Donnerstag, 9. August 2018

Reinste dumme Polemik heute

Hier am Niederrhein, das schreibe ich als Experte, da ich hier lebe, war der Sommer endlich mal wieder wunderbar. Zwei Monate gab es kaum Regen, und die Temperaturen luden zu einem Urlaub in den heimischen Gefilden ein. Zeitweise war es heiß, so dass man schön stöhnen und aufs Wetter schimpfen konnte, doch es gab keine Hitzerekorde. Auch keine Dürrerekorde, weder schlimme Unwetter (klopf auf Holz), noch extreme Wetterschwankungen. Heute wird es den ganzen Tag lang regnen bei Temperaturen um 24 Grad, momentan sind es 12 Grad, es ist Nacht, in der ich jetzt schreibe. Wie der restliche August werden wird, ist noch offen, der Wetterbericht spricht von einem durchschnittlichen mitteleuropäischen Spätsommer, den wir zu erwarten haben.

Die Kinder erleben vor Ort eine tolle Ferienzeit, so sie denn von ihren Eltern überhaupt nach draußen gelassen werden, und die Grillabende der hiergebliebenen Erwachsenen feiern Hochkonjunktur, was ich gleichfalls als Experte an dem allabendlichen Duft während meiner Fahrt zur Arbeit mit dem Fahrrad beurteilen kann.

Trotzdem wird in den Medien fast überall mit dem Zeigefinger gedroht: Katastrophe! Und wir sind es, die daran schuld seien. Woran? Am schönen Sommer? Nein, nein, nun kommen die richtigen "Experten" zu Wort und die Statistiken werden bemüht mit dem Ergebnis: es war seit Menschengedenken, seit Aufzeichnung des Wetters, noch nie so schlimm wie heute. Dass es auch noch nie so viele Messstationen wie heute gab, so dass immer irgendwo im Lande irgendein Ort einen Rekord zu vermelden hat, wird faktisch bzw. methodisch unterschlagen. "Oh, du meldest einen Rekord? Seit wann misst du denn diese Daten?" "Im Vergleich zu den beiden Jahren bisher, ist die Temperatur heute ein Spitzenwert". Polemik, ja, aber das Prinzip wird dadurch deutlich. Es sind die Methoden und ihre Interpretationen, die zu den mahnenden Ergebnissen führen.

Es gibt mittlerweile etliche Institute mit hochtrabend und wissenschaftlich klingenden Namen, die von öffentlichen Geldern leben und die Auswirkungen eines Klimawandels erforschen. Dieser Wandel ist dabei bereits Voraussetzung für die Legitimität der eigenen Institutsexistenz. Es ist ähnlich wie bei der Unzahl psychologischer und soziologischer Institute, die sich für ihre "Spökenkiekerei" ebenfalls äußerlich einem wissenschaftlichen Anstrich verleihen. Immer gilt dabei: wenn alles mehr oder weniger in Ordnung ist, ist ihre eigene Arbeit überflüssig und sie bekommen kein Geld mehr. Deshalb darf die Welt im Großen Ganzen nie in Ordnung sein. Kritik und Gejammer in einer akademischen Sprache ausgedrückt, die am Ende nicht einmal mehr die Geldgeber verstehen, ist schließlich das Einfachste auf der Welt. Hauptsache das Ergebnis wird deutlich, kurz und knapp in verständliche Worte gefasst: wir müssen weiterforschen, wir werden gebraucht, denn wir alle befinden uns am Rande einer Katastrophe.

Der von Menschen gemachte Klimawandel ist mittlerweile zu einem Glaubensgrundsatz einer neuen politischen Religion herangereift. Wer ihn anzweifelt gilt heute genau so wie im Mittelalter der Kritiker des Klerus als Ketzer, der aus der Gemeinschaft der Herde ausgegrenzt wird. Das geht sogar so weit, dass ich selber diesen Klimawandel nicht mehr anzweifle, obwohl ich von ihm weit und breit nichts mitbekomme. Jede einzelne Meldung zum Klimawandel wäre auch anders begründbar, doch sogar ich gerate oft in Versuchung, den Klimawandel als eine Art Universalerklärung für alles Übel anzunehmen. Wie "Gottes Strafe" im Mittelalter.

Wir freuen uns zu viel unseres Lebens, wir haben zu viel Spaß, zu viel Genuss, essen, trinken, e-dampfen zu viel, es gibt zu viel Sex auf der Welt, wir als Menschheit vermehren uns zu viel, wir leben und konsumieren auf Kosten der Armen, wir beteiligen uns an Ausbeutung, wir plündern die Ressourcen der Erde, zerstören die Natur und Umwelt - wir sind an allem Übel schuld, der Mensch ist schlecht. "Gottes Zorn" wird uns ereilen, noch ehe die Sonne aufgeht, es gibt nur eine Möglichkeit, ihn rechtzeitig gnädig zu stimmen: wir müssen bereuen und büßen, unser Dasein fortan im Büßergewand fristen. Keine Vergnügungen mehr und kein Genuss gleich welcher Art.

Wer da nicht mitmacht, den mobbt die grün-linke Bevölkerungsmehrheit in diesem Lande, den grenzt sie aus. Aus mittelalterlichen Ketzern werden heute "Populisten", die Altersweisheit wird zur Dekadenz "alter weißer Menschen" (Männer ist hierbei noch eine Steigerungsform) und das Wissen wird von einer neuen Pseudowissenschaft verdrängt, die sich längst nicht mehr der Wahrheit, sondern dem Geld für ihre eigene Existenz verpflichtet sieht ("wes Brot ich ess, des Lied ich sing"). Heute zählt nicht mehr Wissen, sondern Haltung. Die Zeit der Aufklärung hat definitiv bereits mit seiner Rückentwicklung begonnen. An ihrem Ende steht wieder mal der Glaube. Dabei dachten wir doch alle, ihn ein für allemal überwunden, ihn als Meditationsübung in die Kommode der Privatsachen verstaut zu haben.

Der Glaube ist das Pendant zur Haltung. Die grün-linke Politik von CDU, SPD, Linken und den Grünen ist daher strukturell religiös und ihre Forderungen sind streng autoritär. Noch vor 30 Jahren hätte das als Merkmal einer Sekte gegolten. Es ist aber die Sichtweise, die sich bis heute verändert hat: innerhalb der verschworenen kleinen Gemeinschaft einer Sekte ist die Realität eine andere als außerhalb, doch befindet sich die Mehrheit der Menschen innerhalb dieser Sekte, verwandeln sich die Außenstehenden ihrerseits in eine sektenartige Minderheit, die natürlich von der Mehrheit für ihr Anderssein auf vielfältige Weise bestraft wird. Deshalb zieht die Mehrheit die Minderheit wie ein Magnet förmlich an. Der Herdentrieb der Menschen halt. Ob der gemeinsame Galopp auf einen Abgrund zusteuert, ist dabei vollkommen egal: der Weg ist das Ziel. Im Geschwindigkeitsrausch der Masse wird der Sturz von der Klippe vom einzelnen Rindvieh nicht einmal bemerkt, denn während des freien Falls bewegen sich die Beine sogar noch schneller als zuvor.

Ach, gerade bemerke ich, die Sonne geht wieder auf (ja, es war eine arbeitsfreie Nacht). Da haben sich also heute schon genug reuige Sünder gefunden, damit wir alle einen weiteren Tag in Gottes gnädiger Güte verbringen dürfen. Dankeschön, ihr lieben Büßer, ihr tut ein gutes Werk.

In diesem Sinne wünsche ich dir einen andächtigen Donnerstag. Und vergiss bitte nicht, zum Dank ein Kerzchen anzuzünden.

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