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Mittwoch, 18. November 2020

Tag der Entscheidung

Den heutigen Mittwoch werde ich hauptsächlich wohl vor diversen Live-Streams verbringen, die von der Demo-Situation aus Berlin berichten. Fühlt sich für mich wie ein Tag der Entscheidung an oder wie der erste entscheidende Schritt der Abschaffung unserer Demokratie. Dabei ist mir klar, dass dieses "Ermächtigungsgesetz" auch weiterhin im Schweinsgalopp verabschiedet und danach für weitreichende Drangsalierungen der Bevölkerung herhalten wird. Sogar eine Million Demonstranten würden daran nichts ändern. Ebenso ist jetzt bereits gewiss, dass alle Demos in Berlin verboten werden, für Gewalt-Bilder unterwandert und dass die Haupt-Medien deren Teilnehmer*innen übel diskreditieren werden. Dennoch bekommt man in den unzensierten Live-Streams vielleicht ein Stimmungsbild des wirklichen Geschehens mit, der Realität eines Polizeistaats, der ohne ein Massenaufgebot an Einsatzkräften die Damen und Herren Abgeordneten-Marionetten nicht mal ins Parlament hinein kommen ließe, um dort ihre eigene Abschaffung in der Krise gesetzlich zu zementieren.

Warum ich nicht in Berlin mitdemonstriere? Leider kann ich mir nicht einfach frei nehmen, denn wenn ich nicht arbeite, bekomme ich augenblicklich kein Geld mehr - der Kühlschrank bliebe leer, das Internet wäre tot und ich säße in einem ungeheizten dunklen Raum. Genau das wissen die Regierung und die an der Abschaffung der Demokratie interessierten Kreise, denn neben ihrer eigenen Bereicherung ist die finanzielle "Just-In-Time-Abhängigkeit" der arbeitenden Bevölkerung die Konsequenz der schleichenden Inflation einer Null-Zins-Politik. Der Kampf ums tägliche wirtschaftliche Überleben hemmt jeden lauten Widerspruch. Ohne finanzielle Rücklagen kann sich kaum jemand zwei Demo-Tage leisten (für die An- und Abreise benötigte ich schon je einen Tag). Wenn sich die Schuldenspirale erst mal in Bewegung setzt, gibtꞌs keine Revolution, denn im drohenden Ruin ist eine gesittete Revolte ein unbezahlbarer Luxus und man stünde viel näher an dem tragischen Schicksal der Alysson Jadin, die sich vorgestern aus Verzweiflung das Leben nahm, als an einer gerechteren Welt.

Nach diesem Mittwoch bleibt also nur noch Ohnmacht übrig und Staunen, wie der Umbau der Demokratie sehenden Auges in solchermaßen nie für möglich gehaltenen Riesenschritten durchgesetzt wird. Und ja, die letzte Hoffnung besteht noch, nämlich auf die Gerichte, dass sie diesem Wahnsinn am Ende einen Riegel vorschieben werden. Verlässlich ist die Hoffnung aber nicht, Hoffnung halt, ein sehnlicher heißer Wunsch, nicht mehr aber auch nicht weniger.

Kommentare:

  1. Wow Georg, das hast du perfekt umschrieben! Besser kann man es nicht ausdrücken. Ich sitze mit fassungslosem Staunen da und weiss nicht mehr was ich sagen soll:(. Am meisten erschüttert mich, dass niemand was aus der Geschichte gelernt hat - fühle mich immer mehr in eine Zeit versetzt, als ein kleiner Mann mit seltsamem Bärtchen die Macht an sich gerissen hat. Der einzige Unterschied ist, Flucht unmöglich...da der Wahnsinn global regiert-ja ich weiss der regiert schon lange, aber nun wird er immer offensichtlicher. Wie können sich Menschen so verarschen lassen ???!!!
    Danke für Deine offenen Worte, lese immernoch oft und gerne hier-wenn auch schweigsam:-)
    ganz liebe Grüsse Elke

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    1. Genau das, liebe Elke, mir bleibt der Mund vor Staunen offen, dass locker 80 Prozent der Leute das alles auch noch mitmachen, ja, sogar begrüßen. Gäbe es bei uns die Möglichkeit eines Volksentscheids, es würde eine mit Abstand große Mehrheit für die eigene Entrechtung stimmen. Wie kann so etwas sein? Was ist in den vergangenen Jahrzehnten schief gelaufen, dass so viel Unwissen und Bildungslosigkeit heute vorhanden ist?

      In der FAZ wurde gestern (oder vorgestern) in einem Artikel offen darüber philosophiert, ob eine Demokratie in Zeiten der Krise überhaupt eine gute Staatsform sei oder ob eine Diktatur dafür nicht wesentlich besser geeignet sei. Unfassbar!

      Und wie du sagst, man kann nicht mal mehr davor fliehen, denn der Wahnsinn greift weltweit um sich. Wahrscheinlich wegen der Vernetzung und den sozialen Medien - also wegen dem, was ich vor 20 Jahren noch euphorisch begrüßt hatte. Jetzt endlich, so dachte ich damals, breche eine Zeit an, in der die Mächtigen die Bürger*innen nicht mehr manipulieren können, da sich jeder mit jedem anderen Menschen in Jetzt-Zeit vernetzen und kommunizieren kann. Welch ein gigantischer Irrtum meinerseits!

      Es mag sein, dass die Vernunft auch um den Globus tingelt, doch an eine Panik und an Angst hatte ich seinerzeit gar nicht gedacht - sie rasen wie ein Hurrikan um die Welt und zerstören alles in Jahrzehnten Errichtetes bzw. Erreichtes. Das Mittelalter steht unmittelbar wieder vor der Tür. Statt von Rasseln und Trommeln begleiten uns Smartphones und Kameras auf den Wegen zum Scheiterhaufen oder ins Umerziehungslager.

      Immer wenn ich aufwache, denke ich, nun ist der Spuk aber bald vorbei, und immer wieder wenn ich zu Bett gehe, erkenne ich, dass der heutige Tag noch schlimmer als gestern geworden ist. Wo mag diese Hysterie bloß enden?

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  2. Ich glaube, es gibt nur einen Weg: Wir müssen wieder auf die Straße. Nee, nicht du in Berlin. Ich heute auch nicht, weil ich derzeit in Cottbus arbeite und froh bin, dass ich das noch darf. Da geht es mir wie dir.
    Was ich als einzigen Weg des Widerstandes sehe, wäre die Wiederbelebung der Montagsdemos. Wir haben 89 gegen eine Regierung demonstriert, die eine Diktatur verkörperte und willkürlich sämtliche Menschen- und Bürgerrechte mit Füßen trat.
    Wir haben demonstriert für eine Demokratie und dafür, die Grundrechte der Menschen wahrnehmen zu dürfen.
    Jetzt, gerade mal 30 Jahre später, haben wir wieder eine Regierung, die willkürlich Gesetze ändert oder neue erlässt, um die Demokratie auszuhebeln und durch eine Diktatur zu ersetzen und die Grundrechte der Bevölkerung drastisch einzuschränken. Also wird uns nichts anderes übrig bleiben, als wieder auf die Straße zu gehen in vielen Städten mit hoffentlich immer mehr Menschen.
    In meinem viel zitierten Lieblingslied heißt ...wenn du mich fragst, muss ein neuer König her. Einer, der ein Herz für die Narren hat...
    Also bestimmt nicht der Clown aus Bayern.
    Ob die Gerichte wirklich etwas bewirken können/werden? Du sagst ja selbst, verlässlich ist die Hoffnung nicht.

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    1. Einerseits und andererseits. Ja, liebe Mira, du hast recht, zu Zigtausenden auf die Straßen gehen, das würde etwas bewirken. Nicht ein Mal, nicht nur in Berlin, sondern in mehreren Städten und wie damals regelmäßig. Davon sind wir heute aber leider noch meilenweit entfernt. Vielleicht auch nicht, denn vielleicht schätze ich den Unwillen über die Regierung falsch ein, doch wenn ich heute die Demo in Berlin sehe - das reicht mengenmäßig eben bei weitem nicht. Also bleibt auch hier nur die Hoffnung übrig, dass es im Laufe der Zeit immer mehr werden, die auf die Straßen gehen.

      Dabei wäre (noch) der Spuk einfach mit einem Kreuzchen bei der nächsten Bundestagswahl zu beenden, ein Kreuzchen eben nicht für die Blockparteien CDU/CSU, SPD, FDP, Grüne oder die Linke. Auch das wird leider höchstwahrscheinlich nicht geschehen, denn die Leute werden sich einfach an den Abbau der Demokratie gewöhnen, sie werden sich mit ihm arrangieren. Mich erschleicht sogar der Eindruck, dass sie diesen Demokratieabbau toll finden. Wie Elke es sagt, sie nicken begeistert zur Tagesschau.

      Wahrscheinlich muss es ihnen allen erst (also auch denjenigen, die von öffentlichen Geldern bezahlt werden) ordentlich ans eigene Portemonnaie gehen, eh sie aufstehen. Ich glaube, heutzutage funktioniert Politik nur über die Portemonnaies der Menschen - was aber andererseits den Nachteil besitzt, dass ein kommender Diktator bloß dafür sorgen braucht, dass dort keine Ebbe herrscht, dann machen die Menschen jede Schweinerei begeistert mit und fressen ihm oder ihr aus der Hand.

      Ausgrenzen, selektieren, kenntlich machen, ideologisch umerziehen, moralisieren, denunzieren - das sind wunderbare Sachen, an denen der Deutsche an sich immer schon große Freude hatte. Also ich befürchte, ein zweites 1989 wird es so bald nicht geben. Aber du hast dennoch recht, denn es geht nur gemeinsam. Friedfertigkeit, Wahrheit, Wissen - letztendlich wird sich das durchsetzen. Ist eben nur die Frage wann bzw. was noch alles Schlimmes kommen muss, eh es soweit ist.

      Und es ist die Frage, ob es dann überhaupt von Deutschland ausgeht, denn es könnte durchaus sein, dass sich das Europa um uns herum zuerst positiv verändert. Denn irgendwie kann ich mir einfach nicht vorstellen, dass rund 400 Millionen Menschen sich mit der Fortnahme der Freiheit abfinden werden. Aber das mit dem nicht vorstellen können, ist auch soꞌne wacklige Angelegenheit, denn alles, was heute geschieht, konnte ich mir noch letztes Jahr ebenfalls nicht vorstellen. Uns fehlt einfach eine verlässliche Glaskugel, liebe Mira. Kannst du in deinem Zauberreich nicht mal eine mitgehen lassen?, ich meine gar nicht stehlen, sondern nur kurzfristig ausleihen :-)

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  3. Liebe Mira, ich antworte dir einfach mal was ich dazu denke;)
    Damals in der DDR waren sich die meisten einig dass das System weg muss.
    Die Mauer, dieses nicht reisen dürfen, eingesperrt sein, Überwachung etc..
    Wenn ich mich heute umschaue sehe ich, dass ein Grossteil der Bevölkerung es einfach toll findet wie sehr sich ihre liebe Regierung doch um ihr Wohl kümmert.Überwachung, Gesetzte, Regeln...toll, ist doch nur für unsere Sicherheit. Alle sitzen abends vor dem Staatsfunk und nicken begeistert zu dem was der tolle Mann oder Frau da in der Tagesschau erzählt.
    Da wird gesagt alle Demonstranten sind böse und dann sind sie das eben auch. Da wird nicht nachgedacht, nicht versucht zu hinterfragen. Null-leider. Zumindest von den meisten:(.
    Bis die aufwachen muss es erst noch richtig dicke kommen...
    Vielleicht seh ich das ja alles zu pessimistisch!? Das wär schön:-)
    Liebe Grüsse Elke

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  4. Liebe Elke, leider hast du recht. Ein Großteil der Leute glaubt diesen Unsinn, der über Demonstrationen in den Medien verbreitet wird, welcher Mist da zusammengelogen wird. Du hast leider auch damit recht, dass keiner das alles hinterfragt. Ich schaue gerade ein Privatvideo aus Berlin. Wasserwerfer gegen friedliche Demonstranten.
    Sie pfeifen und trommeln, aber ansonsten stehen sie still und halten Plakate mit Herzen hoch. Oh ja, gegen solche Menschen muss man Wasserwerfer einsetzen. Daran sieht man doch, wieviel Angst die Regierung vor ihrem Volk hat. Und warum hat sie soviel Angst, weil sie genau weiß, welche Schandtaten sie unter dem Deckmantel Corona dem Volk antut und noch zu tun beabsichtigt.
    Ich fürchte, du siehst es nicht pessimistisch, sondern realistisch. Dem deutschen Volk geht es noch nicht schlecht genug. Mal sehen, vielleicht ändert sich das im neuen Jahr. Die Insolvenzgesetze sind bis Jahresende ausgesetzt, aber ab 1. Januar treten sie wieder in Kraft. Dann werden unzählige Firmen, die sich jetzt mit Kurzarbeit und ähnlichem über Wasser gehalten haben, gnadenlos den Bach runter gehen. Und dann wird es vielen gar nicht mehr gut gehen. Vielleicht werden sie dann munter. Ich hoffe das.
    Liebe Grüße
    Mira

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  5. Ach Georg, ich hatte zuerst nur Elkes letzten Kommentar gelesen und darauf gleich geantwortet, wohl weil ich auch so aufgewühlt war, weil ich eben das Video einer Freundin angeschaut hatte, die heute in Berlin dabei war. Nun habe ich gelesen, dass du ähnlich denkst (Portemonnaies).
    Und die Glaskugel, weißt du, die kann ich nicht mitbringen. Ich habe hineingeschaut und bin so erschrocken, vor dem, was ich sah, dass ich sie habe fallen lassen und sie in tausend Scherben zersprang.

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    1. Ach, meno, nu sindꞌs lauter kristallene Zukunftsscherben. Kurze Szenen des Kommenden, wobei bei ihnen dann der Zusammenhang unsichtbar bleibt, im Dunkel liegt. Apropos im Dunklen: ich hatte schon mal versucht, meine kleine Mondlampe mystisch zu besprechen. Sie sagt aber leider nichts über die Zukunft, denn der Mond ist die Kugel der Fantasie sozusagen. Wenn du sie länger anschaust, reißtꞌs dich mit auf eine Traumreise der Imagination. Tut als Auszeit oder als Kurzurlaub von den derzeitigen Ereignissen in der Realität der Seele gut. Gugge:

      https://kraftvergeudung.blogspot.com/2019/05/mondlampe.html

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  6. Danke Georg. Das brauche ich jetzt, sonst ergeht es mir wie Heinrich Heine: Denk ich an Deutschland in der Nacht, dann bin ich um den Schlaf gebracht.

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