Mittwoch, 1. August 2018

Ein Profi-Tanzpaar

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Es lässt sich nicht zählen, wie oft ich an diesen beiden Bäumen vorbeigefahren bin, ohne sie eines einzigen bewussten Blickes zu würdigen. Sie stehen halt am Wegesrand wie alle anderen Bäume auch. Letzte Nacht schaute ich mal genauer hin.

Auf dem ersten Blick dachte ich, die beiden Bäume würden sich gegenseitig stützen. Schon begann mein Gehirn mit der Suche nach nett-melancholischen Metaphern und Allegorien etwa im Sinne eines langen Lebens im gegenseitigen Bewahren vor dem Fall, eng umschlungen, verwachsen gar. Und so weiter. Es fielen mir eine Menge schöner Bilder ein. Doch während des Fotografierens stellte ich ziemlich überrascht fest, dass diese beiden Bäume sich nur unwesentlich, beinahe zart allein mit ihrem Laub berühren. Durch diverse Sturmschäden arg verkrüppelt, sprießen an allen Ecken und Enden neue Triebe, und das Verrückte ist, beide Bäume befinden sich in jeweils ihrem eigenen Gleichgewicht, da stützt kein Stamm und kein Ast den anderen.

Sie führen einen regelrechten wilden Tanz auf. Von den Stürmen choreografiert, gehalten in sagenhafter Balance. Das ist ein Paar des Profitanzes, welches sich gerade in schierer Lebensfreude ein Spiel mit der Physik und den Elementen liefert. Nur ich oder unsere begrenzte menschliche Zeitwahrnehmung sieht hier einen Moment. Es ist aber kein Moment, es ist ein Prozess. Befreien wir uns aus dieser einschränkenden Blase des Augenblicks und sehen die Zeit als Ganzes, quasi über den Tellerrand hinaus, dann erkennen wir dieses wabernde bewegte Leben als einen vergnüglichen Reigen des Seins.

So tanzen wir nun heute in den Mittwoch hinein.

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