Montag, 9. Juli 2018

Alte Sachen

Unfassbar! Ja, vielleicht ist folgendes für dich nicht neu, doch für mich ist es kaum in Worte zu fassen. 2012 hatte mein Pedelec inklusive allem (extra neue Bereifung, Umbau auf Hydraulikbremsen, robuste Gepäcktaschen, dickere Speichen) 2.500 Euro gekostet. Mehrere Wartungen und zwei größere Instandsetzungen gab es seither und einen zweiten Akku für 500 Euro ebenfalls. Ohne jetzt im Detail auf den Fehler der Elektronik einzugehen, lautet das vorläufige Resultat der Werkstatt, es sei ungewiss, ob sich eine Reparatur überhaupt lohne aber man wolle schauen, eventuell alte [sic!] Ersatzteile zu finden und werde sich nächste Woche bei mir melden.

Die an meinem Rad verbaute Elektronik gibt es nicht mehr, obwohl das Rad von einem Fachhändler stammt und nicht etwa von einem Großhändler oder per eBay erworben wurde. Die Akkus (Lipo-Akkus) seien heute gar nichts mehr wert (ursprünglich 1.000 Euro) und das Rad kaum mehr als 100 Euro. Zugegeben, es ist jetzt verschlissen, es wurde ja 6 Jahre täglich gebraucht. Die Akkus sind aber noch nicht an ihrem Ende, da ich weiß, wie man schonend Akkus betreibt und sie dann auch längere Zeit benutzen kann. Heute nutze ich noch E-Dampf-Akkus aus 2012, messe sie regelmäßig durch, und sie sind absolut okay. 750 bis 1.000 Zyklen Haltbarkeit beziehen sich nämlich auf Entladung und Neuladung, nicht aber auf Teilladungen, damit halten Akkus viel, viel länger. Wie das alles zusammenhängt, ist jetzt aber ein anderes Thema.

Also sagen wir mal grob, 3.000 Euro Wertverlust des Rads inklusive der Akkus in 6 Jahren. Das ist doch der Hammer, oder? Eine Elektronik ist letzten Endes nichts anderes als ein programmierter Chip, der sich heute aber nicht mehr neu programmieren lässt und nicht austauschbar ist - natürlich ein cleveres Vorgehen der Hersteller, doch da bröselt mir glatt der Kitt aus der Brille, wie man so schön sagt.

Naja, harren wir der Dinge, die da kommen. Für die Zeit der Reparatur bekam ich wenigstens kostenlos ein ganz einfaches Leihfahrrad gestellt - das mir übrigens hervorragend gefällt.

Jajaja, mir ist schon klar, Autoreparaturen sind um ein Vielfaches teurer. Auch der Wertverlust bei einem Neuwagen schlägt ähnlich extrem zu Buche - trotzdem, irgendwie finde ich es nicht richtig, also das Missverhältnis zwischen Wert und Wertigkeit. Nun, dabei gelangen wir allerdings schnell wieder in ein gesellschaftspolitisches Feld, zu dem ich seitenweise schreiben könnte, vielleicht sogar Zuspruch erhielte, doch was nicht im Geringsten etwas an der Realität ändern würde.

Wenn man all dies weiterdenkt, oje, wie sieht es dann eigentlich mit dem Wertverlust von uns selber aus? Ist auch alles dem Verschleiß unterlegen, nicht wahr? Aber war doch mal unbezahlbar gut und teuer. Sind Menschen blad ebenso nur noch als komplette Module austauschbar und einzeln ökonomisch nicht mehr reparabel? So nach der Devise: "Tja, die Reparatur bei dir lohnt sich eigentlich nicht mehr, besser du schaffst dir einen komplett neuen Körper an". Aber vielleicht passt dein Ich dann nicht mehr da hinein, ist schon dermaßen überholt und nicht mehr programmierbar, dass du gleich durch einen neuen Menschen ersetzt wirst.

Kommentare:

  1. Was für ein Ärgernis! Das ist allerdings ein erheblicher Wertverlust, und nur gut, dass dein Arbeitgeber dich damit nicht ganz alleine lässt.
    Autoreparaturen schlagen mit ganz anderen Sümmchen zu Buche. Daher fahre ich seit vielen Jahren Smart (immer gebraucht gekauft). Dem fehlt so gut wie nie was und er ist sparsam beim Benzinverbrauch. Und man sitzt warm und trocken ;-)

    Ich drücke dir die Daumen, dass es für dich keine allzu große finanzielle Belastung wird.

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    1. Wäre ich nicht handwerklich dermaßen ungeschickt, ich hätte schon prächtige Eigenkonstruktionen gebaut, doch gerade beim Fahrrad bewundere ich die geschickten Mechaniker, denn das Risiko von Verletzungen ist hier bei einer ungeschickten Handhabung enorm hoch. Grundsätzlich ist das bei Zweiradreparaturen so. Auch beim Auto muss man aufpassen, klar, doch das steht fest auf seinen Rädern oder auf der Bühne. Leider ist aber beim Auto heute alles extra so verbaut, dass man nicht mehr so einfach eine Lichtmaschine oder Wasserpumpe selber austauschen kann.

      Bei meinen gebrauchten Autos (ich besaß noch nie einen Neuwagen) hatte ich das früher für mich und meine jeweilige Partnerin alles jahrelang selber gemacht. Ein "Abo" beim Schrotthändler, dort die benötigten Teile selber ausgebaut und dann zu Hause oder in der Werkstatt des Onkels eingebaut. Ist undenkbar heute. Welcher Schrotthändler ließe dich noch auf seinen Platz? Dort alleine suchen und werkeln? Die sind auch clever geworden was den Ersatzteilhandel betrifft. Und am Ende geht es auch gar nicht mehr, da der komplette Motorraum mittlerweile verkapselt ist. Von der Elektronik will ich gar nicht erst beginnen. Für alles und jedes benötigt man heute Spezialwerkzeuge und Computer. Ganz so schlimm ist es beim Fahrrad zwar (noch) nicht, aber beim E-Bike geht es klar in diese Richtung.

      Beruflich darf ich am jetzigen Einsatzort kein Auto benutzen. Also nicht mal einen E-Smart. Zu Fuß oder mit dem Rad, vielleicht würde ein geräuschloser E-Roller noch genehmigt werden, sein Verschleiß wäre dann aber enorm und am Ende noch teurer als jetzt. Pro Nacht steige ich rund 50 mal aufs Rad und wieder ab. Allerdings wären 20 oder 30 Kilometer zu Fuß definitiv auch nichts für mich. Ein Kollege meines Alters (!) macht genau das. Bewusst und mit Absicht. Darüber staune ich mit großer Hochachtung. Er ist auch gertenschlank. Jaja, ich weiß, sollte ich auch tun, von wegen Fitness, Gesundheit und so weiter. Nene, es reicht mir völlig aus, dort auf dem Fahrrad und nur mit Muskelkraft unterwegs zu sein, den E-Motor des Bikes habe ich durchgehend ausgeschaltet, das finde ich okay, ich meine, quasi als Kompromiss und fitnessmäßige Beruhigung des schlechten Gewissens ;-)

      Ein kleines E-Auto für privat hatte ich auch mal im Sinn. Trocken ja, aber das mit der Wärme ist bei einem E-Antrieb auch relativ, kostet sie doch so viel Energie, dass zu wenig für die Fahrt übrigbleibt. Dieses Thema betrifft übrigens auch die Post-Autos mit E-Antrieb: man sieht als Normal-Mensch nur die vielen Vorteile für die Umwelt, bei Minus 10 Grad möchte ich allerdings kein Auslieferungsfahrer in einem kalten E-Mobil sein.

      Bei einem privaten Auto entstünden wieder so viele Mehrkosten, dass meine Arbeit dafür nicht genug Geld einbringt. Also müsste ich mehr arbeiten und zwar nur fürs Auto. Dabei sollte ein Auto doch das Leben erleichtern und nicht erschweren. Ist irgendwie widersinnig, nicht wahr? Außerdem hätte ich keine Nerven mehr auf den Verkehr heutzutage. Ich habe jahrelang in Düsseldorf, Köln und M'gladbach gelebt und war dort ausschließlich mit dem Auto unterwegs, mein Bruder macht es jetzt noch, nee, das ist glasklar nicht mehr mein Ding. In Berlin der 1980er Jahre brauchte ich auch jahrelang kein Auto, da kam man schneller rund um die Uhr mit der BVG und der S-Bahn ans Ziel. Hat sich heute wohl auch geändert aber weniger rein fahrtechnisch als vielmehr mitfahrgesellig :-)

      Hach, ich antworte mal wieder vom Höcksken auf et Stöcksken. Habe ja frei heute, entschuldige also meinen Schreibschwall.

      Dir wünsche ich jedenfalls weiterhin viel Glück mit deinem Smart. Wird der eigentlich noch gebaut? Bin nicht auf dem Laufenden, was Automodelle betrifft.

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  2. Smart wird nach wie vor gebaut. Die Ingenieure haben dem Auto einen ziemlichen Eigensinn verpasst der ihm nach und nach wieder ausgetrieben wird.
    Diese kleinen Elektrofahrzeuge sehe ich hier häufig. Sehen aus wie der "Messerschmidt Kabinenroller" und schaffen eine maximale Geschwindigkeit von 50 kmh. Was ich auch charmant finde ist Renault's "Twizy". Aber all diese Spielsachen sind relativ teuer und ich würde auch nicht hart verdientes Geld in ein Fahrzeug stecken.
    Du wirst wieder ein E-bike kaufen?

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    1. Ja, ich denke oder hoffe, dass es irgendwie repariert wird "koste es, was es wolle" (ich liebe solche Sätze). Für die Arbeit vor Ort, die den wirklich unnötigen Verschleiß fordert, werde ich wohl ein extra Arbeits-Fahrrad, ein ganz einfaches, zulegen. Wenn ich eh ohne Motor dort fahre, muss ich ihn und den Akku ja nicht ständig mitnehmen, doch für längere Fahrten will ich auf die Motorunterstützung auch nicht verzichten. Man kann so ohne zu schwitzen an sein Ziel gelangen und spart das Umziehen der Kleider.

      Mal schauen, was nächste Woche die Werkstatt sagt.

      Der "Twizy" war es auch, der mal mein Interesse geweckt hatte. Aber auch die Norweger nutzen viele E-Autos. Du hast allerdings recht, kostenmäßig ist ein E-Auto oder ein E-Roller teurer als ein Benziner. Daher kommt es für mich auch nicht in Frage. Wenn man darüber hinaus die Gesamt-Öko-Bilanz nimmt, sind E-Autos auch nicht unbedingt gesünder für die Umwelt. Man braucht sich ja nur mal vorzustellen, alle Autos der Welt würden so betrieben - vor lauter Atomkraftwerken, den logisch daraus folgenden Unfällen (mehr Kraftwerke = mehr Unfälle) und den No-Go-Bio-Aeras wie in Fukushima und Tschenobyl gäbe es kaum noch Platz, um mit den E-Autos zu fahren.

      https://de.wikipedia.org/wiki/Nuklearkatastrophe_von_Fukushima#Situationsbestimmung

      Ich sehe es wie du: Mobilität sollte das Leben praktisch erleichtern, alles andere sind Spielsachen für Reiche oder für ideologische Träumer.

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.