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Dienstag, 4. Mai 2021

Filmtipp: Unplanned

Wenn ein Film bei "Rotten Tomatoes" die Kritik dermaßen spaltet (wie links auf dem Screenshot, 42 zu 94 Prozent positive Bewertungen bei den Filmkritikern bzw. dem Publikum), dann erweckt das stets meine Neugierde.

"Unplanned" ist ein Film, der sich gegen Abtreibungen ausspricht und deshalb die Gesellschaft spaltet. Nun ist für mich bei einem Spielfilm das Thema vielleicht zur Hälfte wichtig, in die andere Hälfte fallen Kriterien des Handwerks. Bisher kannte ich solche katholischen oder konservativen Filme nur in B-Qualität, bei "Unplanned" ist es aber anders, denn er ist mit guten Schauspielerinnen besetzt und professionell gedreht worden. Dabei kommt er weitgehend ohne pädagogische Zeigefinger aus.

Es wird die wahre Geschichte der Abby Johnson erzählt, die in einer Abtreibungsklinik in den USA Karriere gemacht hatte und sogar bis zur Leiterin der Klinik aufgestiegen war, bevor sie ihren Job an den Nagel hängte und zu einer Lebensrechtsaktivistin wurde. Der Film verzichtet dabei auf Schwarz-Weiß-Malerei. Er ist kein typischer Propagandafilm der einen oder anderen Seite, bei dem jeweils "die anderen", die Gegner, schlecht oder unsympathisch dargestellt werden, sondern er versucht losgelöst von einer brachialen politischen Agenda allein die Menschen in den Mittelpunkt zu stellen. Natürlich besitzt er eine Agenda, doch sie wird dem Zuschauer eben nicht aufgedrängt oder durch manipulative Bilder suggeriert.

Besondere Kritik erhielt eine Filmszene, in der in übertriebener Weise ein Fötus während einer Abtreibung scheinbar um sein Leben kämpft - die Szene muss aber gestattet sein, da dieses Erlebnis von Abby Johnson als Initialzündung genannt wird, die Seite zu wechseln. Es kommt also in der Szene nicht darauf an, die Wirklichkeit real abzubilden, sondern es wird das gezeigt, was Abby Johnson glaubte gesehen zu haben und was ihr in der Folgezeit schwer zu schaffen machte. Die Darstellung dieser Szene ist demnach ein ganz normales künstlerisches Stilmittel, mit dem etwas betont wird. Die meisten Filme machen so etwas, diesem es nun besonders seitens der Frauenrechtlerinnen als Fake vorzuwerfen, ist unfair. Im Übrigen sollte kein Film nur aufgrund einer vielleicht zweiminütigen Szene gesamt-beurteilt werden.

Ebenso verzichtet der Film auf schwere Kost für die Seele, man wird nicht depressiv beim Anschauen, er ist sogar eher oberflächlich und leicht gehalten, was ihm andererseits auch wieder zum Vorwurf gemacht wird. Es ist also kein Abschreckungsfilm. Wegen einer blutigen Szene erhielt er in den USA eine Altersfreigabe ab 17 Jahren, was ich dann doch als recht bigott bezeichne in Anbetracht, dass gerade junge Mädchen oft ungewollt schwanger werden. Aber so ist das bekanntlich in den USA, und das war schon immer so. Ferner ist bei Wikipedia zu lesen, dass die Vermarktung in vielen Ländern erschwert wurde, da "manche Kinobetreiber den Film aus Sorge vor politischen Reaktionen nicht in ihr Programm aufnahmen und sich Fernsehkanäle weigerten, den Film zu bewerben." Wegen Corona gibt es eh kaum noch Kino, so muss sich der Film eben durch Mund-zu-Mund-Propaganda langsamer verbreiten.

Bewertungspunkte: 8 von 10. Ein gelungener Film, den ich gerne empfehle.

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