Samstag, 9. Februar 2019

Wind

Letzte Nacht wollte ich den Sturm fotografieren, hatte extra meine Knipse eingepackt, es ist mir aber nicht gelungen. Schwierig, eine durchsichtige Materie abzulichten, das ginge höchstens indirekt. Nun ist es nachts aber dunkel, was die Sache wiederum ein klein wenig komplizierter gestaltet.

Ein Videoclip wäre kein Problem gewesen, ein akustischer Schnappschuss ebenso nicht - es hört sich phänomenal an, wenn die alten Bäume knarzen und du glaubst, jeden Augenblick bricht ein dicker Ast ab. Überhaupt der Sturm, wenn er so in Böen braust. Es sähe bestimmt auch lustig aus, wie ich ihm unter meinem Südwester entgegenstrample. Der Regen fällt nicht in Tropfen senkrecht vom Himmel, sondern schneidet in langen dünnen Messerschneiden waagerecht ins Gesicht. Okay, ich übertreibe, geblutet hat noch nichts.

Zu Beginn meiner Schicht hätte ich beinahe ein Motiv gefunden. Eine kleine Baustelle, vielleicht ein mal ein Meter in den Abmessungen, war mit rotweißem Flatterband abgesperrt. Das Band war längst gerissen, was schon etwas heißen soll, denn versuch's mal mit deinen Händen zu zerreißen, dazu benötigt man mehr Kraft als es den Anschein erweckt. Jedenfalls dachte ich, radle erst mal weiter, vielleicht findest du noch ein besseres Motiv. Fand ich aber nicht, und als ich nach zwei Stunden wieder an der Mini-Baustelle vorbei kam, war das Flatterband fort, der Sturm hatte es mit sich gerissen. Pech gehabt.

Nichtsdestotrotz nehme ich nächste Nacht erneut den Fotoapparat mit. Der Sturm soll dann noch eine Schippe zulegen, wer weiß, auch die Winde sind eitel, so vehement, wie sie sich in Szene setzen. Ich werde ihnen mal ordentlich zusprechen, vielleicht entlocke ich ihnen ja doch noch eine nette kleine Pose, ein Pöschen sozusagen.

Bis dahin also. Huii, lass dich bloß nicht wegwehen.

Kommentare:

  1. Gleich geht's nach draußen, mal die Windqualität überprüfen. Bei 9° dürfte es sich eher um Föhnwind aus dem Süden handeln.
    Bleib bloß vor den großen alten Bäumen mit ihren morschen Ästen weg!

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    1. Naja, dann könnte ich auch gleich zu Hause bleiben, denn wo ich bin, sind nur alte Bäume und alte Häuser. Es ist aber seltener vom Baum erschlagen zu werden, als im Lotto zu gewinnen. Apropos, habe vorhin gelesen, dass gestern jemand in Deutschland 60 Millionen Euro gewonnen hat. 60 Millionen, das muss man sich mal vorstellen!

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.