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Samstag, 1. Mai 2021

Zufallsfund: Poesie

Klasse! Aber was ist das? Als was könnte ich die folgenden fünf Minuten ankündigen? Politische Literatur oder einfach nur echte und wahrhaftige literarische Kunst? Es ist viel mehr als bloße Ironie.

Es kommen in diesem Video m.E. drei Dinge zusammen, die als Gesamtbild einzigartig sind (zumindest habe ich nichts Vergleichbares bisher gefunden). Erstens der Text; ein Prosatext, den ich definitiv als Gedicht bezeichnen möchte. Zweitens der Vortrag; eine ruhige freundliche Stimme auf der Grenze zwischen Kind und Frau, Mezzosopran würde ich schätzen, die vor einem, und da wäre ich bei Punkt Drei, wunderschönen Blütenmeer der Kirschbäume in den Straßen einer Stadt erklingt. Wäre ich der deutschen Sprache nicht mächtig, so empfände ich das Gedicht als reinste Poesie. Nun verstehe ich aber Deutsch. Und die Worte entpuppen sich als schlimm in ihrer Bedeutung, sie transportieren die Beschreibung eines katastrophalen Zustands eines Menschen der Normalbevölkerung. Die grauenhafte Entlarvung eines bis an die Grenzen der Selbstverleugnung leidenden Ichs. Dieser Kontrast aus dem äußerlichen Frühling mit dem knochigen kalten Winter der Seele erzeugte bei mir Gänsehaut und ließ die Tränen in meinen Augen aufsteigen.

Aber als was genau die Kunstform zu bezeichnen ist, das weiß ich wirklich nicht. Jedenfalls finde ich es grandios gelungene Poesie, die in ihrem Kleid der Lieblichkeit das Leid des Lockdowns widerspiegelt. Kann man schaurig-schön dazu sagen?

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