Freitag, 29. Juni 2018

Über Neid und Freiheit

Um selber zu erkennen, wo die Manipulation beginnt, die dann in Indoktrination mündet, also so ganz allgemein und überall, meine ich, um zu sehen, wo sich das Zentrum der Waage befindet, das zwischen religiösen bzw. ideologischen Werkzeugen der Macht auf der einen Seite und den Bedürfnissen der individuellen freien Entfaltung und des persönlichen Genusses auf der anderen Seite die Waage hin- und herwippen lässt, und um mir selber bildlich zu verdeutlichen, wie clever der Mensch doch auf die Biologie reagiert, damit er erfolgreich vom anderen Geschlecht auserwählt wird bzw. lästige Konkurrenten loswird, stelle ich mir stets den prächtigen Pfau mit seinem atemberaubenden Rad vor: wer hätte Interesse daran, ihm diesen wundervollen Schmuck verbieten zu wollen, wenn nicht der unterlegene Artgenosse, der von der Biologie benachteiligt wurde und außerstande ist, ein gleichermaßen prachtvolles Rad zu schlagen?

Auf jeden Fall nicht diejenige, die das Ziel des biologischen Spiels ist, also nicht die, oder besser ausgedrückt und genderneutral auf den Begriff Mensch bezogen, nicht der Empfänger kritisiert ritualisiertes Verhalten, sondern derjenige, dessen Wunsch nach einem Begehrt-Werden unerfüllt bleibt und der sein Ziel eben nicht erreicht. Es gibt Arten in der Natur, bei denen das ritualisierte Spiel ums Begehrt-Werden tatsächlich ernst wird und in einen echten Kampf auf Leben und Tod endet. Kriege? Vielleicht ein bisschen weit hergeholt.

Nun, die uns selber betreffende Natur und unser Eingreifen darin, auch unsere Kreativität im Umgang mit ihr, das bezeichnen wir Menschen als Kultur. Wir erfanden die Religionen und die Kritik, um dieses biologische Verhalten im eigenen Interesse zu beeinflussen und zu steuern. Der X-ismus (Fundamentalismus, Feminismus, Kommunismus usw.) ist dabei einfach nur ein kosmetisch nett klingendes Wort oder ein intellektuell erscheinender Begriff für den Neid auf Andere, um damit mehr oder weniger geschickt angewandt den Konkurrenten auszuschalten und sich selber im Spiel der Macht möglichst hoch bzw. weit vorne zu positionieren.

"Georg, praktische Beispiele bitte. Darunter kann sich doch sonst kein Schwein etwas vorstellen, so wirres Zeug, das du heute wieder schreibst."

Zwei emotionsgeladene Beispiele, wie erweiterte Kultur die Biologie auszuhebeln versucht, kann ich spontan benennen. "Oje, was kommt denn jetzt?"

Die Verschleierung der Frau im Islam. "Grundgütiger!". Wir im Westen glauben immer, dass dies ein Herrschaftsinstrument des Mannes über die Frau sei. Das ist es aber nur zur einen Hälfte. Niemals könnten jahrhundertelang Abermillionen Menschen so einfach und erfolgreich unterdrückt werden, wenn diese Verschleierung nur vorteilhaft für 50% der Bevölkerung wäre. Erst recht nicht, da die Erziehung der Kinder den vermeintlich Unterdrückten obliegt. Und ebenso unmöglich funktioniert eine Indoktrination der Hälfte einer ziemlich aufgeklärten Bevölkerung über einen solch langen Zeitraum wie in islamisch geprägten Gesellschaften (monarchistisches Deutschland 47 Jahre, 1. deutsche Demokratie 15 Jahre, Nazi-Deutschland 12 Jahre, DDR 40 Jahre - Regierungen gegen das Volk überleben höchstens um die zwei, drei Generationen). Ich bin fest davon überzeugt, dass die Verschleierung in den Islam-Ländern seit mehreren hundert Jahren deshalb nach wie vor so erfolgreich ist, ja, heute geradezu ein Revival erlebt, da sie im beidseitigen Interesse liegt. Einerseits schützt der Mann damit natürlich sein Eigentum vor räuberischen Absichten des neidvollen Kollegen Mann (bitte lass mich das ruhig so flapsig ausdrücken, denn hübsche oder komplizierte Worte änderten nichts am Kern der Aussage), andererseits wird aber ebenso der Frau dadurch ein Werkzeug gegeben, das (biologische) Begehren ihres Mannes nach einer oder durch eine Konkurrentin zu minimieren, indem diese Konkurrenz von vornherein ausgeschaltet wird.

Das zweite Beispiel beschreibt Tamara Wernli besser als ich es je könnte. Bitteschön, viel Spaß mit diesem kurzen Vlog-Beitrag. Er lohnt sich sehr, versprochen.

Übrigens spielt die ganze Gebots- und Verbotskultur all der vielen Gesundheitsapostel und Verbraucherschützer ebenso in diesen Themenbereich hinein. Er ist so umfangreich, dass man meist erst selber enorm nachdenken muss, um die geschickten Taschenspielertricks und die Scheinlogik der Argumentation der Gutmenschen, der "Das-Ist-Für-Dich-Besser-Menschen", zu erkennen. Sich gegen Manipulation zu schützen, war immer schon recht schwierig, im Zeitalter der Massenmedien und des Internets wird es nicht unbedingt leichter. Eines aber haben sämtliche dieser Versuche gemeinsam: die Einschränkung der Freiheit; man verbietet dir etwas, das niemandem geschadet hatte, das Verbot hingegen nutzt nicht dir, sondern ausschließlich anderen, den Verbietenden. Dagegen, egal aus welcher Richtung, sollte man sich "eigentlich" zur Wehr setzen - es sei denn, ein bestimmtes Verbot spielte dir gerade praktischerweise in die eigenen Karten, nicht wahr?

Was wird langfristig Erfolg haben, die Freiheit oder das Verbot? Auf diese Frage antworte ich am Besten mit einem Zitat der hochgeschätzten Bernadette Gaehluet: "Iesch abe kein Glasegugäll".

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