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Freitag, 15. März 2019

Preis der Fantasie

Heute wieder nichts Neues? Tja, was will man machen? Was soll man tun?

Inneres ich: "Nuꞌ komm schon, Georg, erzähle, was dir letzte Nacht widerfahren ist. Trau dich!"

Okay. Also es war so gegen 3 Uhr, ich radelte in Gedanken versunken in Schritttempo meine Strecken ab, da ruckte es mit einem Mal kräftig. Beinahe wäre ich vom Rad gefallen. Aha, dachte ich, wahrscheinlich ein dickerer Ast vom Sturm, der auf der Straße zurückgeblieben war. Ich hielt an und wollte ihn zur Seite legen, damit nicht der nächste Radfahrer deshalb zu Schaden kommt. War aber kein Ast. Der Gullydeckel stand ein paar Zentimeter schräg hoch. Im schwachen Schein meiner Lampe sah ich unter ihm doch tatsächlich ein Augenpaar; das Weiße in ihm war klar zu erkennen. Es schaute jemand über den Rand zu mir herüber.

"Nanu, wer bist du denn?", brachte ich eher unbewusst hervor. Aus dem Gully brabbelte eine männliche Stimme unverständliche Laute. Sie klangen wie eine fremde Sprache. Da ich kein Smartphone besitze und nicht den Google-Translator benutzen konnte, nahm ich meinen eigenen und drehte an meinem linken Ohr langsam rechts herum. Bei etwa 15 Grad Drehung verstand ich schon ein paar Worte. "Auskunft kostet 20 Schillinge". Dieser Satz wurde ständig wiederholt. Das war also der Übersetzer für Alt-Österreich, ich nahm eine Feinjustierung am Ohr vor, etwa 2,7 Grad weiter nach rechts, und schon erklang die Ansage in bundesrepublikanischem Deutsch: "Auskunft kostet ein Euro fünfzig …".

Das Männlein im Gully ging auf nichts ein, was ich ihm entgegnete. Schlussendlich kramte ich in der Jackentasche und fand drei 50-Cent-Münzen. Entschuldige, liebe Leserin, lieber Leser, aber wärst du denn nicht neugierig, wer da um 3 Uhr nachts in einem Gully hockt und vor sich her brabbelt? So etwas sieht und hört man doch nicht alle Tage.

Ich reichte ihm die Münzen. Eine knochige bleiche Hand mit dünnen skelettartigen Fingern grabschte sie.

"Guten Tag, Georg", beendete der Gully-Mann die Ansage, "wie geht es dir?"

"Oh, danke der Nachfrage. Ganz gut, glaube ich. Sag, bist du Teil eines Wachtraumes oder woher kommst du?"

"Von unten komme ich", antwortete die Stimme unter dem Deckel, "sonst würde ich mich kaum unterm Deckel befinden".

Soso, auch noch clownhaft daherreden, das hab ich gerne.

"Dir ist aber schon klar", begann ich in oberlehrerhaftem Tonfall, "dass du ein erhebliches Unfallrisiko darstellst. Was hast du hier zu suchen und wer bist du überhaupt?"

Ich bin ein Außendienstmitarbeiter der Verwaltungsstelle für erhaltenswerte Gedanken und Ideen. Mein Name lautet Gustav di Ferro und ich war auf der Suche nach dir. Jetzt, da ich dich gefunden habe, teile ich dir mit, dass der diesjährige Preis des königlichen untergründigen Ideeninstituts für fantasievolle und erhaltenswerte Gedanken an dich geht. Herzlichen Glückwunsch!"

Was sollte ich dazu sagen? Es glaubt mir ja eh niemand diese Geschichte, ich selber hatte schließlich Probleme, zu glauben, was ich da sah. Ich würde so etwas auch keinem anderen Menschen glauben. "Aha", stammelte ich nur, "einen Preis? Für wen arbeitest du nochmal?"

"Für die Verwaltungsstelle erhaltenswerter Gedanken. Mit Intelligenz hat der Preis nichts zu tun, wie man an deiner Merkunfähigkeit sehen kann, auch Dummies bekommen hin und wieder diese Auszeichnung. Wenn du sie annimmst, bitte ich dich, mir zu folgen. Einverstanden?"

Nun, was würdest du tun in einer solchen Situation? Es lugt unten auf dem Boden aus einem Gully Gustav di Ferro zu dir empor, schmiert dir für 1,50 Euro Honig ums Maul und fordert dich auf, ihm in den Gully zu folgen. Das erlebt man nicht jeden Tag, gell? Ja, die Neugierde siegte letztlich und ich willigte ein, zu Gustav in die Kanalisation zu steigen.

"Das ist aber ziemlich eng und schmutzig, ich bin in letzter Zeit wieder arg umfänglicher geworden", zierte ich mich anfangs noch, doch da blitzte es, obwohl das Gewitter vom Abend längst verzogen war, und ich nahm ein leichtes Kribbeln wahr. Plötzlich erschienen mir Gustavs Augen riesenhaft groß. Ich schaute mich um, sah zum abgestellten Fahrrad und - oh, Schreck! Ein gigantisches Riesenfahrrad stand dort auf seinem Ständer. Es dauerte ein paar Sekunden, eh ich begriff, dass ich es war und nicht das Rad, der sich verändert hatte: ich war ziemlich geschrumpft. So groß wie eine Katze vielleicht. Gustav reichte mir seine knochige Hand und wir stiegen hinab in den Gully.

Na, den Weg durch die Kanalisation kannst du dir sicher in etwa vorstellen. Es war feucht und roch moderig. Dunkel warꞌs nicht, denn ich hatte ja berufsbedingt meine helle Lampe dabei. Wir bogen zwei, dreimal ab in größere Rohre, dann gelangten wir in einem hohen Raum, eine Art Verteiler, von dem aus in mehreren Richtungen weitere Rohröffnungen zu sehen waren.

"Moment, Georg", bremste Gustav meinen Gang, "hier müssen wir einen Augenblick warten, denn wir werden abgeholt."

Zuerst hörte ich nur ein leises Trapsen, das aber schnell lauter wurde und einem Pferdegalopp ähnelte. Dann sah ich in einem der Rohre auch schon Bewegung. Zwei Wesen, wenn ichꞌs nicht besser wüsste, würde ich sie als Ratten bezeichnen, zogen ein kutschenartiges Gefährt ohne Räder. Gustav sah meinen erstaunten Blick und sagte nur: "Elektromagnetischer Antrieb. Emile Bachelet war einer unserer ersten Preisträger." "Und die Riesenratten? Ich ahne es, sind nur Projektionen?" "Genau, du bist ja doch nicht ganz so dumm, wie es vorhin den Anschein hatte", lächelte Gustav aus einem beängstigend an Magersucht erinnernden Gesicht sehr blassen Teints. Der Wagen hielt, Gustav öffnete eine Tür und wir stiegen in die schwebende Kutsche. Sie schwebte augenblicklich weiter. "Ein toller Federungskomfort", staunte ich, "darf ich aus dem Fenster schauen?" "Ja, gerne", ermutigte mich Gustav. Meinen ganzen Kopf hielt ich aus dem Fenster, wollte den Fahrtwind spüren. Sehen konnte ich nichts, es war dunkel vor schwarzem Hintergrund. Grad so wie meine Rundfahrten auf dem Fahrrad während meiner Nachtschichten, dachte ich, wenn ich die Wege durch den Wald nehme und eine schwarze Baumwand an mir vorüber gleitet. Der Boden Asphalt, alles ähnlich wie auf dieser Kutschfahrt. Ich setzte mich wieder auf meine Sitzbank. "Und nun geb acht, was geschieht", lachte Gustav. Augenblicklich nahm ich eine Veränderung der Schwerkraftverhältnisse wahr. Sehen konnte man nichts, doch es fühlte sich an, fast wie ein freier Fall. "Wir fahren senkrecht nach unten", belehrte mich Gustav. "Wohin?", fragte ich. "Na, noch nie etwas von Jule Vernes ꞌMittelpunkt der Erdeꞌ gehört?" Gustavs schmale Gesichtszüge bebten leicht vor Vergnügen bei meinen fragenden Blicken. "Nur Geduld, Georg, gleich sind wie am Ziel."

Ohne etwas zu sehen, lässt sich die Geschwindigkeit schlecht schätzen. Den Zustand der Schwerelosigkeit wie auf einem Parabelflug hatten wir jedenfalls nicht erreicht, doch nach einer knappen halben Stunde kündigte ein flaues Gefühl in der Magengegend wie bei einem Aufzugshalt eine deutliche Verringerung des Tempos an. "Wie sind da", sagte Gustav, "das ist der Mittelpunkt der Erde. Hier findet die diesjährige Preisverleihung erhaltenswerter Gedanken statt. Schau aus dem Fenster."

Ich tat wie mir geheißen und es verschlug mir den Atem. Die Kutsche bog ganz langsam in eine unterirdische gigantische Grotte ein. Keine Tropfsteinhöhle, denn jeder Stein und jeder Stalaktit und jeder Stalakmit war kunstvoll behauen als Figuren. Menschen, Tiere, Bäume, Stillleben, Gruppen - alles war bildhauerisch geformt. Und überall leuchteten Farben, grün, rot, blau, gelb, lila. Die Höhlendecke reichte so hoch, dass sie nicht auszumachen war, aber wie Sterne glitzerten überall bunte Punkte, farbige Sterne. Ein Schwall warmer Luft zog beim Öffnen der Tür in die Kutsche und es roch wie auf einem Jahrmarkt nach allerlei kulinarischen Genüssen. Hunderte, wenn nicht mehr, kleiner Menschen sah ich, sie gingen meist Hand in Hand als Paar oder als Familie, es war ein Treiben wie auf einem Weihnachtsmarkt. Mir blieb mein Mund vor Staunen offen. "Wer sind die alle? Wo bin ich?"

"Das ist das Fest der Fantasie", begann Herr di Ferro feierlich eine Erklärung. "Ein Mal im Jahr treffen sich alle jemals von den Menschen ausgedachten Figuren, um der Fantasie ihrer Schöpfer zu huldigen. In diesem Jahr bist du der Würdenträger, dir zu Ehren findet nachher eine Gala statt. Schau!" Und Gustav wies zum Ende der Grotte, an der eine in Stein gehauene große Fassade eines Schlosses zu sehen war. "Dort werden wir erwartet." Wir gingen ein Stück zu Fuß, bis dass ich eine große Freitreppe erkannte, die zur Hauptpforte des Schlosses führte. Ein roter Teppich war bereits ausgebreitet und Hunderte kleiner Menschen säumten den Weg und die Stufen.

"Da geh ich nicht rauf!", beharrte ich entsetzt, "niemals! Das ist viel zu viel der Beachtung!"

"Wir haben noch etwa eine halbe Stunde Zeit", beruhigte mich Gustav, "ich muss sowieso noch mein Redemanuskript im Büro abholen. Wenn du magst, begleite mich."

"Dein Büro ist in einem solch prächtigen Schloss untergebracht?", fragte ich. "Nein, nein", beschwichtigte mich Gustav, "wir gehen ums Schloss herum, das Büro der Vergabestelle für erhaltenswerte Gedanken liegt im hinteren Keller".

Durch eine seitliche Tür an der Fassade gelangten wir in einem kahlen Gang. Nichts ließ hier vom Prunk der Vorderansicht erahnen, nüchtern und steinern waren Wände, Boden und Decke. Wir stiegen eine Treppe hinab, da veränderte sich das Bild der bloßen Nüchternheit in das eines mittelalterlichen Gewölbes, nur spärlich mit Licht beleuchtet. "Wie du siehst, Georg, auch in meiner Welt findet die eigentliche Arbeit fernab des Glamours statt." Gustav lächelte wieder  aus seinem schmalen Gesicht. Dann betraten wir einen langen Gang, der rechts und links von schweren Türen gesäumt war. Ja, es schien mir wie ein alter Kerkergang, der zu den einzelnen Zellen führte.

"Du arbeitest in einem Gefängnis?", fragte ich erstaunt.

"Nein, nicht ganz", antwortete Gustav, "es sind Warteräume."

"Warten worauf? Wer wartet in ihnen?" Ich verstand das nicht.

"Hier zum Beispiel", Gustav zeigte mit dürrem Finger auf die Tür rechts, "befindet der Klimarat."

"Was ist ein Klimarat?", fragte ich verdutzt. Gustav zog aus seiner Jackentasche einen Link und reichte ihn mir. "Drücke ihn, dann wird dir eine Erklärung geboten." Schon wies sein Finger auf die Tür gegenüber. "Und hier befindet sich die Zelle politischer Läuterung. Manche verweilen ewig darin, andere dürfen nach ihrer Katharsis den Raum wieder verlassen und sind für immer frei." Gustav erkannte auch hier meine fragenden Blicke und zog einen weiteren Link aus seiner Tasche: "Drücke auch ihn für eine Erklärung."

[Anmerkung: Die beiden Links sind Teil dieser Geschichte]

Zu viel der Erklärungen. "Gustav, bitte lass uns diese Nacht beenden, ich bin überfordert von den Dingen deiner Unterwelt."

"Du möchtest nicht wissen, was sich in den anderen Räumen befindet?"

"Ein andermal, Gustav. Los, lass uns dein Manuskript holen."

30 Minuten später stieg ich an Gustavs Seite die Schlosstreppe empor. Jubelnde Menschen standen Spalier. Kurz danach betraten wir gemeinsam die Bühne eines großen Auditoriums. Trotz der blendenden Scheinwerfer erkannte ich die Menschen der ersten paar Reihen im Publikum. Eine Reihe Schriftsteller: Hermann Hesse, mein großes Idol, saß da neben Georg Philipp Friedrich von Hardenberg, Kafka, Rilke, Hölderlin, alle waren sie da. In der Reihe daneben erkannte ich die Musiker, John Lennon scherzte gerade mit Frank Zappa, der ein Auge auf Amy Winehouse neben ihm geworfen hatte, Janis Joplin sah ich, Kurt Cobain, ahh, und die Reihe der Künstler, Joseph Beuys saß ganz außen, Vincent rauchte Pfeife. Ich kann sie gar nicht aufzählen, alle waren sie an diesem Abend mir zu Ehren gekommen. Wow!

Schüchtern und eingeschüchtert verneigte ich mich, tosender Applaus brach aus. "Liebe Leute! Bitte nicht!", stammelte ich, "ich bin doch nur so ein kleines Licht." Nun brach eine Welle nicht enden wollenden Jubels aus, ich hörte "Georg-Rufe" von überall her, stehende Ovulationen, sogar Hesse stand auf und rief "Bravo, Georg, du bist es wert!" Kusshände von den Diven meiner Zeit ließen mich erröten. Dann trat Gustav di Ferro ans Rednerpult und langsam wechselte der Rausch der Begeisterung in eine Stille gespannter Erwartung.

"Wir haben uns heute hier versammelt, um die Fantasie zu ehren. Die Fantasie wohnt uns allen inne, sie ist innerlich. Sie ist das Universum all unserer Gedanken und Ideen, mit ihr werden wir zu allem, was wir sein wollen. Sie ist der Zauber, der uns das Fliegen lehrt …"

Abrupt vollzog ich eine Rechtskurve und wich gerade so dem dicken Ast über dem Gullydeckel aus. Halb vom Rad gestürzt, doch rechtzeitig von den Beinen aufgefangen, fluchte ich über meine eigene Unachtsamkeit. Wo war ich in meinen Gedanken bloß wieder. Das tosende Rauschen der Äste in den Bäumen durch den wiederauflebenden Sturm und der plötzlich prasselnde Regen ließen mich vor innerer Kälte erschaudern. Oh, wie bin ich müde, dachte ich, wie spät ist es? Ich schaute auf die Uhr: gleich Feierabend. Ob der Traum im Schlaf mit Staffel 2 fortgesetzt wird?

Kommentare:

  1. Georg, ein wenig beneide ich dich um deinen Job. Was du bei deinen nächtlichen Rundgängen und -fahrten wunderbares erlebst, das entgeht jedem, der sich am helllichten Tag ins Alltagsgewühl und -getümmel stürzt oder sich hindurch quält, nur, um dann nächtens zu geschafft zu sein für solch fantastische Begegnungen.
    Vielen Dank, dass du sie hier mit uns teilst.
    Es wäre schön, gäbe es noch eine Staffel 2.

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  2. Hach, und jetzt hab ich doch ganz vergessen, dir zu deinem Preis zu gratulieren. Also herzlichen Glückwunsch lieber Georg zum Preis für fantasievolle und erhaltenswerte Gedanken.

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  3. @Mira Ich liebe die Erklärung Gustav di Ferros bzw. das Bild, das daraus entsteht: "Ein Mal im Jahr treffen sich alle jemals von den Menschen ausgedachten Figuren, um der Fantasie ihrer Schöpfer zu huldigen..." Stelle dir so etwas mal vor!

    Toll an unserer Fantasie ist doch die Tatsache, dass erfundene Personen, Orte, Gegebenheiten etc. gleichberechtigt in unseren Köpfen neben den realen existieren. In der Erinnerung oder in der Fantasie verschmilzt beides. Immer und überall und bei jedem Menschen.

    Ganz besonders gut ist das bei alten dementen Leuten zu beobachten, bei denen wir oft glauben, sie dämmerten dahin ins Nichts. Viel wahrscheinlicher befinden sie sich aber in einer Mischwelt aus Erinnerungen, Fantasie und der Realität.

    Philosophisch betrachtet stellt sich überdies die Frage, was denn bedeutender, wichtiger oder nachhaltiger von einem Menschen übrig bleibt, was zukünftig für andere in Erinnerung bleibt: die Daten und Fakten der kurzen Zeitspanne seines realen Lebens oder das, was er kunstvoll oder fantasievoll oder wie auch immer erschaffen hat?

    An was denken wir zum Beispiel, wenn wir den Namen Jules Vernes hören? An sein reales Leben im 19. Jahrhundert oder an die Fantasiewelt seines Schaffens? Letzteres, das ist klar. Wir wissen mehr und ausführlicher Dinge über seine fiktiven Gestalten seines Geistes als von ihm selber. Daran wird so schön deutlich, finde ich, dass wir die Realität vollkommen überbewerten und der Fantasie höchstens wohlwollend den Kopf tätscheln wie einem Kind. Das grenzt schon beinahe an Arroganz, mit der der Fantasie begegnet wird.

    Vielleicht, liebe Mira, treffen wir beide uns ja als Gäste auf der Gala der erhaltenswerten Gedanken im nächsten Jahr. Was wird das für uns eine aufregende Veranstaltung, all den jemals ersonnen Figuren aller Menschen an einem Abend zu begegnen!

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  4. Oh ja, das wäre mir eine große Ehre und ein besonders Vergnügen, dortin eingeladen zu werden.
    Ich habe etwas, das nenne ich, meine Tagträume. Das sind immer mal andere, aber an manchen halte ich über Jahre hinweg fest, hole sie immer mal wieder hervor, spinne sie weiter, erfinde sie neu. Manchmal funktionieren sioe ganz plötzlich nicht mehr und dann äußere ich meiner Freundin gegenüber schon mal: Ich brauche einen neuen Tagtraum.
    Diese Tagträume sind es, in die ich mich aus der Realität flüchte. Immer, täglich. Es sind die Fantasien, ohne die ich meinen Alltag gar nicht ertragen könnte. Beispielsweise auf dem morgendlichen Weg zur Arbeit träume ich mich ans Meer. Stelle mir vor, wie es wäre, jetzt statt in die Stadt auf die Insel zu fahren.
    Und ich habe keine Angst, irgendwann so gebrechlich zu sein, dass ich nirgends mehr hin kann, außer vielleicht auf den Balkon. Denn dann habe ich immer noch meine Fantasie, und mit deren Hilfe kann ich überall hin reisen, sogar in Länder und Welten, die es nirgendwo anders gibt, als eben in der Fantasie.
    Hach. Ich glaube, ich lese jetzt deine Geschichte noch mal.
    Verträumte Grüße
    die Mira

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.