Sonntag, 4. November 2018

Öko-Orakel

Wow! Am Mittwoch werde ich einen hohen Lottogewinn einfahren. Woher ich das jetzt schon weiß? Nun, seit bestimmt 10 Jahren spiele ich online Schach, und zwar hier ("mit dem Computer spielen"). Unregelmäßig ein, zwei Mal pro Woche auf Stufe 4. Just for fun, eher beiläufig als konzentriert. 95 Prozent der Spiele verliere ich. Irgendwann vor Jahren sprach mein inneres Ich zu mir und sagte, wenn ich jemals nur ein einziges Spiel spiele und es auf Anhieb gewinne, sodann im direkten Anschluss ebenfalls nur eine Partie des Windows-Schachspiels "Titan" spiele und es auf der höchsten Spielstufe gleichfalls gewinne, dann sei dies das ultimative magische Vorzeichen, bei der nächsten Lottoziehung kräftig abzusahnen. Nach 10 Jahren ist mir das wie aus dem Nichts vorhin zum ersten und einzigen Mal gelungen: zwei Spiele, zwei Siege - der Lottogewinn kann kommen :-)

Sollte sich diese Prophezeiung als unwahr herausstellen, dann wäre es auch nicht tragisch, da es in diesem Fall den unmissverständlichen Beweis dafür böte, dass solche eingeredeten Vorahnungen (wenn dieses … dann jenes) definitiv Mumpitz sind. Natürlich weiß ich das verstandsmäßig selber, hey, so beschränkt bin ich nun nun auch wieder nicht, doch genauso wie viele andere Menschen, so erschaffe ich mir bei ungewissen Zukunftslagen gerne eine Art mystischer Eselsbrücken. Die wenigsten Leute können den reinen Zufall oder die Bedeutungslosigkeit aller Ereignisse einschließlich des eigenen belanglosen Daseins akzeptieren - ja, selbst wenn sie es oft im Brustton ihrer Überzeugung behaupten, so ist es nicht selten gelogen, denn was jemand sagt, heißt längst nicht, dass es auch stimmt. Wären wir alle rational, gäbe es schließlich keine Astrologie und vor allen Dingen keine Religionen. Letztere machen im Prinzip dasselbe wie ich mit meinem Schachspiel, bloß dass sich bei ihnen nichts kontrollieren lässt, da deren Vorhersagen, clever wie die Pfaffen nun mal sind, immer in ein imaginäres Reich nach dem irdischen Leben münden.

Für die bekannteste solcherart Schicksalsbefragungen müssen hierzulande wohl die (armen) Margeriten ihr Leben lassen, denn in Verbindung mit zwei sich abwechselnden Aussagen, "er/sie liebt mich", "er/sie liebt mich nicht", werden ihnen seit Jahrhunderten immer wieder sämtliche Blätter brutal ausgerissen, um die Blumenleichen anschließend acht- und würdelos fortzuwerfen. Da sind meine beiden Schachpartien unter ökologischen Gesichtspunkten aber schon deutlich lebensbejahender, nicht wahr? Quasi als Öko-Orakel.

Schaun wir mal, so oder so, Mittwoch wird zum Tag der Wahrheit.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.