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Donnerstag, 19. November 2020

Tag 1 auf der Intensivstation

Am heutigen ersten Tag, an dem die Demokratie auf der Intensivstation aufwacht, sieht sie die vielen Schläuche und Überwachungsmonitore ringsherum und erschrickt gewaltig. Noch nie zuvor hatte sie hier gelegen, stand vor vielen Jahren zur Zeit der Notstandsgesetzgebung und der Berufsverbote ein Mal kurz vor der Einweisung, doch die Ärzte setzten damals allen Widerständen zum Trotz auf naturheilkundige Verfahren, die letztlich zu einer Verbesserung ihres Zustands führten. Die Zeiten, in denen Ärzte und Ärztinnen ihrer Verantwortung gerecht wurden, sind längst vorbei. Mengeles Urenkel haben mit einigen Tests an ihr begonnen. Sie interessieren sich nicht mehr für den Allgemeinzustand ihrer Patienten, und so liegt die Demokratie nun an ihren Gliedern fixiert in einem Hightech-Bett umgeben von Robotern, die jede Regung ihrer alten Knochen elektronisch aufzeichnen. Noch atmet sie selbstständig und fragt sich, wozu die Beatmungsmaschine neben ihr gerade dicht ans Bett geschoben wird. Durch eine Glasscheibe erkennt sie hinter der Tür zum Korridor die besorgten Blicke ihrer Hüterinnen und Hüter; die Damen und Herren des Verfassungsgerichts murmeln Unverständliches. Immer wieder schaut ein Gesicht mit tiefen Stirnfalten zu ihr herüber, bevor es sich erneut dem Kreis der Flüsterer zuwendet.

"Was geschieht mit mir?", möchte die Demokratie ihnen zurufen. Sie schreit die Frage innerlich so laut sie kann, doch ihre Worte dringen nicht nach außen, wie gelähmt sind ihre Stimmbänder. So muss sie zusehen, wie ein Pfleger den Beatmungsapparat neben ihr vorbereitet, um ihr die freie Luft zum Atmen in Kürze endgültig zu nehmen.

Eine Ärztin in Begleitung eines weiß bekittelten Pulks betritt den Raum. Die nächsten Tage seien entscheidend, hört sie Frau Doktor sagen. "Warum hat die Patientin ihre Augen geöffnet?", fragt die Frau Oberärztin barsch den Kollegen der Anästhesie? Beflissen wie ein braves Schulkind, das der Lehrerin gehorchen möchte, erhöht der Anästhesist die Dosis des Sedativums und die Demokratie schließt müde ihre Augen. Schon fällt sie in einen tiefen Schlaf und träumt von ihrer wilden Jugend im Kreise der Göttinger Sieben. Von irgendwoher dringt Musik an ihr Ohr: "Wir setzen uns mit Tränen nieder, ruhe sanfte, sanfte Ruh." [Ohr-Clip]

Kommentare:

  1. Das war gestern ein dunkler Tag für Deutschland.
    Ich habe eure Diskussion gelesen und mir die live Übertragung der Beratung des Parlaments angeschaut. Wie dann in der Tagesschau über die Aktion der AdF berichtet wurde, widerspricht dem wie ich das wahrgenommen habe. Und genau so verhält es sich mit den Berichten über die Demo.
    Es ist zum Kotzen.
    Gibt es weltweit denn noch ein weiteres Land, in dem Gesetze geändert wurden? China nehme ich mal aus, die spielen nun mal nach eigenen Regeln.

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    1. Gute Frage, ich weiß es nicht, sehe aber, dass in vielen europäischen Städten Großdemos stattfinden, über die in unseren Mainstreammedien nicht oder nur am Rande berichtet wird. Für die Österreicher*innen ist ihr Lockdown zu neu, sie reiben sich gerade erst ihre Augen und fragen sich, was los ist. In Tschechien gehen immer mehr Menschen auf die Straßen, London, Paris - wobei mich die relative Stille in Frankreich schon sehr wundert angesichts des renitenten Volks, das bei viel kleineren Dingen zu Zigtausenden nach draußen geht.

      In Madrid ("das Wunder von Madrid") geht niemand mehr auf die Straße, da das Virus aus unbekannten Gründen dort verschwindet. In Portugal hat das Verfassungsgericht vorgestern die PCR-Tests als unzulässig, da unzulänglich, erklärt und sämtliche Maßnahmen somit juristisch außer Kraft gesetzt - das muss man sich mal vorstellen, hat man hierzulande in den Hauptmedien davon irgendetwas lesen können?

      In Holland gibt es längst keine Nachverfolgung von Virenketten mehr, so dass die Gesundheitsämter dort nicht an ihre Grenzen stoßen, wie bei uns. Schweden dürfte bekannt sein. Die Demos, alle ohne Masken, Abstände etc., in Weißrussland werden von unseren Medien gelobt. Belgien ist eigentlich kein gefühltes Land, sondern ein korruptes politisches Gebilde mit zur Hälfte Holländer und Franzosen. In Italien gehen in diversen Städten die Menschen auf die Straßen. Über Polen, Ungarn und Rumänien weiß ich gar nichts, außer von Berichten Reisender, die sagen, dass der Alltag dort normal verliefe = ohne Masken und Abstände einkaufen, die Kneipen und Restaurants haben geöffnet usw.. Polen und Ungarn blockieren gerade den EU-Haushalt, was ebenfalls die Billion Euro Cornahilfen betrifft. Diese Länder fühlen sich von der EU erpresst, die Geld an politische Zusagen knüpft, was zeigt, dass es auch der EU gar nicht um den Gesundheitsschutz der Bevölkerung in erster Linie geht.

      In ganz Afrika gibt es keine besonderen Corona-Probleme, was klar ist, lässt sich dort von der Pharma-Industrie kaum Reibach wie in Europa machen. Drosten erklärt sich das aufgrund der jüngeren Altersstruktur dieses Kontinents (man sieht daran sehr schön, dass Drosten bis auf Virologie keine Ahnung hat). In Asien sinken die Coronazahlen derzeit, was aber auch vorher klar war: Südhalbkugel / Nordhalbkugel = unterschiedliche Grippe-Viren-Verteilung. Unser Sommer ist deren Winter und umgekehrt.

      Ob oder was an Gesetzen in anderen Ländern verändert worden ist, weiß ich auch nicht, denn ich kenne deren Verfassungen nicht.

      Zuletzt ein Hinweis auf Boris Reitschuster. Er hat eine Zusammenfassung seiner Livestreams aus Berlin erstellt. Nur knapp 30 Minuten aus vielen Stunden:

      https://youtu.be/XYbSE6PTgOI

      Boris Reitschuster generell immer ein Lesetipp:

      https://www.reitschuster.de/

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