur bei einem Punkt. Sie sind vor allen Dingen deshalb ungeeignet, da man als Dampfer nicht erkennen kann, wann ein Dry-Burn entsteht und somit bei jedem Zug Angst davor hat. Im viertägigen Test habe ich so viele Dry-Burns erfahren, wie beim jahrelangen Dampfen zuvor nicht erlebt. In allen Leistungsvarianten. Bei 8 Watt genauso wie bei 15 Watt, mit den 0,7-Ohm-Köpfen sowie mit den 1,6-Ohm-Köpfen, bei süßen Liquids, bei fruchtigen klaren und bei Liquid ganz ohne Aroma (in einer 50-zu-50-Mischung). Wer mit dem Dampfen aufhören möchte aber dies nicht per Willensentscheidung kann, für den sind die Nautilus-Köpfe geradezu ideal, denn durch sie entwickelt sich spätestens nach dem zweiten Dry-Burn ein Anti-Genuss-Faktor schlechthin, der einem jegliche Lust aufs Dampfen raubt. Genuss und Angst gehen nun mal ungerne Hand in Hand einher.

Deshalb kann ich aber den "Kizoku-Shima-Verdampfer" nicht negativ bewerten, denn er kann nichts für die miserablen Coils - und wer weiß, vielleicht war das auch ein Kriterium seiner Entwicklung, nämlich für ihn zusätzlich ein Wickeldeck zu konstruieren. Und das hat es in sich:

Das Wickeldeck: Ideal für kleine Wicklungen, ideal bei meiner Art zu dampfen. Mit einer Wicklung z.B. von 2 mm Durchmesser wird der "Kizoku Shima" zu einem sehr guten Selbstwickel-Verdampfer. Es ist keine aufwendige Watteverlegung erforderlich. Zwei Vertiefungen, in denen die Watteenden fast waagerecht münden (es gibt schlimme Verdampfer, bei denen die Watte um Ecken herum oder in Tiefgeschosse weit nach unten verlegt werden muss). Die Watteverlegung ist so leicht wie beim "Flashi" oder beim "Dvarw". Damit dampft der "Kizoku Shima" ausgezeichnet ohne die Spur eines Dry-Burns und zwar im gesamten ausprobierten Bereich mit entsprechenden Wicklungen von 7 bis 15 Watt. Daran wird deutlich, dass der Verdampfer auch sehr gut ist. Wäre er als RTA konstruiert, bekäme er 9 Bewertungspunkte, durch die Platzverschwendung des einschraubbaren Wickeldecks verliert er jedoch Tankvolumen, was zu einem Punkt Abzug führt. Wären die Nautilus-Coils fürs Dampfen geeignet, bekäme der "Kizoku Shima" sogar Dank seiner Wandlungsfähigkeit 10 Punkte (wie übrigens der "Fash-e-Vapor" und der "Dvarw").

Nun, den Wunsch meiner Anschaffung kann der "Kizoku Shima" leider nicht erfüllen und als Nur-Selbstwickler benutzt man andere gute Verdampfer. Fürs Design ist er aber durchaus eine Bereicherung der Möglichkeiten.


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1 MTL: In westlichen Ländern (Europa und Nordamerika) war/ist beim Rauchen von Zigaretten üblich, den Rauch zuerst in den Mund zu saugen, um ihn anschließend in die Lunge einzuatmen. Das wird bei MTL-Verdampfern nachgeahmt, so dass das Volumen des Mundraumes die maximale Aufnahme des Dampfes darstellt. Für den Geschmack sind Rezeptoren in der Nase zuständig, die, je geringer das geschmackliche Element ausfällt, ihn desto sensibler und deutlicher empfinden bzw. schmecken. Beispiel, ein Stück Schokolade: so klein es ist, so intensiv verbreitet sich sein Aroma im Mund. Wer hingegen Schokolade isst wie Brot und mit vollgestopften Backen mampft, der nimmt kaum noch etwas von der Wandlungsfähigkeit der Aromen wahr.

2 DL: Im Rest der Welt wurde vermehrt an der Zigarette gezogen, indem der Rauch sofort in die Lunge gesogen wurde. Geschmacklich ist das eher uninteressant, hat aber den Vorteil des ungeahnten Spaß-Faktors einer menschlichen Dampfmaschine. Durch das viel größere Lungenvolumen wird eine riesige Dampfmenge erzeugt.

3 RTA: "Rebuildable Tank Atomizer" oder deutsch Selbstwickelverdampfer.

4 Mesh: Anders als eine Spule aus gewickeltem Draht, ist Mesh ein fertiges Geflecht, ein Sieb aus Draht.

5 Dry-Burn (oder Dry-Hit): Das schlimmste anzunehmende Resultat; es wird nicht mehr genug Liquid an die Wicklung gefördert, so dass der heiße Draht den Trägerstoff fürs Liquid, die Watte, verbrennt. Es entsteht kein Dampf mehr, sondern Rauch. Dafür gibt es verschiedene technische Ursachen. Einen solchen widerlichen Dry-Burn mit Worten zu beschreiben, ist fast unmöglich. Ein starker Dry-Burn kann stunden- oder sogar tagelang nachgeschmeckt werden, womit deutlich wird, dass es sich bei Geschmack auch um ein psychisches Erleben handelt. Die Geschmacksrezeptoren verfügen scheinbar über eine eigene Erinnerung im positiven wie im negativen Fall. Genuss und das genaue Gegenteil sind somit ebenfalls psychosomatischer Natur.

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