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Donnerstag, 3. Oktober 2019

Nachdenkliches zum nationalen Feiertag

Andere posten ihre geistigen Ergüsse auch auf mehreren Webseiten, dann "darf" ich das heute ebenso mal machen, und zwar meinen Kommentar zu Gerd Buurmanns "Brief zur deutschen Einheit". Dort, und hier nun also auch noch. Ich übertreibe es, nicht wahr?

Naja, ich "Grafiktalent",
das sollen Risse sein :-)
Der Appell ist gut gemeint und sicher auch wahr, doch irgendwie aus der Zeit gefallen: vor 30 Jahren hätte ihn der Bundespräsident sprechen können. Heute verneint die Linke eine deutsche Identität. Das Land soll im Konzert aller europäischen Nationen und später aller Länder der Erde aufgehen, was als Allegorie zwar ganz nett klingt, für die Ohren jedoch zu einer Kakophonie führt.  Wer keine nationalen Identitäten will, strebt kein buntes Bild an, keine bunte Vielfalt unterschiedlichster Eigenarten, sondern er vermischt die Farben, so dass am Ende ein fieses Braun übrig bleibt, das alles übertüncht.
Es ist schon lustig, die vielen bunten Farben auf den Bannern und Flaggen des Mittelalters sind heute bereits einem erdrückenden Nachthimmel in Dunkelblau gewichen, bei dem selbst die Anzahl gelb leuchtender Sterne vorgeschrieben wird. Gleichzeitig sehnen sich die Menschen nach Unabhängigkeit. Ob in Katalonien, Schottland oder Hongkong - sie wehren sich gegen die jeweiligen Zentralregierungen. Während also auf der einen Seite Bestrebungen mehr und mehr Fuß fassen, die eine Art Weltregierung wünschen, entwickeln sich zunehmend Separationsbewegungen, die das genaue Gegenteil fordern. Wahrscheinlich ist der Mensch, dessen Kern nun mal die Familie ist, biologisch gar nicht in der Lage, in einem globalen Gemeinwesen wie - ums bildlich zu gestalten - der Föderation ("Star Trek") zu existieren. Jede oder jede 2. oder jede 3. Generation braucht ihre Revolution gegen das Establishment. Von daher sehe ich Nationen, wenn man denn einen Schritt zurücktritt und das Bild der Erde aus zeitlicher und räumlicher Entfernung betrachtet, in einem steten Wandel begriffen, eine Landkarte mit wabernden Grenzen. 
Ich glaube also eher an eine Zersplitterung der Länder Europas und ihrer Kulturräume als an deren Vereinigungskraft. Es würde mich nicht im Geringsten wundern, wenn Deutschland irgendwann in mittelfristiger Zukunft als eine Nation aufhört zu sein, wir sind nicht besser oder klüger als die Katalanen oder die Schotten, das sind keine Hinterwäldler. Irgendwann stellt jemand zum ersten Mal die Forderung nach einer Loslösung eines oder mehrerer Bundesländer, und ab diesem Moment bekommst du die Katze nicht mehr zurück in den Sack. Denn schon heute gibt es längst keine deutsche Einheit und deutsche Kultur mehr, keine Religion, die einheitsstiftend wirken könnte und erst recht keine Ideologie, die dazu in der Lage wäre. 
Es wirkt auf dem ersten Blick grotesk: während sich vieles auf der Erde globalisiert, separieren sich immer mehr kleinere Gruppen. Wo das hinführt, kann niemand seriös vorhersagen, interessant (und kraftvoll und kreativ) sind diese gegensätzlichen Strömungen aber allemal. Wer davor Angst hat, gehört unter die Bettdecke - das Leben war, ist und wird auch in Zukunft gefährlich sein. Wenn auch nicht zwingend deutsch.

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