Montag, 2. Juli 2018

Einfaches

Komme gerade von der Arbeit nach Hause, mache mir gleich Leckeres zu essen und schaue mir anschließend diesen Film an: "I Feel Pretty". Den Film hätte ich niemals freiwillig ausgewählt, denn eine zu erwartende US-Komödie auf Bridget-Jones-Niveau ist etwas für RTL, nicht für mein Wohnzimmer. Klingt sehr arrogant, ich weiß, ist aber nicht so gemeint. Mit diesem Humor, der für mich nur knapp oberhalb üblicher Schenkelklopfer liegt, kann ich persönlich einfach nichts anfangen, konnte es noch nie; das hat nichts mit einer Abwertung des Geschmacks anderer Menschen zu tun - auch nichts mit Bildung bzw. fehlender Bildung, denn ich selber bin strunzdumm und stehe auch dazu, trotzdem sind solche Komödien eher weniger "mein Ding".

Aber:

Genau, jetzt kommt das Aber. Auf "Spiegel online" las ich diese hier verlinkte Rezension über den Film. Bei aller Güte, das ist intellektueller Tiefflug wie selten gelesen. Schwierig, hier die richtigen Worte zu finden, ohne Gefahr zu laufen, zu beleidigen, was nicht meine Absicht ist. In den Kommentaren zu der Rezension wird schon einiges richtigerweise erwähnt. Aber solch ein dämlicher Verriss (ist wortwörtlich als Genderbezeichnung gemeint und bezieht sich auf die Dame, die die Rezension verfasst hat) ist gleichermaßen eine Art Versprechen auf eine gelungene Komödie. Theater, das vom Publikum geliebt wird? Applaus von "Hein Blöd" und "Lieschen Müller"? Das darf im deutschen Kulturbetrieb nicht sein, um Gottes Willen, wo kommen wir denn dann hin? Das wäre doch der pure Populismus.

Okay, noch habe ich den Film nicht gesehen; vielleicht, wahrscheinlich, ist er wirklich flach, dann aber sicher nicht aus den genannten Gründen dieser Jenni Zylka, ihresgleichen Lebenskünstlerin oder Literatin oder Moderatorin oder als was auch immer man sie bezeichnen kann, sondern weil der Film einfach einfache Unterhaltung bieten möchte und einfach nur fürs Publikum. Falls ich nicht zu müde sein sollte und nicht einschlafe, schreibe ich als Nachtrag nachher einfach noch eine einfache Zahl zwischen 1 und 10.

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Nachtrag, 8:50 Uhr: Immer wieder hilfreich, wer Spiegel-Rezensionen stets umgekehrt beachtet ("die ersten werden die letzten sein, und die letzten werden die ersten sein"), findet damit einen wunderbaren Führer durch den Dschungel des Kulturbetriebs. Was ich geahnt hatte, bewahrheitet sich, denn Jenni Zylka hat diese Komödie nicht einmal ansatzweise verstanden. Der Film ist besser als jeder Bridget-Jones-Film, er ist prima Unterhaltung. Wird archiviert für abermalige knappe zwei Stunden humorvolle Kurzweil auf überdurchschnittlich hohem Niveau. Die persönliche Bewertungsskala von 1 bis 10 sagt hierzu:
  8*   

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