Mittwoch, 6. Februar 2019

Verbindendes und Trennendes


Die beiden kleinen weißen Kästchen mit den zwei grauen Schaltern vorne sind Netzwerkschalter, mit denen man nur durch einen Fingerdruck eine echte mechanische Trennung der beiden Tischrechner vom Modem erzeugt. Sie habe ich mit Klettband fixiert. Die Kabel sieht man im normalen Licht kaum, das Blitzlicht ist schuld. Für den Film-Rechner am großen TV benutze ich einen solchen Schalter schon seit Jahren, denn ich sehe nicht ein, dass, was und wozu auch immer, während meiner Film- und Serien-Sessions der Rechner im Hintergrund mit dem Internet kommuniziert. Mein alter Laptop besitzt einen solchen Schalter am Rand seines Gehäuses, der bereits werksseitig eingebaut ist.

Wozu soll das gut sein?

Ganz gleich, wie du dein System und die riesige Menge der Software einstellst, es gibt einfach zu viele Hintergrundberichterstatter, um ihnen alle einzeln die Kommunikation zu verwehren. Noch dazu verstecken sich einige sehr geschickt, insbesondere die des Betriebssystems. Der Stein des Anstoßes, weshalb ich diese zwei Schalter für nur je 5 Euro pro Stück gekauft und angeschlossen hatte, war jedoch meine bittere Erkenntnis, dass sogar der "CCleaner" jedes Mal, wenn er gestartet wird, aufs Internet zugreift und das trotz meines explizierten Verbots - er tutꞌs trotzdem, ich kann den Zugriff erkennen, weiß aber nicht, was genau er sendet. Der "CCleaner" gehört mittlerweile der Firma "Avast", deren Anti-Viren-Programm und Firewall gleichfalls bei mir den Hintergrund überwachen. Natürlich kann ich verstehen, wenn eine Software die Häufigkeit ihrer Anwendung nach Hause meldet, mehr wird der "CCleaner" auch gar nicht versenden. Doch ebenso besitze ich das Recht, ihm jegliche Kommunikation zu verwehren. "Und bist du nicht willig...", dann eben radikal.

Ein solcher Schalter ist darüber hinaus ungeheuer nützlich. Oft hantiere ich an den Rechnern offline, schreibe, bastle, höre und sehe etwas, das nicht dringend mit irgendeiner privaten Firma geteilt werden muss. Nichts Verbotenes oder Verwerfliches - nicht öffentlich zu sein bedeutet schließlich nicht, Geheimnisse zu haben, sondern schlichtweg das Recht auf Wahrung der Privatsphäre in Anspruch zu nehmen.

Das ist bei mir seit jeher eine Frage des Prinzips. Dazu ließe sich noch allerhand mehr schreiben, auch inwieweit unentdeckte Spione trotz elektronischer Sperrung ohne mechanische Netzwerktrennung nach wie vor nach Hause telefonieren. Den meisten Leuten ist das sowieso egal, sie installieren freiwillig Kontrolleure und Spione auf ihre Systeme, die sogar das eigene Gehirn ausleuchten, ihren Bildungsstand und ihre Interessen anhand von Fragen, Aufgaben oder Befehlen an Siris, Alexa, Cortana & Co. erfahren, um sie entsprechend konsumtechnisch zu analysieren. Durch die aufnahmebereiten Kameras und Mikrofone werden 24 Stunden am Tag die Stimmen ihrer Anwender belauscht (also auch alle anderen Stimmen und Geräusche, andernfalls könnten sie die richtigen Kommandos ja nicht filtern). Wie gesagt, die Erlaubnis dazu erteilen die Userinnen und User den Firmen freiwillig. Unfassbar eigentlich.

Auch wenn ich weiß, nicht jede Hintergrundkommunikation hundertprozentig verhindern zu können, bin ich doch in der Lage, so viel zu unterbinden, wie ich eben kann. Diese kleinen Netzwerkschalter sind dabei ziemlich hilfreich und äußerst komfortabel in ihrer Bedienung. Getrennt und wieder verbunden durch Knopfdruck binnen einer Sekunde.

Völlig "anti" eingestellt bin ich aber gar nicht, denn auch ich plädiere für viel Verbundenheit - und eben in einer solchen geistigen und magischen Verbundenheit mit dir verbleibe ich bis morgen und wünsche dir nur das Allerbeste an diesem Mittwoch.

Kommentare:

  1. Kamera und Mikrofone können sich noch so ins Zeug legen, sie kriegen kein Futter. Ich sitze immer allein und stikum am Rechner. Und da ich einen externen Bildschirm habe, blickt die Kamera des Laptops ins Schwarze.
    Ich bewundere, wie du das alles im Schach hältst. Dazu fehlt mir Sachverstand und Lust das durchzuführen.

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    1. Ach, geschätzt unterbinde ich auch nur 2/3 oder 3/4 aller Hintergrundkommunikation. Es bereitet mir halt nur eine diebische Freue, eine Software, die meint, clever zu handeln, mit einfachen Mitteln dennoch auszutricksen. Absolut still verhält sich nur der "Insel-Rechner", in dem überhaupt kein Netzwerkkabel steckt. Die meisten Leute updaten bei ihren Geräten Dinge, die sie nicht einmal kennen und nicht wissen, was sie auf ihren Rechnern installieren, deshalb ist das Thema "regelmäßige Updates durchzuführen" auch so sehr umstritten. Die Firmen erzeugen Angst, und mit Angst kann man prima Geld verdienen, das ist überall so. Diejenigen, die sich offen gegen Updates aussprechen ("never change a running system"), werden schon beinahe als Computer-Nazis, Computer-Klimaleugner oder Hetzer verunglimpft. Ein Spiegel der realen, der dummen Welt.

      Wer kostenlose Software benutzt, weiß, dass er mit seinen Daten dafür bezahlt. Auch ich mache "CCleaner" keinen Vorwurf, dass die Software nach Hause telefoniert. Bei meinem bezahlten Windows-Betriebsstem ist es schon ein wenig anders: ich verwehre mich dagegen, dass Microsoft versucht, sämtliche nicht lizenzierte Software auszuschließen. Dadurch kassieren sie doppelt: vom Endverbraucher Geld fürs Betriebssystem und von den Firmen Geld für deren Lizenzen. Überdies akzeptiere ich nicht, dass Microsoft entscheidet, was ich mit meinem Betriebssystem anstelle. Es gehört ihnen nicht mehr, ich habꞌs gekauft, und ich möchte entscheiden, welche Software bei mir zum Einsatz kommt.

      Ähnlich verhält es sich mit den Browsern, deren Hersteller auch in diesem Spiel mitbestimmen möchten. Die HTTP-Neuerung hat mit gewonnener Sicherheit im Grunde kaum etwas zu tun, aber mit Lizenzvergaben, eben mit einer neuen Möglichkeit des Geldverdienens. Monopole sind schädlicher als jeder Virus.

      Beim jüngsten Update hat Microsoft allerdings einen Fehler gemacht, der ihr dreistes Vorgehen offen darlegt: viele Rechner, auf denen "Secure Boot" eingeschaltet ist, lassen sich derzeit nicht mehr hochfahren. Man muss "Secure Boot" also abschalten. "Secure Boot" ist aber dafür gedacht, nicht lizenzierte Software vom Rechner fernzuhalten. Dummer Fehler halt. Man sieht aber daran, dass Microsoft sich nicht allein als Softwarehersteller aufs Betriebssystem beschränkt, sondern dass sie mit vielen Verträgen heute sogar die Hardware-Hersteller zwingen/benutzen, in ihrem Sinne zu handeln. Und klar, als Überschrift wird diesem ganzen schon an Betrug grenzendem Verhalten wieder die Notwendigkeit einer vermeintlichen Sicherheit verliehen. Da sowieso kaum jemand das versteht, plappern die meisten (Journalisten aber nicht nur) einfach Microsoft alles nach.

      Es wird immer schwieriger, ein von Microsoft nicht kontrolliertes System zu benutzen - wenn man denn, wie ich, nicht auf Linux ausweichen möchte. Mit Grauen sehe ich dem Ende von Windows7 entgegen. Die Hardwarehersteller sind alle käuflich und es ist somit wieder nur eine Frage der Zeit, bis sie sich Win7 mit extra eingebauten Inkompatibel-Mitteln verweigern werden. Ob sich die WindowsXP-Story wiederholt? Man darf gespannt sein.

      Die Kamera an meinem Laptop habe ich übrigens abgeklebt ;-)

      Allerdings versuche mal heute einen Fernseher ohne Kamera und Mikrofon zu kaufen, das geht schon gar nicht mehr. Der kleine Netzwerkschalter hilft - allerdings nicht dir, da ihr ja streamt. Ich möchte nicht wissen, wie sehr die Wohnungen der Leute heute schon abgehört und beobachtet werden - und was morgen alles möglich sein wird... daran darf ich wirklich nicht mal im Traum denken.

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.