Sonntag, 9. September 2018

Einmaliges

Noch eine Nacht, dann habe ich mit nur einer Nacht Unterbrechung fast eine ganze Woche frei.

In meiner gesamten Schullaufbahn habe ich nur eine einzige Eins geschrieben und das am Ende der gymnasialen Oberstufe und auch noch im Leistungskurs Mathematik (würde ich selber nicht glauben, wär's nicht so geschehen). In Deutsch stand ich immer nur drei, ganz egal, wie groß mein Herzblut und meine Begeisterung für die Literatur gewesen war und gleichgültig, was und wie viel ich zu Papier brachte (mit 18 Jahren füllten meine Gedichte, Kurzgeschichten, Liedtexte und Kompositionen bereits mehrere Ordner, mit 19 Jahren hatte ich einen Roman geschrieben, der es sogar durch die Vorauswahl des Lektorats bei Rowohlt geschafft hatte). Für Deutschlehrerinnen und Lehrer war es seinerzeit aber ein absolutes Nogo, einem aufsässigen, rotzlöffligen, natürlich auch dummen und alles besserwissenden Schüler positiv zu bewerten. Dafür hätte ich ein braves Mädchen sein müssen. Ausgerechnet die von mir ungeliebte Mathematik sorgte dann für mein Abitur, es ist nicht zu fassen.

Aber ich schweife ab. Weiter mit dem Einmaligen:

Im Leben hatte ich einen besten Freund und ihn schon früh wieder verloren; ich hatte ihn geliebt wie niemanden seither, und sein Tod hat mich ein einziges Mal ins Antlitz Gottes blicken lassen; was ich da sah, war ein teuflisches, waberndes, schwarz-transparent schleierhaftes Etwas.

Ich bin biologischer Vater einer Tochter (die ich aber nicht kenne), habe nur einen Neffen (die komplette Familie ersten, zweiten und dritten Grades hat einen Haufen weiblicher Nachkommen erschaffen aber nur einen Jungen - wenn ich jetzt so darüber nachdenke, finde ich das schon arg seltsam, um nicht zu sagen einmalig). Ich stand ein Mal in der Zeitung (Soloauftritt mit Gitarre, eigene Lieder, meine Deutschlehrerin hatte das hinterher in ihrem Unterricht schlechtgeredet, so wurde es mir zugetragen, denn ich war da schon aus der Schule - jaja, und wieder schweife ich ab). Ein Mal war ich verheiratet und ein Mal bin ich geschieden.

An Urlaubsorten war ich jeweils nur ein Mal, habe vor knapp 40 Jahren ein Mal in Paris Froschschenkel gegessen und ebenfalls zu jener Zeit ein Mal eine halbe Flasche Gin geleert (seither Gin nie mehr angerührt, da zieht sich jetzt noch alles zusammen, wie man so schön sagt). Ein Mal hatte ich 5 Richtige im Lotto (2.500 Euro). Ein Mal habe ich mich bis auf die Knochen blamiert, wovon ich aber nichts mehr wissen möchte, es angestrengt vergesse und dir daher nicht mehr genau sagen kann, weswegen ;-)

Sonst fällt mir gar nicht so viel Einmaliges ein, denn das meiste war doch von seinem Wesen her mehrmals geschehen oder zumindest mehr als einmal. Jetzt könnte ich noch ein wenig philosophisch werden: einmal wird unsere letzte Stunde schlagen, ein Mal der letzte Tag anbrechen - aber so mit dem einmaligen Tod, das ist ja eine unbewiesene Sache, nicht wahr, ein Fake-Tod wenigstens das Karma betreffend, glaubt man denn den Buddhisten mit ihrer Lehre der Wiedergeburt.

Wie sieht es bei dir in deinem Leben aus? Gibt's da viel einmaliges? Jetzt bin ich schon so vom "einmal" verwirrt, dass ich nicht ein mal mehr weiß, ob in diesem Fall "einmaliges" groß- oder kleingeschrieben wird, die Knochen meiner Deutschlehrerin klappern, nein, sie rasseln förmlich vor lauter Vergnügen in ihrem Grab.

Und was wünsche ich dir wohl heute? Jaaa, einen einmalig tollen Sonntag natürlich.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.