Mittwoch, 7. November 2018

Nescafé mit neuer Rezeptur: die reinste Plörre

Da ham wir den Salat! Die Perversion des Kapitalismusꞌ in ihrer Endphase. "Huch! Was ist geschehen?"

Mehr als 40 Jahre lang trinke ich regelmäßig Nescafé. Das Original, der Instant-Kaffee, der doppelt so teuer wie der aller Mitbewerber ist. "Gefriergetrocknet", ein Attribut, über das ich Jahrzehnte rätselte. Was mochte das bloß sein, lautete die regelmäßige Frage, gerichtet an mein inneres Ich. "Ja, stimmt, daran erinnere ich mich!" Siehst du, du bleibst in ewiger Erinnerung. Es gibt sogar den Scherz in einem alten Schimanzki-Tatort, in dem "Schimmi" im Beisein Thanners zu Hause das Glas Instant-Kaffee zurück in den Kühlschrank stellte. Thanner fragte ihn daraufhin, wozu er das denn mache. "Wieso?", bekam er zur Antwort, der sei doch gefriergetrocknet. Erst mit Aufkommen des Internets und der Existenz Wikipedias konnte Ende des letzten Jahrtausends dieses Rätsel endgültig gelöst werden. Jedenfalls über 40 Jahre schmeckte der Nescafé immer gleich, egal in welchem Land du dich befunden hattest, es gab in jedem Geschäft ein Glas voller Zuhause. Nur bei Coca-Cola gibt es noch so etwas Beständiges. Und jetzt? Plörre! Sobald der Nescaé nicht mehr ganz heiß ist, schmeckt er genau wie Aldi-Kaffee. Ist aber noch schlechter, denn auf einmal bleibt in der Tasse ein schmieriger Rest übrig, der wie Kaffeesatz aussieht. Ungenießbar!

Man kannꞌs aber auch positiv sehen. Trotz meines für den heutigen Abend anstehenden Lottogewinns, spare ich zukünftig die Hälfte der Ausgaben für den teuren Kaffee. Bei 20 Euro für Nescafé im Monat sind das immerhin 120 Euro Ersparnis pro Jahr. Und ein gutes Gewissen machtꞌs obendrein, denn endlich kann ich auf ein weiteres Produkt der Nestlé-Kapitalisten verzichten, ohne in Versuchung zu geraten, hin und wieder dennoch meiner Genusssucht zu erliegen, denn der Nescafé schmeckt nur noch widerlich. Allein jetzt muss ich nach einer Alternative Ausschau halten.

Einen geschmackvollen Mittwoch wünsche ich dir auch, alternativ einen günstigeren als gewöhnlich aber auf jeden Fall keine Mittwochs-Plörre, sondern einen genussvollen Tag. Jawohl. Wat mutt, dat mutt.

Kommentare:

  1. Hach, gut, dass du das ansprichst. Ich dachte schon, nur ich komme mit dem Neuen Kaffee nicht klar. Das, was da unten in der Tasse hängen bleibt, ist richtig eklig. Ein weiteres Ärgernis, die Tassen {Pötte} sind hinterher richtig, richtig dreckig und ich brauche den Scheuerschwamm, um sie wieder sauber zu bekommen.
    Eine Alternative könnte Maxwell sein, den gibt es aber nicht überall. Und Kapitalisten sind das natürlich auch.
    Sonnige Mittwochsgrüße
    die Mira

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    1. Ja natürlich, die anderen Firmen sind auch Kapitalisten und nicht besser. Für mich ist halt grenzwertig, wenn es kein internationales Kartellrecht gibt, das eine Monopolstellung einzelner Konzerne verhindert. Tabakkonzerne, Chemieunternehmen und Lebensmittelkonzerne wie Nestlé besitzen locker ein Drittel der Welt. Die Regierungen dort sind bezahlte Marionetten. Kapitalismus ist zwar die treibende Kraft des Menschen, das sehe ich genauso, der Wettbewerb und, wenn man so will, auch der Wirtschaftskrieg sind eine Seite der Medaille fortschrittlichen kreativen Strebens. Doch ihm müssen Grenzen geboten werden. Etwa Wasser zu privatisieren, Bodenschätze rücksichtslos auszubeuten und die Landwirtschaft ganzer Kontinente zu beherrschen, da hätte vorher ein Kartellrecht einschreiten sollen. Die Monopolisierung dreht die positive Kraft des Kapitalismus ins perverse Gegenteil. Ohne die Monopole der Vergangenheit gäbe es heute eine völlig andere und dezentrale Energieversorgung, um nur ein Beispiel von Hunderten zu nennen. Ich glaube, es ist faktisch gar nicht mehr möglich, mit Produkten zu leben, die nicht von Nestlé stammen. Es gibt im Lebensmittelbereich schon längst keine echte Auswahl für die Verbraucher mehr. Der Kapitalismus schafft sich durch die Monopolisierung am Ende selber ab, und genau da sehe ich die Gefahr. So absurd es klingen mag, die Großkapitalisten wie Nestlé & Co. sind das Unglück für den Kapitalismus.

      Georg labert wieder. Ist "morgens" immer so der Fall, bin vorhin erst aufgestanden :-)

      Gestern hatte ich mal ein wenig gegoogelt. Wenn man die negativen Kundenbewertungen bei Amazon zu Nescafé Gold (also nur zu diesem Original, nicht die artverwandten Produkte) hochrechnet, dann ist das ein starkes Indiz dafür, dass sich Nescafé mit der neuen Rezeptur ein Eigentor geschossen hat und im Laufe der nächsten paar Jahre extreme Umsatzeinbußen zu verzeichnen haben wird. Es dauert ja seine Zeit, bis dass der Austausch des Produkts sich weltweit herumgesprochen bzw. herumprobiert haben wird. Die Kunden machen eine Menge mit, versteckte Preiserhöhungen durch weniger Inhalt, schlechtere Verpackungen, schlechtere Zutaten, doch wenn ein objektiv feststellbarer Geschmack fehlt, der das Produkt bisher gerade ausgezeichnet hatte, wenn also der Genuss zu einem Grauen wird, ich glaube, das machen die Kunden dann nicht mehr mit. Man darf gespannt sein, wie sich das in den nächsten Jahren dort entwickelt.

      Maxwell, ein interessanter Gedanke, werde ich ausprobieren. Es dauert noch ein wenig, denn ich habe noch einen gewissen Vorrat alter Nescafé-Gläser. Aber ich kann ja schon mal Ideen sammeln.

      Einen genüsslichen Mittwochs-Gruß

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.