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Sonntag, 17. Oktober 2021

Kryptisches und Aufbruchstimmung

Da isses! Vor Monaten schrieb ich darüber und verglich die Konsequenzen, die zwangsläufig aus den politisch-kulturellen Verwerfungen bzw. aus dem gegenwärtig stattfindenden Umbruch der Gesellschaft in Richtung eines rot-grünen Haltungs- und Überwachungsstaat entstehen, mit dem Untergrund zu Zeiten der Prohibition in den USA: Wir erleben live das Entstehen einer neuen Sub-Kultur.

Das Bürgertum erfindet sich neu, die Epoche deutscher Romantik und der Freiheitsbewegungen sprießt in jungen Trieben, und auch wenn es für manche Zeitgenossen übertrieben klingen mag, ich selber spüre von Woche zu Woche mehr eine Atmosphäre, die mich ahnen lässt: so muss es im Vormärz gewesen sein.

Neue Strukturen werden errichtet, neue Wege beschritten, neue Freundeskreise entstehen, neue Vernetzungen werden geknüpft. Ohne Ansehen der Person, fern von Positionen, Parteien oder Ständen finden die Menschen subversiv zusammen. Die deutsche Revolution von 1848 streckt nach langem Schlaf am Morgen der Merkeldämmerung seine Glieder, um europaweit im Schlafsaal unterdrückter und missbrauchter Freiheitsliebe einen neuen Patriotismus aufzuwecken, der weniger mit nationalen Grenzen zu tun hat und schon gar nichts mit dummer Deutschtümelei als vielmehr das Streben nach bürgerlicher Freiheit im Sinn hat. Grenzenlos und über Parteien hinweg finden in verbotenen Versammlungen und Kreisen die Menschen wieder zueinander. Man spürt es regelrecht, es ist etwas in Bewegung geraten.

Der Untergrund von Heute wird zum Mainstream von Morgen. Der Weg dorthin ist allerdings lang, doch gar nicht beschwerlich, viel eher beschwingt und voller positiver neuer Erfahrungen, die durch den Gedankenaustausch - virtuell und physisch - bei subversiven Treffen mit Gleichgesinnten entstehen. Im Angesicht der seelischen Not, die durch die Beschränkungen und diktatorischen Maßnahmen gegen die Freiheit bis hinein ins Private die Leute unterdrücken, werden die Ideale von 1848 zu neuem Leben erweckt. Genau das lässt auf eine goldene Zukunft hoffen, auf deren Weg ich liebend gerne wieder 20 Jahre jung wäre. Eine neue geistige Gemeinschaft erwächst, die das Versprechen bürgerlicher Freiheit jenseits globalisierter grün-linker Kollektivismus-Fantasien ("The Green Deal", "The Grat Reset") in sich trägt. Nicht gestrig als Wiederholung des Scheiterns der Deutschen Revolution mit anschließender Verfolgung und Flucht, so doch mit derselben Liebe zu einem geeinten Land, das heute weniger in physikalischen Grenzen lebt als vielmehr grenzenlos und europaweit in den Herzen eines neuen Bürgertums.

Zu platt? Zu kryptisch? Zu verträumt? Mag sein, ich bin zu alt und heute zu müde, seitenweise das aufzuschreiben, was ich spüre, was viele andere Menschen ebenso fühlen.
 
Ein weiterer Ansatz: Man findet in neuen Konstellationen zueinander. Das Alte, Morsche zerfällt, bäumt sich gegen diesen Zerfall ein letztes Mal auf, indem schamlos Repressionen und Bereicherung um sich greifen - und doch keimt die Saat der Erneuerung, die dieses Mal nach dem Scheitern sämtlicher "Ismen" des 19. und 20. Jahrhunderts meines Erachtens den richtigen Weg eingeschlagen hat: die Idee einer Gemeinschaft der Staaten. Eine neue oder eine reformierte EU, in der die Souveränität der Länder und Regionen gewahrt bleibt. Unabhängig vom Moloch der heutigen EU hin zur Freizügigkeit der eigenen Bürger und zur Zusammenarbeit mit anderen über die Grenzen hinaus unter Bewahrung traditioneller Eigenheiten sowie der Selbstbestimmung ihrer Bürger. Ein dezentraler EU-Staatenbund. Freier Verkehr von Wirtschaft und Ideen. Basisdemokratie. Zusammenhalt gegen Bedrohungen von außen, Vielfalt der Farben der Freiheit im Inneren. Informelle Thinktanks vielfältiger Art entstehen gerade überall in Deutschland und Europa, die alle eines gemeinsam haben: die Liebe zur bürgerlichen Freiheit. Kein Internationalismus, dessen Wesenskern zu gleichen Teilen aus Neid, Zerstörungslust und Korruption besteht, kann sich dem auf Dauer erfolgreich in den Weg stellen. Und deshalb wäre ich gerne wieder jung, denn der lange Weg zu einer neuen EU ist spannend und glorreich. Ihn würde ich gerne voller Tatendrang und Schaffenskraft beschreiten. Erleben.

Naja, es bleibt dann heute also doch eher kryptisch und verträumt. Nun, ich bin schließlich auch kein Analytiker, sondern ein Wachmann, der sich für den Mindestlohn die Nächte um die Ohren schlägt. Aber ich besitze sensible Antennen für Bewegungen oder Strömungen in den Köpfen und Herzen der Mitmenschen. Wie bei mir selber, so empfangen sie die Sehnsucht bei immer mehr Menschen nach einer neuen Gesellschaftsordnung.

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