Mittwoch, 12. September 2018

Besinnlicheres

Sorgen und/oder negative Gedanken, vielleicht eine kurze Zeit lang eine Art Seelenstress, ich muss schon sagen, das hatte mir früher nichts ausgemacht, heute hingegen bemerke ich sogar dadurch körperliche Auswirkungen noch Tage danach. Es war Besuch hier, wirklich gerne gesehen, trotzdem klang der Besuch unbeabsichtigt in einem bedächtigen Gespräch aus, das ich schon beinahe als resignativ bezeichnen möchte. Also nicht depressiv, keineswegs, sondern freundschaftlich aber für unsere beider Zukunft kühl und sachlich - und hoffnungslos, da eben wahr. Wenn man, wie wir beide, nach einem solchen Gespräch nicht bereit ist, sich selber mittels irrationaler Aufmunterungen neuen Mut zuzusprechen ("das wird schon", "alles wird gut", Kopf hoch!" usw.), was letztlich einer Negierung des vorher erlebten "Wahrheitsgesprächs" gleichkäme, dann kostet das Ertragen des wahren und intensiven Antlitz des Lebens schon eine ganze Menge Kraft. Je älter wir alle werden, desto kraftloser werden wir zwangsläufig. Und das gilt, wie ich gegenwärtig erlebe, auch für geistig-seelische Anstrengungen, deren Auswirkungen sich dann auch körperlich durch Abgeschlagenheit, einem allgemeinen Krankheitsgefühl oder Ermattung bemerkbar machen.

Nochmal möchte ich betonen, dass ich keine depressive Verstimmung meine oder gar eine handfeste Depression, wenn ich sage, alles, das ganze Leben sei doch im Wesentlichen sinnlos. Es ist tatsächlich so. Um diese Sinnlosigkeit zu ertragen, erfanden die Menschen Religionen und allerhand geistig-seelische Konstrukte. Religion und Hoffnung sind eigentlich Bestandteile eines rhetorischen irrationalen Selbstbetrugs. Schon in wenigen Generationen werden du, ich und alle anderen Menschen, die um uns herum leben, vollkommen vergessen sein. Ein paar Jahre später (im kosmischen Verstreichen der Zeit einem Wimpernschlag gleich) existiert nicht einmal mehr unser Sonnensystem. Selbst die Pyramiden sind dann vergessen, da es keine Erde mehr gibt, auf die sie stehen. Nur die Voayger 2-Raumsonde fliegt vielleicht noch irgendwo durchs All und kündet von uns als eine fremdartige ehemalige Zivilisation.

Also alles, was du tust und machst, was du denkst und fühlst, was du redest und wie du lebst ist nur für deine persönliche Gegenwart interessant, vielleicht noch für deine Kinder, darüber hinaus ist es aber absolut wumpe. Moral und Ethik sind unter diesem Gesichtspunkt nur ein Luxus zur Unterhaltung wohlhabender und herrschender Menschen oder ein Werkzeug der karrieregeilen Ohnmächtigen, mittels dem sie am Ende dann selber herrschen, schalten und walten können. Und diese Moral und Ethik sind für die Schwachen da, die lieber für einen Herrscher arbeiten und die ihnen gestellten Anforderungen und Aufgaben erfüllen, für deren Erledigung sie von den Herrschenden liebevoll streichelnd gelobt werden. Zu schwach wären sie, die Sinnlosigkeit ihres eigentlichen Ichs auszuhalten.

Huch, ich sehe schon, es klingt heute arg negativ. Warum wird Wahrheit oft als negativ verstanden? Und dämliche Schlager ("Kopf hoch, Baby, lehn dich an mich, es wird schon irgendwie gehen" - kennste den noch?) als wertvoll und positiv? Da beginnt eigentlich doch bereits die große Lebenslüge.

Naja, vielleicht habe ich mir auch nur einen Virus eingefangen oder das Wetter ändert sich. Bis morgen in diesem Theater.

Kommentare:

  1. ...das Leben ist ein Hauch (Oscar Niemeyer).
    Andererseits, das Wetter ändert sich, nämlich morgen;-)

    AntwortenLöschen

Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.