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Freitag, 3. September 2021

Serientipp: Nochmals Djatlow-Pass

Endlich ist die letzte Episode von "Djatlow-Pass" verfügbar. So kann ich meine kurze Rezension von vor zwei Wochen vollenden.
 
Die Tragödie wird aus zwei Perspektiven geschildert, zum einen aus Sicht der Bergwanderer und zum anderen richtet sich der Fokus des Interesses auf den vom KGB eingesetzten Sonderermittler Major Oleg Kostin, gespielt von Pjotr Petrowitsch Fjodorow. In den Episoden wechseln die Geschehnisse dieser Erzählstränge einander ab, also eine Folge gilt den Wanderern, die nächste Folge dem Ermittler, die übernächste wieder den Wanderern und so weiter. Diese Methode führt dazu, dass die Serie gewissermaßen in zwei Schlussepisoden ihr Ende findet. Das war aus Sicht des Ermittlers vorletzte Woche bei Folge Nr. 7 der Fall. Der KGB-Mann gesteht der Gerichtsmedizinerin seine Liebe und klärt sie über seine Vergangenheit mit der ihres im Krieg gefallenen Ehemanns auf (die Handlung spielt in einer weiteren Zeitebene Ende des 2. Weltkriegs, wovon ich hier aber nichts spoilere). Die Rationalität der bisherigen Ermittlungen inmitten eines Sumpfs aus Legenden, Mythen und Gerüchten führt zu einem dem Ockhamschen Gesetz folgenden wahrscheinlichen sowie für die Zuschauer versöhnlichen Abschluss.

Mit dieser 7. Episode könnte die gesamte überaus gelungene Serie ihr Ende finden, denn man verspürt nicht mehr den Drang, die nächste Folge unbedingt sehen zu müssen. Dann folgt mit Episode 8 aber noch das Geschehen aus Sicht der Bergwanderer - und damit wird der Erzählung gewissermaßen die Krone aufgesetzt, bei der ich nicht sicher bin, ob man auf sie nicht besser hätte verzichten sollen.

Keine Frage, auch die 8. Folge ist gelungen - aber weil sowieso jeder weiß, was geschehen wird und da sie in weiten Teilen wie im Studio gespielt herüberkommt, fehlt ihr sämtliche Natur-Dramatik, die über den Tod der neun Wanderer hinaus reicht. Weder wird ansatzweise deutlich, in welch niedrigen lebensbedrohlichen Temperaturen sich die jungen Leute befinden, noch wird die Nacht dunkel dargestellt, im Gegenteil, für uns Zuschauer ist es die gesamte Zeit beinahe taghell, und zu guter Letzt findet sich nicht einmal wenigstens ein bisschen ergreifender Kitsch quasi als überhöhter emotionaler Schlusspunkt. Weder Dramatik, noch Kitsch, die jungen Leute fallen einfach der Reihe nach um und erfrieren. Nun, das mag so ähnlich auch gewesen sein, doch was es heißt, wenn junge, durchtrainierte und bärenstarke Menschen mit dem unbedingten Willen zu leben, sich bis ans Ende ihrer Kräfte abmühen, das kommt nicht rüber. Geschehen war mehr als ein Erfrieren "einfach so", ich meine, bevor es tatsächlich geschieht, findet ein Überlebenskampf eines jeden einzelnen statt. Davon ist aber leider kaum etwas zu spüren - vielleicht sehe nur ich das so, kann sein, doch irgendwie fehlt mir hier am Ende Hollywood, bzw. das gewisse Etwas, das die Dramatik dieses Überlebenskampfs schildert. Wäre die 8. Episode um einiges gekürzt Bestandteil der 7. gewesen … nun, es ist müßig, solche Kritik anzuführen, da es ja ist, wie es ist. Nichtsdestotrotz behält die Serie als Ganzes die 10 von 9 Georg-Punkte, die also den Bewertungsrahmen sprengend meiner bescheidenen Meinung nach absolut geniale Ansätze beinhaltet.

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