.

.

Donnerstag, 5. Juli 2018

Serien-Tipp

In der Diele herrschen nach wie vor kriegerische Auseinandersetzungen. Da ich aber als neutrale Person in diesem Konflikt stehe und heute frei habe, konnte ich was am Besten tun? Genau, Tür zu und auf den Binge-Button drücken.

Eine grandiose TV-Serie liegt nun hinter mir, zwei Staffeln a 10 Folgen allerdings mit nur 30 Minuten Dauer einer einzelnen Episode. Das ergibt laut meiner mathematischen Hochbegabung 10 Stunden Gesamtspielzeit oder 2 mal 5 Stunden Binge-Watching. Die beiden Staffeln bleiben ohne Cliffhanger in sich geschlossen, so dass man sagen kann, hier sind zwei Spielfilme vorhanden, die mit leichter Überlänge jeweils für einen Abend beste Unterhaltung bieten.

Um was geht es? Bevor ich dir den Titel nenne, möchte ich noch etwas loswerden, denn andernfalls würde eventuell nach Nennung des Titels nicht mehr weitergelesen werden. "Ach ja, das … alles klar. Habe ich schon drüber gelesen, is' nicht mein Fall...", und weg. Deswegen habe ich selber sie auch bisher immer übersehen (wollen). So einfach ist es aber nicht, denn die Attribute oder Kategorien, mit der die Serie medial beurteilt und in eine Schublade gesteckt werden, sind meines Erachtens vollkommen falsch. Die Serie wird als "Comedy" beworben und sogar als eine "Sitcom" bezeichnet - beidem wird sie definitiv nicht gerecht. Ja, sie ist sehr humorvoll, doch gibt es keinen "schenkelklopfenden Humor". Es werden keine Gags systematisch in den Scripten aufgebaut, die dann gezielt platziert zu verfilmten Witzen führen, es ist nicht "Ritas Welt", sondern der Witz entsteht spontan und kann deshalb auch sicher nicht immer jedermanns Sache sein. So ist es halt mit dem einen weinenden und dem anderen lachenden Auge, so entsteht intelligenter Humor, so sieht letztlich das Leben aus.

Der fortwährend zum Schmunzeln verleitende Humor ist die eine Säule dieser Serie, die andere ist ihre Menschenliebe. Trotz aller Konflikte und durchaus negativer Situationen/Geschehnisse trägt dieser liebevolle und respektvolle Umgang der Menschen untereinander die Serie und lässt sie für mich zu etwas Herausragenden werden.

Anders als heute üblich bleibt die Filmmusik nur Randthema oder wird unterstützend hin und wieder eingesetzt, für das Tempo der Serie sorgen die teilweise recht schnellen Schnitte, die aber komplett ohne modisch-musikalische Untermalungen auskommen. Das ist eine Wohltat sondergleichen. Über die darstellerische Leistung aller Beteiligter, der Erwachsenen, der Jugendlichen und der Kinder, kann ich nur staunen. Noch dazu wurde die Serie sagenhaft gut synchronisiert - allein die Sprecherinnen und Sprecher liefern hier ein großes akustisches Theater ab.

Du bemerkst sicher meine Begeisterung, deshalb versuche ich mich ein wenig zu zügeln.

Es gibt einen Film, der inhaltlich ähnlich das komplexe und oft schwierige Verhältnis von Mutter und Tochter beinhaltet, nämlich "Zeit der Zärtlichkeit" mit Shirley MacLaine und Debra Winger. Niemand käme auf die Idee, nur da es humorvoll geschieht, diesen Film als "Comedy" zu bezeichnen. Mal abgesehen von seinem dramatischen Ende, so sind doch beide Produktionen von derselben Magie durchdrungen, die die Hauptpersonen wie bei einem Drahtseilakt mit Hilfe der entscheidenden Kraft der Liebe und dem persönlichen Werkzeug des Humors die hefttigsten Windböen meistern und stets die Balance wahren lässt. Natürlich liegen zwischen diesen beiden Geschichten sagenhafte 35 Jahre Zeitgeschehen, auch werden Filme heute technisch ganz anders erzählt, doch ihre Menschlichkeit und ihr Humor sind bei beiden identisch.

Es gibt einen "Warnhinweis", den ich noch unbedingt erwähnen möchte. Du solltest nach Möglichkeit eine Staffel am Stück anschauen oder sie höchstens ein Mal teilen, denn andernfalls tritt leicht derselbe Effekt ein als würdest du bei einem Spielfilm nach jeder Werbeunterbrechung die Fortsetzung erst am kommenden Tag weitersehen. Das würde schlicht die Dramaturgie zerstören und der Serie viel von ihrem Zauber nehmen. Wie gesagt, eine Staffel ist leicht als einzelner Film zu betrachten, 5 Stunden, und wenn schon geteilt, dann als 2,5-stündiger Zweiteiler. Das ist nicht zu lang oder zu viel.

So, ganz persönlich also rein subjektiv (man muss so etwas heutzutage ja immer öfter betonen) bekommt die Serie von mir auf einer Skala von 1 bis 10 eine absolute Ausnahmebewertung der vollen 10 Punkte: genial.

Und jetzt erst nenne ich dir, gemein wie ich bin, den Namen der Serie: es ist "Better Things".

Kommentare:

  1. Nichts negatives hier gehört über "Better Things". Läuft allerdings nicht bei meinem Streamer. Sobald der Fußball vorüber ist, kommt "Unsolved" dran. Dann muss sich Netflix aber mal ins Zeug legen und guten Stoff liefern.
    "Zeit der Zärtlichkeit" habe ich kürzlich mal wiedergesehen. Der Film ist gut gealtert (wie Jack Nicholson auch).
    Lass die Putzerei sein bis es mal kühler ist. Wir liegen noch lange gut geordnet unter der Erde;-)

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. "… Wir liegen noch lange gut geordnet unter der Erde" Das ist sooo wahr. Mal abgesehen, dass unsere eigene Existenz schon bald für andere komplett vergessen und unbekannt sein wird, selbst bei denen, deren Leben wir durch die Jahrhunderte hochhalten, spielt die Staubdichte in ihren Schreibstuben oder die Häufigkeit ihrer Wäsche keine Rolle. Und wenn Beethoven ein unhygienischer oder Kant ein putzfauler oder Marie Curie eine haushaltstechnische Schlampe gewesen sein sollten, so änderten diese Dinge doch nichts an unserer Wertschätzung für sie. Warum, in Gottes Namen, fühle ich mich dann von völlig unwichtigen Zeitgenossen oft genötigt, DEREN Wunsch nach Ordnung und Sauberkeit zu entsprechen? Okay, weil wir nur unbedeutend sind und weil man uns irgendwann im Alter mit diesen Begründungen abschieben können: "Bei dem [der] sieht es vielleicht aus! Er [sie] kann die Wohnung nicht mehr in Ordnung halten. Ab ins Pflegeheim!" Und hinein in die renovierte Wohnung, nicht wahr? Verlogene Menschheit ;-)

      Liebe Barbara, schau dass du irgendwann MKV-Dateien abspielen kannst. So lange ich noch nicht unter der Erde gut geordnet verwese, schicke ich dir gerne all die Serien. Weißte ja.

      Löschen

Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.