Sonntag, 5. August 2018

Wenn der Abfluss mal verstopft ist ...

… dann wird’s ekelig. Zwar habe ich keine Spirale, um das Abflussrohr des Waschbeckens im Badezimmer von den Rückständen zu befreien, die es mehr und mehr verstopft hatten, bis dass zum Schluss nur noch ein Rinnsal eher abtröpfelte als abfloss, doch ein Kleiderbügel aus stabilerem Draht tut's ebenso. Auseinandergebogen reicht seine Länge bis zum Knick des Siphons.

Den wollte ich nämlich dann doch nicht abschrauben, denn erstens hätte ich eine Unterschrank-Schubladen-Konstruktion dafür abbauen müssen (wer entwirft so etwas?) und zweitens besteht der Siphon und seine angeschlossenen Rohre noch aus stabilem Metall und ist seit 30 Jahren oder noch nie abgeschraubt worden, was eine komplett neue Dichtung erforderlich gemacht hätte. Dies wiederum hätte stundenlanges dreckiges Arbeiten während der momentanen Hitze bedeutet, diverse Besuche im örtlichen Baumarkt nötig gemacht ("ach, das tut uns aber leid, so etwas wird nicht mehr hergestellt, Sie müssen alles neu verlegen"), wahrscheinlich eine Menge Flucherei verursacht, die ihrerseits dann wieder feng-shui-mäßig das Karma des Badezimmers verunreinigt hätte, und am Ende der Reparatur wäre die Frage munter im Raum umhergesprungen, weshalb hier oder dort entlang des Rohrs dennoch Wasser läuft und auf den Boden tröpfelt, obwohl doch alles 100%ig dicht sein müsste ("das kann nicht").

Lange Hitzewallung, kurzer praktischer Sinn.

Denn mit dem auseinandergebogenen Kleiderbügel holte ich eine erstaunlich große Menge ekligen Schmodder aus dem Abflussrohr, der in seiner Konsistenz teilweise an Papier oder Karton erinnerte; regelrecht flach bzw. plattgedrückt hatte sich dieser Schmutz quasi in Schichten um das Abflussrohr gelegt und es somit verengt. In meiner anschließenden an ein pathologisches Sezieren erinnernde Untersuchung der wabbelig-weichen aber beim Auseinanderziehen sich als ziemlich zäh erwiesenen undefinierbaren Masse stellte ich fest, dass der Kern dieses Schmodders aus einem Textilrest bestand. Vielleicht ein herausgerissenes Etikett eines Kleidungsstückes. Um diesen Stoffrest herum legte sich dann im Laufe der Jahre Haar um Haar und Hautschuppe um Hautschuppe. Das fließende Wasser drückte alles mit Hilfe des seifigen Klebers fest zusammen bis, ja, man könnte sagen, ein neuer Stoff entstanden war. Nassfilzen sozusagen.

Übrigens, eine Geruchsbelästigung gab es nicht, es stank nichts, es bewegte sich auch nichts von alleine, es flüchtete nichts plötzlich oder versteckte sich, es schimmelte oder faulte nichts. Ich meine, das ist ja schon mal die halbe Miete bei der Beseitigung des Schmodders und der Reinigung des Abflusses, nicht wahr? Jetzt fließt das Wasser nicht nur prima ab, es kommt mir fast so vor, als würde es wie bei einem Wasserfall ins Bodenlose stürzen.

Jedenfalls war es ausnahmsweise eine eins a gelungene Heimwerker-Aktion meinerseits, die keine Erinnerung an Loriot aufkommen ließ, die keine Beschädigungen hinterlassen hat und die komplett frei von eigenen Verletzungen geblieben ist. "Jawohl, haste gut gemacht, Georg", sprachs in mir leise aber mit Nachdruck bestimmt.

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