Sonntag, 1. Juli 2018

Firma Dies und Das

Woran merkst du, dass ein Computer gut ist? Wenn du ihn eben nicht bemerkst. Wenn du ihn weder hörst oder siehst, noch irgendwelche Meldungen deine Aufmerksamkeit erfordern. Wenn alles, was du täglich in Verbindung mit dem Rechner so machst, problemlos, schnell und korrekt funktioniert, wenn also die Arbeit, das Programm, die App, das Display, der Monitor, das TV oder Multimedia einfach vorhanden sind, ohne das dir bewusst ist, dass als Schaltzentrale der Computer im Hintergrund werkelt.

Genau dabei ist mein lüfterloser Billig-Rechner aus China (deutlich unter 100 Euro, mit langsamen Atom-Prozessor und manuell erheblich abgespeckter Win-10-Version, die nicht mal mehr einen einzigen Buchstaben oder eine Zahl im Hintergrund ungefragt ins Internet kommuniziert) dermaßen gut, dass ich ihn mittlerweile bereits mehrmals versehentlich einschalten wollte, obwohl er längst eingeschaltet war. Nein, er verbraucht bei ausgeschaltetem Monitor nämlich auch keinen nennenswerten Strom, wird nicht einmal handwarm. Aber das komplette Netzwerk läuft tadellos, egal welchen Rechner ich zusätzlich benutze. Einzig ein Aufwecken der Wechseldatenträger aus deren Energiesparmodi benötigt manchmal bei den "älteren" Modellen und wenn sie länger nicht benutzt wurden 3 Sekunden Zeit, bevor ich Zugriff auf sie erhalte. "Was? 3 Sekunden? Das dauert aber unerträglich lange! Damit könnte ich nicht leben.", so las ich's neulich sinngemäß in einem Forum, in dem es um die Langlebigkeit von Hardware ging und um die vermeintliche Notwendigkeit (wie kann es anders sein?), stets aktuelle neuere Hard- und Software zu benutzen.

Früher hatten schmierige Gesellen als Vertreter kostümiert an der Tür geklingelt und wollten dir Versicherungen oder Abos aller Art andrehen, heute befinden sie sich perfekt als Privatpersonen getarnt in sämtlichen Fachforen aller Lebensbereiche. Selbst die E-Dampf-Foren bestehen zu mehr als der Hälfte ihrer aktiven User aus verkappten Händlern oder Verkäufern. Das Internet, wie ich es kennengelernt hatte, existiert längst nicht mehr, das ist ja ein alter Hut, doch heute gibt es eigentlich nur noch einen riesigen kommerzverseuchten Marktplatz, auf dem selbst in Bastelecken die Vertreter verschiedenster Couleur versuchen, dich übers Ohr zu hauen an dein Geld zu gelangen.

Dies & Das 2: Die Benutzung des Kommas im letzten Satz nach "versuchen" ist tatsächlich vollkommen freigestellt. Haste das gewusst? Ich nicht.

Dies & Das 3: Habe vorhin "Secret City" zu Ende gebingt. Nicht schlecht, um nicht zu sagen, sehr gut sogar. 6 Folgen à ca. 55 Minuten, ein australischer Polit-Thriller eher der ruhigen Art, die 2. Staffel soll wohl in Arbeit sein.

Dies & Das 4: Den Begriff "bingen" quasi für die muntere Durchführung eines Serienmarathons habe ich eben zum zweiten Mal gelesen und ihn nun in mein Vokabular endgültig eingegliedert. Sag jetzt bloß nicht, den haste auch schon längst gekannt.

Kommentare:

  1. Und wieder mal ein Loblied auf die Chinesen, zu Recht.
    Nicht zuletzt deine Elogen haben mich dazu gebracht, diverse Bedarfsartikel direkt in China zu bestellen. Das hat bisher alles hervorragend geklappt und die Qualität stimmt auch.
    Man(n) stelle sich vor: Frau kauft etwa alle zwei Jahre eine Wimpernzange. Regelmäßig muss sie das enthaltene Silikonpad austauschen. Bis vor kurzem gab es diese auch in den Drogeriemärkten, im 3er Gebinde zu 89 cent. Plötzlich ausgelistet, in allen Märkten! Die Nachfrage ergab nichts, ich solle halt regelmäßig eine neue Wimpernzange mit 3 Reservepads kaufen! Die spinnen wohl.
    Auf ebay geguckt, fündig geworden und für ein paar Euro den Zweijahresbedarf erstanden. Zehn Tage später lag der Umschlag schon im Briefkasten.
    Silikonpads sind jetzt nicht gerade dein Ding, es geht mir nur ums Grundsätzliche.
    Dies & Das 2 hätte ich auch nicht gewusst. Binge watching schon;-)

    Schönen Sonntag noch.

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    1. Jaja, du warst mein erstes Mal ;-) Da las ich das "Bingen" zum ersten Mal. Wann war das? Letztes Jahr, oder? Es scheint sich tatsächlich langsam aber sicher durchzusetzen, denn in immer mehr Artikel finde ich den Begriff. Du bist also Trendsetterin - wobei ich ihn mittlerweile gar nicht mal so schlecht finde, denn die Beschreibung eines Serienmarathons, bei dem ja von 3 Stunden bis zu einer Woche alles drin sitzt, ist doch vergleichsweise sehr aufwendig. Dagegen ist: "Wo warst du?" "Bingen" perfekt :-)

      Viele Leute wettern ja über Chinaeinkäufe, versuchen ihnen Qualitätsmängel anzudichten und so weiter, wir beide schädigten mit unserem Verhalten die deutsche Volkswirtschaft und weiß Gott, was da noch alles fabuliert wird. Klar, es ist das Geld, das dem überteuerten deutschen Handel verloren geht, da verstehe ich schon deren "Bedenken", doch an allen Ecken und Kanten, an denen unser Geld genommen wird, reden die Politiker von der globalisierten Welt, denen wir halt Rechnung zu tragen haben. Keine ausreichenden Lohnanpassungen mehr, Kostenerhöhungen, Geld für die EU, Energiekosten steigen usw. - alles Notwendigkeiten der globalen Welt. Wenn wir uns also als Konsumenten dieser Globalisierung tatsächlich auch mit Haut und Haaren stellen und direkt ohne Umwege in China einkaufen, dann ist es ihnen allerdings auch nicht recht.

      Naja, wie bei den Apotheken: seit sie nicht mehr Arzneimittel selber herstellen, sind sie so überflüssig wie ein Kropf. Es gibt längst keine vernünftige Rechtfertigung mehr für ihr Monopol (ähnlich der Trafiken in Österreich für Tabakwaren), und jeder weiß das auch, doch ihre Macht ist einfach zu groß für unsere armen notleidenden Politiker.

      Welche Rechtfertigung sollte ein popeliger deutsche Händler eigentlich haben, der dieselbe chinesische Ware (die ja ausschließlich dort produziert wird) viele hundert Prozent überteuert verkauft? Gewährleistung und Garantie werden erst ab einem gewissen Betrag für den Kunden interessant, sicher nicht für Warenwerte von ein paar wenigen Euro. Eine Retour eines mangelhaften Artikels nach China wäre darüber hinaus eine ökologische Katastrophe. Fehlerhafte Ware wurde in den wenigen bei mir vorhandenen Fällen sofort in China mit Gutscheinen erstattet, ohne die defekte Ware zurückzusenden oder einen Rechtsfall auszulösen (eine Bemerkung über eine schlechte Kundenbewertung bis hin zu der möglichen Paypal-Rückforderung ist im Zweifel viel wirkungsvoller als jede rechtliche Drohgebärde. Noch dazu ist die Kommunikation via Google-Übersetzer mit den Chinesen recht interessant und vergnüglich, da sie von beiden Seiten in dieser Art stattfindet. So etwas erweitert den eigenen Horizont in Bezug zur Globalisierung - also auch quasi kulturell.). In diesem Bereich der Kleinbeträge ist der komplette EU-Verbraucherschutz in Wahrheit nur ein Klotz am Bein des Kunden.

      Aber das ist bekanntlich so ein weites Feld. Gleich muss ich wieder zum Dienst, morgen auch noch mal, dann habe ich über eine Woche lang frei, nur unterbrochen von einer einzigen Dienstnacht. Diese Freizeit droht mir bereits jetzt, denn mir fällt partout keine Entschuldigung mehr ein, dem Kampf mit dem grässlichen drachenartigen Ungetüm Staubsauger aus dem Weg zu gehen. Hachja ...

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.