Dienstag, 6. April 2021

Seelenverwandtschaft

Hui, welch ein herrliches Aprilwetter! Sturm, Regen, Graupel, Schnee wechseln einander ab, dazwischen kurze Momente von Sonnenschein einer schon spürbar wärmenden Sonne. Ich muss kommende Nacht wieder aufpassen, wo ich mich gerade draußen befinde, denn ein Mondlicht wärmt weniger gut und die Kleidung bleibt im Fall einer Stippvisite der Pech-Marie die ganze Nacht lang nass. Befindet sich eine Unterstellmöglichkeit in der Nähe? Ein Hauseingang oder eine schmale Überdachung an windgeschützter Seite? Ein Wind- oder Regen-Hopping hat sozusagen begonnen, Klimahüpfen der praktischen Art. Aber Vorsicht, denn dass bei Temperaturen unter 5 Grad meine Nase fast durchgehend läuft, ich meine grundsätzlich, also immer schon, seit ich lebe, gepaart mit einem Niesen oder dem Nasehochziehen oder gar einem verdächtigen Hüsterchen, oh, das darf in diesem Jahr niemand mitbekommen, denn Schnupfen bedeutet heute Corona und ein Zwangstest droht, bei dem das Wattestäbchen so weit in die Nase geschoben wird, dass unsichtbare kleine Haarrisse entstehen, die den Weg frei machen für Erreger aller Art direkt hinein in die Blutbahn. Dann dient der Rotz der Nase wie ein durchlöcherter Schutzschild oder wie ein Sieb als Regencape. Nur gut, dass nachts bei diesem Wetter wirklich kein Schwein draußen unterwegs ist und die paar seltenen Gestalten, die ich aus leicht tränenden Augenwinkeln wahrnehme, dahinhuschenden Schatten gleichen, für die meine Gestalt keine Aufmerksamkeit erregt.

Dabei liebe ich seit jeher dieses wunderbare wilde Wetter. Und seit meiner neuen Zähne kann ich endlich wieder dem nassen Sturm entgegentreten, kann ohne Bedenken vor Zahnentzündungen meinen Mund sperrangelweit öffnen und - ich versuchꞌs mal lyrisch auszudrücken - nach Leibeskräften rufen: "Jaahh! Sturm, o du verwandtes Toben meiner Selbst! Brause, sause, treibe Trübsal weit davon! Wirble, zause, reiße meiner Stimme Klang mit tausend Trommeln tosend zu neuem Chorgesang! Aus alt mach junge Lieder, o April, du Gefährte, du meiner Seele Fieber."
 
Okay, okay, ich lass es besser bleiben mit den lyrischen Ergüssen :-)

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