Freitag, 10. August 2018

Tod oder neues Leben im Liquid

Erstaunlich. Dieses winzige Stück mir bis heute unbekannter Materie verstopfte die Öffnung des Liquid-Fläschchens vollständig. Auf den Fotos sieht es riesig aus (ich liebe Makroaufnahmen), in Wahrheit ist es aber so winzig wie die Spitze einer Stecknadel. Wie immer gilt: klicke auf ein Bild, dann erscheint es groß.

Also zog ich das Objekt mit einer Pinzette heraus. Dabei hat natürlich alles gewackelt, ich besitze leider keine 3. Hand. Noch keine. Wobei nämlich der mögliche Anfang einer unbekannten Mutationsentwicklung in der kleinen Liquidflasche schon anschaulich fortgeschritten ist, wer weiß also, ob der Dampf dieses köstlichen Gebräus nicht bereits in mir einen Evolutionssprung hervorgerufen hat, der bisher als Volumenerhöhung meines Körpers fehlgedeutet wird, tatsächlich aber die Auswölbungen eines gerade wachsenden zusätzlichen Paares Gliedmaßen bedeutet.

Auch meine anschließende Untersuchung führte zu keinem eindeutigen Ergebnis, was diese unbekannten Materie darstellt. Spekualtionen breiteten sich in Windeseile in meinem Hirn aus. Es könnte ein winziges Stück aufgerollter Cellophanfolie sein, ein Rest, der beim Aufreißen irgendeiner Verpackung fortan durch den Raum schwebte und sich dabei gedacht hatte: "wenn mich schon mein Schicksal in diese heiligen Hallen staubverliebter Dinge verschlagen hat, dann doch bitteschön mit Genuss im Kaffee-Liquid". Genauso könnte es sich aber auch angesichts der Staubmenge um einen aus Verzweiflung begangenen Suizid handeln, der mich nun quasi den Leichnam des Cellophan-Delinquenten aus dem Flaschenhals fischen ließ.


Das Teil ist so leicht, dass es an der transparenten Linsenabdeckung der kleinen LED-Lampe hängen bleibt. Das wiederum nährt die Vermutung, es handele sich um einen ausgerissenen Insektenflügel. Dann sollte ich irgendwann in dem Kanister, aus dem mittels eines Hahns in die (oben links) kleine Flasche umgefüllt wird, noch den übrigen Insektenkörper finden. Das Liquid im Kanister ist bronzefarben und er ist noch ziemlich voll, darin ist demnach noch nichts wirklich zu erkennen. Welch grausames Schicksal aber wäre das? Ein armes Insekt reißt sich selber beim Versuch ins Freie zu gelangen einen eingeklemmten Flügel aus. Himmel, nein! Da möchte ich lieber an lebloses Cellophan oder an Biomasse zukünftigen Lebens glauben.

Mit diesen Gedanken über das Entstehen, Werden und Sein, über sein zwangsläufiges Ende und Vergehen verabschiede ich mich für heute und wünsche dir einen wohltemperierten Sommertag.

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