Freitag, 3. August 2018

Serien-Verriss "Missions"

Die Landefähre schafft es ruppig bis auf dem Marsboden. Danach stellt die Crew Schäden fest. So beginnt die Handlung der SiFi-Serie "Missions". Eine Batterie sei abgebrannt (erinnert fatal an "Galaxy Note7"), man habe nur noch Energie für 24 Stunden. Wie lange die Reparatur dauere, wird gefragt, 48 Stunden, so lautet die Antwort. Das ist ein existenzielles Problem, die Crew überlegt nach Alternativen. Später in der Handlung stellt der Ingenieur fest: "Oh, es gibt ja einen Energiesparmodus", der wird folglich per bunt blinkendem Tablet eingeschaltet und sogleich betritt der neue Kommandant das Cockpit mit der ernstgemeinten Frage, wieso in seiner Kabine denn plötzlich kein Licht mehr vorhanden sei. Du wirst lachen, aber genau das umschreibt das Niveau dieser französischen Serie.

Es geht schlimmer weiter: bärtige Männer konkurrieren untereinander, der Kommandant, der ein sexuelles Verhältnis mit der Missions-Psychologin hatte (bloß keine Gefühle - Achtung, wir leben in MeToo-Zeiten, deshalb Rollenumkehrung und Gefühlskälte auf ausdrücklichen Wunsch der Frau natürlich, was aber, da nichts weiter erklärt wird, in aberwitziger Weise längst überholte Denkstrukturen wieder hervorkramt: die Frau, das eigentlich doch versaute Luder) stirbt mal so nebenbei und sämtliche anderen Comic-Gestalten agieren und reden, als sei diese Serie für die dümmste aller möglichen Zielgruppen hergestellt worden. Böse Zungen würden behaupten, ihr beabsichtigtes Publikum seien französische Zuwanderer aus völlig bildungsbefreiten patriarchischen Gesellschaften.

Es gibt auch keine Zeit, mit der eine Geschichte erzählt wird, mit der Charakterzeichnungen der einzelnen Crewmitglieder erstellt werden oder mit der irgendwelche Umstände näher erklärt werden würden, denn eine einzelne Episode dauert - und nun halte dich fest: ca. 21 bis 24 Minuten. Abzüglich Vor- und Abspann sowie Zusammenfassung des bisher Geschehenen bleiben gerade mal 15 bis 18 Minuten effektive Spielzeit für die Handlung übrig. Würde man alle 10 Folgen aneinanderreihen, so käme dabei ein Stakkato eines albernen "Bäng-Knall-Puff-Wow-Yeah-Comics" heraus.

Als Science-Fiction-Fan komme ich nicht umhin, zu sagen, "Missions" ist das Schlechteste dieses Genres, was jemals im TV oder als Serie zu sehen war, sogar kaum auszuhaltende 50er Jahre-Serien sind im Vergleich dazu intellektuelle Juwelen und "Perry Rhodan" ein anspruchsvoller visionärer Comic-Held. Das aktuell Unterirdischste, was bisher auf dem SiFi-Serienmarkt gelangt ist, nämlich "Lost In Space", erfährt durch "Missions" eine nie geahnte Aufwertung bzw. dass es noch tiefer geht, hätte ich definitiv nicht für möglich gehalten. Gut, da es sich bei "Missions" um eine französische Serie handelt, können wir aufatmen und ihr getrost ohne weitere Bedenken furchtlos den Mantel des Vergessens umlegen: mit ihr wird garantiert kein Trend gesetzt. "Bist du sicher?" Nu' mach mir aber keine Angst.

Wie schon oft gesagt, im Grunde spare ich an Verrissen in meinem Tagebuch, denn sie lohnen meistens nicht der Worte, doch als Freund der Science Fiction macht mich diese Art der Publikumsverdummung schlichtweg sauer. Von "Mission" fühlt sich sogar mein durchschnittlicher Intellekt persönlich beleidigt.

So, da es heute wieder heiß wird, solltest du zur Vorbeugung eines möglichen Akkubrandes und um den Tag mit deinen Reserven durchzuhalten besser den eigenen Energiesparmodus einschalten. "Wie bei Apollo 13?", fragt der Pilot der Crew, Achselzucken des Technikers in dem Sinne, woher er denn bitteschön wissen könne, was bei Apollo 13 geschehen sei, "da war ich noch nicht geboren", so seine patzige Antwort. Original-Filmszene. Echt jetzt? Ja.

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