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Montag, 29. Juni 2020

Restaurierung alter Fotos und Dampf dazu

Heute mal etwas zur Restaurierung alter Fotos und zum E-Dampfen. Rein autodidaktisch, ich kenne mich nicht einmal in der Begrifflichkeit der Fotografie aus.

Bis in die 1990er Jahre fotografierte man noch analog. Mit viel Chemie. Wer Fotos ohne Negative aus jener Zeit besitzt, sieht, wie schnell sie altern, wie sehr doch Chemie und Papier mit den Bedingungen unserer Atmosphäre ein immer dichteres Tänzchen aufführen, diese Schwerenöter der Natur, bis dass sie irgendwann vollends ineinander aufgehen und man kaum noch etwas auf den Bildern erkennen kann. Der erste Schritt zu deren Erhalt ist die Digitalisierung. Damit ist dem Alterungsprozess ein Riegel vorgeschoben. Doch oft sind die Fotos bis zu jenem Zeitpunkt bereits sehr unansehnlich geworden. Jetzt muss also restauriert werden.

Überall, wo Menschen auf- oder zueinander treffen, gibt es viele unterschiedliche Meinungen. So auch bei der Restauration alter Artefakte. Die einen sagen, man muss unbedingt die Spuren der Zeit der Authentizität halber belassen. Andere sind der Ansicht, der Gegenstand - oder wie hier das Foto - soll in den Bereich seiner Entstehung zurückversetzt werden, also so aussehen, wie es vom Fotografen seinerzeit beabsichtigt und produziert worden war. Wieder andere sagen, man dürfe alles mit den Bildern machen: die Pickel auf der Haut retuschieren oder sogar die Kleidung und Umgebung neu einfärben.

Meine Wenigkeit tendiert zu einer Mischung aus den ersten beiden Meinungen, sieht also so aus, den Originalzustand weitgehend wieder herzustellen aber seine Authentizität als alte Fotografie dennoch erkennbar zu lassen.

Hier ein Beispiel eines Fotos recht guter Ausgangsqualität, aufgenommen Ende der 1950er oder Anfang der 1960er Jahre bei einem Fotografen. Die dort abgebildeten beiden Personen sind meine Eltern. Bei dem Bild gibt es somit keine Persönlichkeitsrechte mehr, die verletzt werden könnten, es sei denn Petrus schickt im Auftrag meines Vaters Blitz und Donner auf die Erde hinab, um damit sein Missfallen an meiner Veröffentlichung kundzutun. Ich glaube aber eher, das Gegenteil wäre der Fall und Papa zeigt nun den Engelchen im Himmel oder cool an der Bar sitzend in der Hölle das restaurierte Bild seines irdischen Wandelns und ist stolz, noch immer auf der Erde im Zustand ewiger Jugend schön wie einst zu verharren.

Klick aufs Bild = größer

Nach der Digitalisierung wird zuerst der farbliche Gelbschleier entfernt. Das funktioniert heute mit jedem gängigen Fotoprogramm per Knopfdruck. Meist genügt es, die automatische Farbkorrektur dafür zu verwenden. Das Ergebnis macht schon locker 50 Prozent einer Verjüngungskur aus.

Als zweiten Schritt wähle ich die behutsame Hervorhebung der Bildschärfe in wenigen Bildbereichen, auf die es meiner Ansicht nach ankommt. Hier also der Gesichter insbesondere der Augenpartien. Dazu nehme ich einen großflächigen Stift, eigentlich mehr ein Arbeitsbereich, mit dem rein optisch nach dem Gefühl die Bildschärfe etwas erhöht wird. Falls du zwischen Bild 2 und 3 keinen Unterschied sehen solltest, so liegt das wohl an der Komprimierung, die für dieses 4-er Bild nötig wurde. Da musst du mir einfach glauben, dass es diesen Unterschied tatsächlich gibt.

Der dritte und letzte Schritt ist wesentlich arbeitsintensiver, denn um die vielen Flecke, Abplatzer usw. am Originalbild zu entfernen, sollte ich ja wissen, wie das Original tatsächlich ausgesehen hat. Das bleibt aber für immer unbekannt. Ich muss also interpolieren, das heißt, jeder nicht mehr im Original vorhandene Pixel wird durch einen neuen ersetzt, der höchstwahrscheinlich so ausgesehen hat. Dazu lässt sich das Pixel-Klonen verwenden. Ich wähle den direkt neben einem abgeplatzten Pixel liegenden und ersetze damit manuell den fehlenden. Zu 99,9 Prozent entspricht dies dem Original. Als Stiftgröße verwende ich 1 Pixel (!) bis 10 Pixel mit nur 50 prozentiger Deckkraft und weichem Rand, so wird verhindert, dass unter Umständen das Endergebnis wie durch Seifenblasen betrachtet erscheint. Man muss da schon sehr genau sein. Dankbar ist bzw. leicht machen es natürlich der Hintergrund einer Raufasertapete sowie grobe Textilien wie beim Jackett. Behutsamer ist das Vorgehen im Bereich der Gesichter angesagt.

Im Ergebnis verzichte ich aufs Retuschieren aller Bildstörungen. Es ist ein Balanceakt, den man durchs Gefühl auszugleichen versucht. Was ist störend, was wichtig, was kann bleiben, was darf weg?

Und falls du jetzt fragen solltest, was das denn laut Titel bitteschön mit Dampf zu tun hat - nun, ich habe während der Restaurierung mindestens zwei Tanks leckeres Kaffee-Liquid verdampft: 5% CBV-Kaffee-Aroma in einer 40/60-prozentigen Mischung PG/VG mit einem Nikotingehalt von um die 3 mg pro ml. Wir sehen also, lecker e-dampfen führt zu kulturhistorisch annehmbaren Modernisierungen vergangener Zeiten.

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