.

.

Donnerstag, 10. Oktober 2019

Deplatzierte Filmmusik

Ein Tagebucheintrag ist "verschütt gegangen"? Eigentlich nicht, denn jetzt, da ich diese Zeilen schreibe, bin ich quasi noch von gestern (das sowieso), will sagen, es ist gerade um 5:20 Uhr mein Mittwochabend. Und ich habe immer noch frei :-)

Vor einigen Stunden stand ich vor meinen DVDs; den alten, das muss hier erwähnt werden, weil ich seit fast 10 Jahren nur noch Spielfilme digital archiviere. Trotzdem sind es so viele DVDs und Blu-rays, dass ich sie geordnet habe nach 1. Super Filmen in Augenhöhe, 2. so Naja-Filme ganz oben (ich muss mich für sie schon gehörig strecken), und 3. Filme, die ich irgendwann sicher noch ein weiteres Mal ansehen möchte aber nicht "jetzt", jene stehen tatsächlich fast außer Reichweite. Also ließ ich meine Blicke lange schweifen, nahm ein paar DVDs in die Hand, stellte sie wieder zurück, nahm andere hervor, ließ mich von deren Bildgestaltung ansprechen oder auch nicht, las die Titel und Untertitel und entschied mich am Ende für ein Drama von 1984: "The Killing Fields", die DVD stand weit außerhalb.

Klar, es hat sich gelohnt. Auf den Inhalt brauche ich nicht näher einzugehen, es ist ein Klassiker des Antikriegsfilmes schlechthin. Wirklich sehr berührend.

Aber, und ich muss sagen, ich habe mich auch ziemlich geärgert. Nämlich über die Filmmusik, sie empfand ich als ganz und gar furchtbar. Sie ist unpassend, teilweise aufdringlich und da, wo sie es nicht ist, ist sie überflüssig und läuft meines Erachtens der Dramaturgie entgegen. Wie kann man so schlechte Musik komponieren? Noch schlimmer, wie kommt man auf die Idee, einfach Musik den Filmszenen quasi überzustülpen? Wahrscheinlich weil dem Publikum damit etwas pädagogisch gesagt werden soll oder da man den jeweiligen Song Mike Oldfields selber gerne hört. Auch wenn am Ende John Lennons Hymne "Imagine" angespielt wird, so finde ich sämtliche Songs schrecklich deplatziert. Vom Sound der 80er einmal abgesehen, der eh jeden Filmklassiker auf Dauer verhunzt. Jaja, ich höre schon den Einwand, dies böte eine Menge Authentizität, tut es hier aber nicht, denn dann hätte es der Sound der 70er sein müssen, nicht der 80er, wie zum Beispiel bei "Apocalypse Now" (grandios!), bei dem der Sound der 60/70er auch zur Handlung der 60/70er passt - halt musikalisch exakt in die Zwischenzeit.

Jedenfalls ist die Filmmusik der Grund dafür, weshalb ich die DVD erneut ganz weit weg platziert habe. Die nächsten 20 Jahre werde ich mir "The Killing Fields" bestimmt nicht mehr anschauen. "Ein Jahr in der Hölle", "Missing" oder "The Deer Hunter" stehen hingegen alle in Augenhöhe. Bei ihnen findet eine Symbiose zwischen Dramaturgie und Filmmusik statt - und das sogar trotz des 80er-Jahre-Sonds von "Ein Jahr in der Hölle", der zwar auch als Sound vollkommen Fehl am Platze ist, der aber überhaupt nicht aufdringlich wirkt, sondern die Dramaturgie musikalisch unterstützt.

Für mich bedeutet eine Film- und Serienmusik kein schmückendes Beiwerk, sondern sie ist elementarer Bestandteil der erzählten Geschichte - je unauffälliger, desto wirkungsvoller, also nicht elementar im dem Sinne, dass der Film um die Musik tanzt, sondern dass die Musik Hand in Hand mit der Dramaturgie geht und ihr höflich stets den Vortritt lässt.

Elementarer Bestandteil zur 3. Folge der 3. Staffel "Mr. Mercedes" wird gleich auch die Tafel "Kinderschokolade" sein, die ich mir vor dem Zubettgehen noch einpfeifen werde. Eine genussvolle Schlemmermweile wünsche ich dir am heutigen Donnerstag ebenso. Bis morgen (was auch immer das nun heißen mag).

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.