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Mittwoch, 16. September 2020

Die Eichel

Herbst mal wieder. Herbstfrüchte allüberall. Ein reich gedeckter Tisch. Und Boden: wenn du dann das falsche Früchtchen unter die Füße kriegst, sprich unter den Reifen, dann vergeht die Schläfrigkeit sogar nachts um 3 Uhr wie im Flug.

"Was isꞌn los? Was war?"

Als ich mich routiniert (und also in fahrtechnisch abseitigen Gedanken befindlich, so aber doch rasant) mit dem Rad in eine Kurve legte - du erinnerst dich an Motorradrennen? Ich finde, es hatte damit gefühlsmäßige Ähnlichkeit selbst bei Tempo 5 Km/h - erwischte das Hinterrad doch tatsächlich mittig eine junge und zähe Eichel. Die luftlosen Reifen machten mit ihr natürlich augenblicklich kurzen Prozess und kauten sie gewissermaßen für den bereits an der Ecke lauernden Igel musmäßig vor, jedoch nicht ohne der Widerstandskraft der Eichel mit einem kleinen Sprung zu antworten. Ausgerechnet das in der Kurve ließ augenblicklich mein Adrenalin auf Maximum steigen und meine generelle Gabe der Ungeschicklichkeit hektisch und wirr an der Lenkstange hantieren. Während der schläfrige Körper noch starr vor Schreck durch die Überdosis Epinephrin auf Kommandos vom Gehirn wartete, führte die geringe Beschleunigung, ja, böse Zungen hätten hier schon von einem dem Stillstand täuschend ähnlichen Zustand gesprochen, mit der Gravitation unseres geliebten Heimatplaneten einen physikalischen Disput, dessen Ergebnis zugunsten der Erdanziehungskraft nur durch das entschlossene kräftige Auftreten meines Beines verhindert werden konnte  - all das fand wohlgemerkt im Bruchteil einer Sekunde statt.

Das heißt: das alte Bein befindet sich derzeit hochgelegt auf einem Schemel und besteht bis heute Abend auf seine Kur. Dem entspreche ich wohlwollend, indem ich die Beweglichkeit meines Körpers gen null herunterfahre und vorm großen TV die abendliche Unterhaltung zweier Spielfilme genießen werde. Bis morgen also, achte auch du auf die Früchte des Herbstes, selbst ohne Regen kann es ganz schön rutschig werden.

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