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Freitag, 11. Januar 2019

Zweierlei Maß

EU-Hightech-Mauer an der
türkisch-syrischen Grenze
Doppelte Moral oder doppelte Standards, das sind die Merkmale der Scheinheiligkeit. Wasser predigen aber Wein trinken, so nennt es der Volksmund, und es gibt Millionen großer oder kleinerer solcherlei doppelter Standards bis hinunter in die Niederungen des Alltags eines jeden Menschen. Moralisch anständig zu sein, vorbildlich zu handeln, das wird oft mit hehren Worten gefordert, die Taten jener Predigerinnen und Prediger hingegen sprechen nicht selten eine gegenteilige Sprache.

Nun, so viel Platz bietet mein Tagebuch gar nicht, all die gegensätzlichen, die den Handlungen widersprechenden moralischen Forderungen aufzuzählen. Besonders eklatant wird es bei den größeren Forderungen, den dicken Zeigefingern, die einhergehend mit geheuchelter Empörung zum Beispiel auf Präsident Trump gerichtet sind: die Mauer. Kein Tag vergeht zur Zeit ohne eine mediale Anklage. Jene Mauer, die den sowieso schon vorhandenen Grenzzaun in Mexiko ablösen soll.

Wie rechtfertigen all die Empörten eigentlich die von der EU finanzierte knapp 750 Kilometer lange Mauer, die die Grenze der Türkei zu Syrien vor den Flüchtlingen absichert? Sie verläuft durch die Provinzen Sanliurfa, Gaziantep, Kilis, Hatay, Mardin und Sirnak und trennt dort Familien und Siedlungsräume. Sie beinhaltet physische Elemente (Minen, Wachtürme, Patrouillen, scharf schießende Grenzer), elektronische (Kommunikation, visuelle elektronische Erfassung) sowie moderne technologische Komonenten (u.a. Drohnen, Infrarot, Radar etc.). Die Türkei sei nicht die EU, wird jetzt entgegnet? Ach? Die EU bezahlt die Mauer inklusive deren Schnickschnack aber von deinem und meinem Geld. Diese Mauer ist ein EU-Projekt. Wäre es im Sinne der Moral nicht erfolgversprechender, das eigene Steuergeld dafür zu verweigern oder sich wenigstens über sie laut zu empören, statt die finanzielle Haushaltsdebatte eines Landes auf einem fernen Kontinent zu kritisieren, auf die man gar keinen Einfluss hat? Oder deutlicher gesprochen: wie wäre es, zuerst den eigenen Vorgarten in Ordnung zu bringen, bevor man mit dem Finger auf Nachbars Garten zeigt?

Trump wegen der US-Mauer auszuschimpfen, während man die Existenz der eigenen Mauer ausblendet, tja, oft ist das mit der Scheinheiligkeit doch eine verflucht komplizierte Sache, nicht wahr? Wie ein Aal muss man sich dann winden, um sich daraus wieder argumentativ herauszuschleimen.

Einen aufrichtigen Start ins Wochenende wünsche ich dir.

Kommentare:

  1. Das war mir nicht bekannt und das geht sicher ganz vielen so.
    Das ständige Trump Bashing langweilt doch nur.

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    1. Trump-Bashing langweilt nicht nur, es nervt, besonders dann, wenn es im persönlichen Umfeld betrieben wird. Ich habe mit Menschen gesprochen, die eins zu eins nachplappern, was in den Leitmedien und im Staats-TV über Trump berichtet wird. Wenn ich sie dann aufgrund eines Themas festnagle und darüber reden möchte, dann ist hinter den vorwurfsvoll wiederholten Schlagzeilen keinerlei Wissen über die us-amerikanischen Verhältnisse vorhanden. Über Hintergründe oder Zusammenhänge Trumpscher Politik weiß kaum jemand etwas. Also wird in einem solchen Fall - nehmen wir das Beispiel den doppelten Standard mit der Mauer - sofort ein neues Fass geöffnet und ein völlig anderes Thema, ebenso in Schlagzeilen hervorgebracht, soll belegen, dass die Grundthese, Trump sei schlecht (oder böse oder dumm oder oder), dennoch stimmt. Findet mein Gegenüber auch dann meinen Widerspruch und nähere Informationen, wird meist die Unterhaltung beendet, denn auf der anderen Seite existiert überhaupt kein Wissen, sondern nur eine nachplappernde Haltung; und lieber gar nicht reden und diskutieren als eingestehen zu müssen, dass Trump womöglich doch vernünftige Politik betreibt.

      Obama bekam den Friedensnobelpreis bei Amtsantritt ohne irgendwelche Taten geschenkt. Er war selber überrascht und schien sogar beschämt darüber gewesen zu sein (die Verleihung war ihm sichtlich ebenso unbegreiflich, wie vielen anderen seinerzeit auch). Nichts hat er in der folgenden Zeit seiner Präsidentschaft gemacht, was einen Friedensnobelpreis rechtfertigen würde. Muss er auch nicht, es ist keine Kritik von mir an seine Amtszeit. Nun hat Präsident Trump die jahrzehntelange Feindschaft mit Nord-Korea durch seinen Pragmatismus beendet und zwar in einer Geschwindigkeit, die kein Mensch je für möglich gehalten hätte. Diese Tatsache hätte einen Friedensnobelpreis wahrlich verdient, doch was geschieht? Es wird ausgeblendet oder ihm wird dieser Verdienst sogar aberkannt.

      Bei seinem Amtsantritt hyperventilierten die Medien über den nun kommenden wirtschaftlichen Zusammenbruch der USA - das Gegenteil dessen ist der Fall. Jahrzehntelang riefen die Mainstream-Medien "Ami Go Home", Trump kommt diesem Wunsch nach, kündigt den Rückzug der Truppen aus Syrien an und was passiert? Sogar linke Medien kritisieren es und wünschen sich plötzlich US-Truppen in diesen Ländern. Es ist einfach nur irrsinnig, egal was Trump macht, es ist das Falsche. Aber auch egal, was man gestern in die Welt schrie, heute schreit man das Gegenteil.

      Oft wird mir gesagt, Trump würde lügen. Frage ich nach einer einzigen Lüge, kommt neben einer Schlagzeile beispielsweise aus "SPON" nichts von meinem Gegenüber, frage ich nach genaueren Zusammenhängen, die diese bestimmte Lüge nun belegt, herrscht "Hängen im Schacht". Man weiß nichts oder plappert Gerüchte oder verschwörungstheorien nach, aber dass Trump gelogen hat, dies sei nun mal unzweifelhaft sicher ("Weils in der Zeitung steht" Reinhard Mey).

      9 von 10 Menschen sind so dumm, alles unhinterfragt zu glauben, was über Trump berichtet wird, da es den eigenen Glauben und die eigene Weltsicht bestätigt. Es ist wie Religion: wer das Glaubensbekenntnis auswendig aufsagen kann, Trump sei böse, der gehört auf die Seite der Rechtschaffenen, der Guten. Ähnlich wie hierzulande mit Kritik am System Merkel = nazi umgegangen wird. Die Realität stört dabei nur, Fakten werden so lange verdreht (zum Beispiel deutlich zu erkennen beim Thema des vom Menschen verursachten Klimawandels), bis selbst der vom Regen durchnässte Mensch am Vorhandensein einer Dürre glaubt.

      Ob dieser neue Glaube einer kollektiven Naivität geschuldet ist oder ob die (naturwissenschaftliche) Bildung tatsächlich zurück geht, weiß ich nicht, doch das Trump-Bashing ist ein Baustein der Mauer, die wir aufbauen, damit sie uns vom geistigen Land der Aufklärung wieder trennt. Ich hoffe, eine Wende kommt noch früh genug, bevor unser Sozialsystem, unsere auf Solidarität begründete Gesellschaft vollends den Bach runter geht.

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.