Samstag, 25. August 2018

Das Licht auf unseren Wegen

Einleitend muss ich Folgendes erwähnen: Vor mehr als 30 Jahren hatte mein längst verstorbener Stiefvater, Eddi, die komplette Außenbeleuchtung am Haus eingerichtet. Seinerzeit wohnte ich noch nicht hier aber die ganze Familie staunte bei ihren Besuchen über die für die damalige Zeit hochmoderne und aufwändige Lichtkonstruktion. Rundum-Beleuchtung mit Halogenscheinwerfern durch Bewegungsmelder. Einerseits da, wo das menschliche Auge nicht hinsieht, zweckmäßig durch Strahler, andererseits im Bereich, den man sieht, durch teure Laternen, die an den Hauswänden befestigt wurden. Das Haus liegt freistehend und wird an drei Seiten nur durch Felder eingerahmt, das heißt, ohne Mondschein wird es hier dermaßen stockdunkel, dass du die eigene Hand vor Augen nicht siehst. Letztendlich erreichte Eddi, dass bei jedem Menschen, der im Dunkeln dem Hause näher kam, sich überall um ihn herum wie von Geisterhand die Nacht zum Tag verwandelte. Diese Grundidee war sicher prima, auf den Gedanken, dass bei einer solchermaßen abgelegenen ehemaligen Kate sich dennoch nachts allerhand anderer Wesen herumtreiben, war Eddi damals nicht gekommen. Die Bewegungsmelder unterscheiden nicht zwischen Mensch und Tier; von letzteren Geschöpfen tummeln sich etliche Gestalten der Nacht ums Haus: Rehe, Füchse, Marder, Katzen, nächtliche fliegende große Jäger, die übrigens sogar Eddis gehbehinderten Yorkshire-Terrier erbeutet hatten, und nicht zuletzt war die technische Funktionsweise der Bewegungsmelder den damaligen pflanzlichen Gegebenheiten angepasst, was bedeutete, dass jeder Baum und jeder Strauch seine ursprüngliche Ausdehnung beibehalten musste, um Fehlschaltungen durch Bewegungen im Wind zu vermeiden. Wer hatte diese Gartenarbeit zu tun? Nicht Eddi jedenfalls.

Nach Eddis Hinfortscheiden beschloss nun also die Gärtnerin, in persona  meine Mutter, den teilweise Rückbau dieser Beleuchtungsanlage. Die seit den 2000er Jahren explodierenden Strompreise boten hierfür sowieso Begründung genug, so dass die Wachstumsrate der Pflanzen in den folgenden Jahren anhand der Strompreisbörse hätte abgelesen werden können. Neben den Leuchtmitteln der verbliebenen Lampen, die mittlerweile durch LEDs ersetzt worden sind, ist es die begrenzte Haltbarkeit der eigentlichen Lampen, die zu jahreszeitlich angepassten Lichtverhältnissen geführt haben - nicht stockfinster, es herrscht noch genügend Licht, so aber auch keine Festtagsbeleuchtung mehr für die einzelnen Streuner der Nacht. Bis heute sind gut 2/3 der ehemaligen Lampen ausgefallen, und ihr Ausfall wurde immer wieder dankend von uns quittiert, indem er auch nicht mehr behoben worden war. Für die Lohnarbeiter des Bauern, die die angrenzenden Felder sogar nachts bewirtschaften, bedeutete dieser Rückgang lichtechnischer Art zwar weniger Unterhaltungswert während ihrer langweiligen Hin- und Herfahrten auf den Traktoren, doch natürlich keine Einschränkung ihrer eigenen Sicht, denn die Trecker sind heutzutage gigantische Monstergefährte mit eigenen Lichtanlagen, die denen von so mancher Dorf-Discothek in nichts nachstehen (aber deren tonnenschwere und überbreite Ausmaße sämtliche asphaltierten Zufahrtswege zerstören, das mal nur so nebenbei erwähnt).

Vor meiner Wohnungstür, die sich seitlich am Haus befindet, ist die Außenbeleuchtung vor knapp zwei Monaten ebenfalls ausgefallen. Die Elektronik der Lampe spielt verrückt und schaltet durchgehend mehrmals pro Sekunde ein und aus. Wie ein ratterndes Maschinengewehr. Bei einer normalen Glühbirne würde das kaum auffallen, bei LEDs führt dies aber zu heftig flackerndem Licht, das du kaum mehrere Sekunden lang aushältst. Ein Flash-Abwehrlicht, eigentlich die perfekte Sicherung zum Vertreiben möglicher Einbrecher. Nun, die gibt es hier nicht, da im Haus viele Hunde meiner Nichte leben. Die Lampe habe ich also ausgeschaltet. Da sich hier aber mittlerweile auch der Übergabeort für die Arbeitsutensilien meiner Kollegen befindet, und da es gerade in riesigen Schritten früher dunkel wird und später wieder hell, niemand jedoch über mein Fahrrad oder sonstige Gegenstände im Finsteren zu Fall kommen soll - was nämlich nur zu meiner Vertretung während ihrer gesundheitlichen Genesung führen würde, die dann ellenlange Nachtschichten für mich zur Folge hätte - muss nun also die ausgefallene Beleuchtung in meinem Eingangsbereich sogar aus rein egoistischem Eigeninteresse ersetzt werden. Kostenpunkt: 50 bis 100 Euro, neue Bohrungen in der Außenwand, mindestens zwei Stunden Arbeit eines Doppel-Linkshänders mit erheblicher Verletzungsgefahr. Mal abgesehen vom Faulheitsfaktor, war mir schon Anfang des Sommers klar gewesen, hier muss eine pragmatische "China-Lösung" her. Und hier ist sie für 12 Euro. Eckpunkte:

Die LED-Lampe bietet erstaunlich viel Licht, also relativ gesehen, es ist schließlich kein Halogenstrahler. Keine Kabel, sie kann wahlweise mit Akkus oder Batterien betrieben werden. Ich rechne mit einem monatlichen Wechsel der Zellen. Der Bewegungsmelder funktioniert hervorragend und nur im Dunkeln, ist fest eingerichtet für eine 20-Sekunden-Schaltung. Mehr Bewegung = längeres Licht, 20 Sekunden sind aber bereits ausreichend, um eine Tasche abzustellen bzw. aufzunehmen. Es ist erwartungsgemäß ein china-billiges Plastikgehäuse, das keinen Sturz überleben würde, macht aber nichts, da die Lampe draußen auf dem Boden steht. Die Katzen locke ich sowieso immer schon mittels Leckerchen und einem angenehmen Schlaf- bzw. Beobachtungsplatz in eine andere Richtung ihres Interesses, ein Bewegungsmelder war ja vorher auch vorhanden. Es existiert keine Halterung für die Kugel, sie ist so leicht, dass sie vom Gehäuse gehalten wird. Man könnte die Kugel auch alleine irgendwo hinlegen oder hineinlegen (ich habe da schon eine Idee im Hinterkopf). Die Lampe kann demnach einfach gestohlen werden, sie ist also bei Publikumsverkehr weniger geeignet. Bei mir bewegen sich aber nur "registrierte User", die ja vorher bereits vor dem Haus lichttechnisch und hundesensorisch erfasst worden sind. Also im Grunde ist es die perfekte Gartenlampe oder geradezu ideal für den Innenbereich. Eben für innen fallen mir auch gleich mehrere Anwendungsmöglichkeiten ein, so dass ich die gleiche Lampe eine Nummer kleiner für meine Treppe (Maisonette) gekauft habe.

Mal sehen, ob mir im Dunklen demnächst auch ein Foto gelingt, das bezweifele ich zwar, doch ich versuch's mal.

So, und jetzt sage mal noch jemand, mein Tagebuch sei zu skizzenhaft, man könne nicht verstehen, was und warum ich etwas notiere :-)  Ausreichend Licht, das wünsche ich dir abschließend auf deinen eigenen heutigen Wegen auch.

Kommentare:

  1. Die Chinesen sind einfach fichelant. Hast du das Teil bei Ali Express gefunden?
    Jedenfalls eine hervorragende Idee, die ich für die Treppe im Haus auch gut gebrauchen könnte. Bisher stehen da zwei dieser LED Kerzen, allerdings muss man vor dem Zubettgehen nochmal runterlaufen und ausschalten. Deine Lösung finde ich deutlich eleganter.

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    1. Bei vielen chinesischen Elektroniksachen ist es mittlerweile ja so, dass sie über Amazon zum selben Preis wie in China angeboten werden. Und siehe da, zumindest rein äußerlich und per Beschreibung ist die Kugel bei Amazon sogar für nur 7 Euro zu haben:

      https://www.amazon.de/gp/product/B077XG8HX7/ref=s9_dcacsd_dcoop_bw_c_x_1_w

      Dieselbe Kugel per Prime-Liferung für 13 Euro, genau das Teil habe ich:

      https://www.amazon.de/ZEYUN-Kabelloses-batteriebetriebenes-Sicherheitslicht-Bewegungsmelder/dp/B076PV3JB1/ref=sr_1_27?s=lighting&ie=UTF8&qid=1535296075&sr=1-27&keywords=ZEYUN


      Das ist die kleinere Kugel mit den AAA-Batterien bzw. solchen AAA-Akkus, wenn man diese denn besitzt. Sie extra dafür zu kaufen, lohnt nicht. Die Akkuaufladerei hierfür ist mir sowieso viel zu umständlich, deshalb hatte ich für 10 Euro gleich 40 AAA-Varta-Batterien mitbestellt (Markenqualität, gute Kundenbewertung, die chinesischen No-Name-Billig-Batterien sind oft nur zur Hälfte geladen). Ich kann jetzt nur noch nicht sagen, wie lange eine Batterieladung der Lampe bzw. der Batterien durchhält. Es kommt natürlich auf die Häufigkeit der Schaltungen an, ist klar. Im Hellen bleibt die Lampe aber aus.

      Dieselbe Kugel gibt's halt für zwei Euro mehr mit den etwas größeren AA-Batterien bzw. solchen Akkus.

      Ich habe an der Treppe keine freie Steckdose zur Verfügung, wenn dort eine wäre, könnte ich natürlich auch ein einfaches Nachtlicht benutzen. Das kostet aber in etwa dasselbe. Und es hätte immer nur diesen festen Standort. Es ist halt praktisch, dass die Kugel nicht fest montiert werden muss - kann man zwar machen, muss man aber nicht - und dass sie nur dann kurz leuchtet, wenn sie mich dort auch wahrnimmt.

      Draußen habe ich die etwas größere Kugel übrigens in eine alte tragbare Bahnstreckenlaterne getan, die Glasscheibe der Laterne entfernt und der Bewegungsmelder funktioniert auch so 1A. Ich mache gleich mal ein Foto.

      Heute werde ich eine Nacht lang im Regen stehen und radeln. Das prophezeit jedenfalls der Wetterbericht. Hier ist es seit Tagen pitschnass in der Natur, "Dürre" halt :-)

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