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Freitag, 19. Februar 2021

Barbarentum

Nun musste ich mir sagen lassen, wie schlimm es sei, was ich in den vergangenen Tagen den Münzen angetan hatte (ich habe das zwar nur einer einzigen Münze angetan, gesagt und gedacht war aber mein barbarisches Gebaren mit Münzen allgemein). Es geht bei diesem Vorwurf richtigerweise um den Umgang mit Sammlerstücken. Ich sei halt ein Banause. Da kann ich sogar noch eins draufsetzen: die wenigen in meinem Besitz befindlichen Münzen lagern alle ungeschützt in einer alten Blechdose. Jedes mal, wenn jemand diese Dose in die Hand nimmt, würfelt das die Münzen kräftig durcheinander. "Wie kannst du nur? Schande über dich!"

So, ich erkläre das mal. Meine Wenigkeit hat keinen Liebesbezug zu Münzen und Geld. Gültiges gutes Geld ist natürlich prima, es vereinfacht das Leben ungemein, doch gesammelt habe ich es noch nie; es verschwindet selbsttätig schneller als ich gucken kann. Okay, ernsthaft: Mindestens jeder zweite Mensch, wenn nicht mehr, findet Münzen aus unterschiedlichen Gründen faszinierend. Die einen wegen des Wertes, den sie repräsentieren, die anderen wegen der geschichtlichen Hintergründe (die abstrakte Historie wird somit greifbar) und wieder andere erfreuen sich an den filigranen Motiven. All das verstehe ich - gut sogar - aber es bedeutet mir dennoch nichts. Null. Niente.

ABER (das große Aber): auch ich falle der Sammelleidenschaft zum Opfer. Driptips lagern bei mir wohlgeordnet und behütet. Alleine 7 große Sortierkästen voller Driptips (es sind Hunderte, wenn nicht längst über Tausend). Zur Geschichte der Driptips könnte ich ein Buch schreiben. Ähnlich wie Münzen spiegeln sie das Wissen ihrer Zeit wider, zeigen die Moden auf und bieten für die tägliche Benutzung immer mal wieder lustige und interessante Design-Alternativen auf den verschiedenen Dampfgeräten. Sie sind also auch noch praktisch in der Gegenwart. Wobei ich hier fairerweise anmerken muss, dass die Geschichte des elektrischen Dampfens gerade mal etwa 15 Jahre zurückreicht, was mit der der Münzen natürlich nicht im Entferntesten vergleichbar ist. Damit möchte ich auch nur zum Ausdruck bringen, dass ebenfalls ich um die Sammel- und Ordnungsleidenschaft weiß. Sie liegt stets knapp vorm Messitum, kann die Sammler*innen aber meist durch eine Spezialisierung auf nur ein Produkt, wenn ich das mal so ausdrücken darf, davor bewahren, Schuppen oder ganze Lagerhallen anzumieten, in denen es wie professionelle Antikmärkte aussieht.

Es ändert aber nichts an meinem Desinteresse für Münzen. Dasselbe gilt für Briefmarken oder Schallplatten. Hat mich nie interessiert. Ein Driptip hingegen könnte ich niemals wegwerfen. Das Driptip ist nämlich der sensorische Übergang von Mensch zur Technik. Wenn man von den Geschlechtsteilen mal absieht, so ist es der Mund und mehr noch sind es die Lippen, die unser empfindlichstes Sinnesorgan sind (bei mir ist das jedenfalls so). Beim E-Dampfen wird genau diese sinnliche Erfahrung entscheidend für den Genuss. Das Driptip erfüllt verschiedene technische Voraussetzungen (je nach Art des Dampfens) und muss darüber hinaus die individuell unterschiedlichsten Empfindlichkeiten erfüllen. Nur so erwächst der Dampf zu einem besonderen Genusserlebnis. Und dann kommt noch das Auge hinzu, ein Driptip muss also obendrein auch zum Design des Dampfgeräts passen. Form, Aussehen, Material und Funktion - Driptips sind in ihrer Variationsmöglichkeit schier unendlich und es gibt unzählige Modelle. Im Vergleich zu dieser Vielfalt ist selbst die 1.000 Jahre alte Münze schnöde, einfallslos und platt. Oohhh, ich höre schon den vehementen Aufschrei des Widerspruchs. Nur ich persönlich empfinde es so. Allerdings würde ich nie einen Menschen als Banausen oder Barbaren bezeichnen, für den Driptips bloße Metall- oder Plastikröhrchen sind. Und schon gelange ich wieder durch eine lange Rede auf den knappen Sinn: alles ist relativ, die Welt ist bunt, jeder Jeck is anders.

Bis morgen, einen genüsslichen Beginn des Wochenendes wünsche ich dir.

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