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Donnerstag, 19. August 2021

Weltbewegend Wichtiges

Derzeit bin ich zu faul, um zu fotografieren, zu träge für körperliche Betätigungen und zu unwillig, die Gehirnzellen anzustrengen. Körper, Seele und Geist dümpeln so vor sich hin. Vor wenigen Minuten hatte ich mich gar dabei erwischt, mich bei einem heranfliegenden Spatzen für seinen Schrecken beim Anblick meiner Person zu entschuldigen - denn wenn ich die Fütterungsstation täglich neu befülle (die Vögel fressen momentan mein letztes Hemd) und ein Vogel kommt vom hinteren Teil des Hauses geflogen, dann steigt er einem rasanten Bogen übers Dach und schießt beinahe schon im Sturzflug zum Futter. Das vollbringen die Vögel blind, haben ihr Manöver routiniert geübt. Über diese Flugkünste der Meisen- und Spatzen staunen selbst die im Nachbarhof ansässigen Schwalben. Dabei sieht der Spatz erst in der letzten Sekunde sein Landungsziel, das an der Gaube des Dachfensters befestigt ist - und dann steht statt Futter da plötzlich ein oller bärtiger Mann in seiner glatzköpfigen Pracht. Ein gellender Pfiff ertönt, der in jeder Sprache als Schreckensschrei verstanden wird, der Vogel dreht abrupt ab und schlägt dabei einen waghalsigen Haken zu den Sträuchern des Vorgartens. Sehr zum Interesse der hiesigen Katzen, die sofort mitbekommen, dass hier etwas anders als gewöhnlich geschieht. Danach werden die Sirenen eingeschaltet und ein ungeahntes großflächiges Pfeifkonzert schwillt für Sekunden an. Aus allen Büschen und Bäumen klingen die schrillen Rufe, die die Artgenossen warnen - nicht vor der dreibeinigen aufmerksamen Katze, sondern vor mir.

Siehst du, wenn man solche gigantischen Probleme hat und das Hirn nur noch damit beschäftigt ist, wie das Wohlwollen der gefiederten Bewohner der heimischen Hemisphäre wiederhergestellt werden kann, dann sollte man tunlichst kein Tagebuch schreiben, denn allzu leicht entstünde der Eindruck einer Verweigerung echter, dringender und brenzliger Probleme der Leute im Lande. Auch wenn der Eindruck stimmt, denn mir liegt das Wohl der lokalen Tierwelt tatsächlich näher als die hypermoralischen Weltrettungs-Attitüden der eigenen Artgenossen, sowas sagt man trotzdem nicht öffentlich. Nunja, was man nicht alles darf oder soll oder muss oder eben nicht, das ändert sich bekanntlich heute schneller als ich mit dem Auffüllen der Meisenknödel nachkomme.
 
Bis morgen denn in alter Frische.

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