.

Sonntag, 15. August 2021

Mein Körper gehört mir!

Es wird Zeit, wieder in die Kramschublade der Geschichte zu schauen und den feministischen Slogan der 1970er Jahre hervorzuholen: "Mein Bauch gehört mir!" Selbstverständlich kann man genauso sagen: Mein Körper gehört mir. So skandierten die Frauen öffentlich und laut, angeführt von Alice Schwarzer. Sie wandten sich damit gegen die kirchliche und staatliche Bevormundung und gegen die Gesetze, die Abtreibungen verboten. Anfangs absolut in der Minderheit und von Politik und der Bevölkerung gehasst, so wandelte sich die Gesellschaft nach jahrelangen zum Teil heftig geführten Debatten schließlich doch um 180 Grad.
 
Sämtliche damaligen Argumente der Gegner der Frauenrechtlerinnen werden heute beim Thema der Impfpflicht wiederholt: Schutz des (ungeborenen) Lebens, Solidarität und ethische Vorstellungen. Ärzte, von Natur aus überwiegend eine abhängige, feige und stets den Machthabern hinterherlaufende Berufsgruppe, verweigerten den Frauen in Not jede Hilfe. Heute wird ähnliches von ihren Standesvertretern für Ungeimpfte gefordert. Weitere Beispiele für Parallelen gibt es zur Genüge, doch tausche selber mal in Gedanken die Frauen von damals durch ungeimpfte Menschen heute aus und du erkennst, dass dieselben Muster und Vorwürfe erneut existieren und vorgebracht werden.

Auf drei Punkte, die mir wichtig sind, möchte ich nur kurz eingehen.

1. Die fehlende Solidarität der Ungeimpften. Absurd im Grunde genommen, denn Solidarität kann nur den schwächeren der Gesellschaft entgegengebracht werden, der Minderheit, aber nicht der Mehrheit und schon gar nicht den Mächtigen. Es wäre so, als wenn in einem Arbeitskampf der Arbeitgeber von den Streikenden Solidarität einfordern würde und die Arbeiter sich dann aus Solidarität zu ihrem Chef wieder in ihre "Knechtschaft" begäben. Oder wenn der Mob zu einem Pogrom aufbricht und unterwegs alle Schaulustigen auffordert, sich dem Marsch anzuschließen, um Solidarität zu zeigen gegen die Andersdenkenden. Wenn Herr Brinkhaus und Herr Söder die Massen anstacheln, sich gegen Ungeimpfte zu wenden, so ist das schlichtweg die Pervertierung des Solidaritätsprinzips.

2. Schutz des Lebens. Wäre Corona Ebola, bräuchten wir gar nicht weiter zu reden. Sogar nicht zugelassene Medikamente oder Impfungen wären dann geboten und würden von ganz alleine ohne jede Werbung reißenden Absatz finden. Corona ist aber eine Laborpandemie, eine virtuelle Pandemie, die weder zu einer Übersteblichkeit noch zu einer Überlastung des Gesundheitssystems geführt hat. Die eigene Impfung verspricht das eigene Leben zu schützen. Wird ein Geimpfter dennoch krank, so hat die Impfung versagt. Einen anderen Schuldigen dafür zu suchen ist nichts weiteres, als sie einem Sündenbock aufzulasten. Geimpfte und Ungeimpfte übertragen das Virus gleichermaßen. Das ist der gegenwärtige Stand der Wissenschaft (nicht des RKIs, die wissen nicht mal, wie viele Menschen in Deutschland überhaupt geimpft sind - es bestünde eine "inkonsistente Datenlage", wie sie das nennen). Die Leute werden trotz Impfung krank und sterben auch trotz Impfung - wenngleich nur genauso selten, wie es auch bei Ungeimpften der Fall ist. Ist ja auch logisch, denn alte Menschen sterben an ihrem Lebensende, da ihr Immunsystem nicht mehr funktioniert. Ob mit oder ohne Impfung, ob am Covid-Virus oder an einem x-beliebigen Virus, das ist in diesem Fall egal. Ende ist Ende, das ewige Leben gibt es nicht - aber die Würde.

3. Ethik. In der Ethikkommission des Bundes sitzen Geisteswissenschaftler, die allen ernstes sagen, sie haben kein Problem damit, wenn Menschen gegen ihren Willen zwangsbeglückt werden. Sie benutzen natürlich den Begriff "zwangsbeglückt" nicht, sondern bezeichnen es sachlich als "Impfpflicht". Daran wird ein weiteres Mal deutlich, wie dehnbar der Begriff der Ethik in Wahrheit ist und wie subjektiv jede Einordnung darunter. Auch die Euthanasie hatte ihr ethisches Okay bekommen - ja, im Nachhinein unverständlich, doch wenn du zur damaligen Zeit gelebt hättest und dir angedroht worden wäre, einem Familienmitglied sein Leben zu nehmen, dann hättest du macht- und tatenlos ohne rechtliche oder moralische Handhabe das mitansehen müssen. Dieselbe Ohnmacht gegenüber einem übergriffigen Staat, der sich bis ins Existentielle der Körper seiner Bürgerinnen bemächtigte, erlebten die Frauen bis zur Änderung des Paragraphen 218 des Strafgesetzbuchs. Die Ethik unterliegt also immer einem Wandel. Von daher dient eine Ethikkommission heute lediglich als Alibi, bestimmte Vorhaben der Regierung im Hier und Jetzt durchzusetzen und gleichzeitig einem möglichen breiten Widerstand im Voraus den moralischen Wind aus den Segeln zu nehmen. Eigentlich ist eine Ethikkommission als Abnickverein als solches schon unethisch.

Über die Aspekte des Demokratieabbaus korrupter und unfähiger Politiker, über die verlorene Freiheit, bis hin zur Angst und den Entzug der Bürgerrechte für eine Minderheit will ich gar nichts mehr schreiben, darüber habe ich mir die Finger in fast zwei Jahren schon wundgetippt. Mir sind jetzt nur diese drei genannten Punkte wichtig, denn wie man an ihnen gut erkennen kann, wiederholt sich die Geschichte zwar nicht eins zu eins aber, wie Boris Reitschuster zu sagen pflegt, sie reimt sich.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Du kannst nur Einträge kommentieren, die nicht älter als 30 Tage sind.