Freitag, 11. Mai 2018

Israel

Eigentlich eine Zustimmung auf einen Kommentar, so ist sie als eigenständiger Tagebucheintrag vielleicht sogar besser aufgehoben, denn meine Gedanken will ich gar nicht im Kommentarbereich verstecken.

Ja, Barbara, das finde ich auch, diese Effizienz und Präzision, die die israelische Armee heutzutage erreicht, ist wohl einzigartig auf der Welt und dem engen geografischen Raum geschuldet. Das können nicht einmal die Amerikaner, denn sie besitzen eine Armee, die zwar in weiten Aktionsrahmen und sogar global agieren kann, doch in einem vergleichbar engen Raum wahrscheinlich mehr Schaden an der eigenen Bevölkerung anrichten würde als beim potenziellen Gegner. Jede militärische Aktion muss unter den israelischen geografischen Bedingungen schnell und punktgenau erfolgen. Eine einzige militärische oder politische Fehleinschätzung könnte im Nu das Ende Israels bedeuten. Israel ist so klein wie Hessen, umringt von riesigen Ländern, die dieses kleine Land von der Landkarte tilgen und seine Bewohner ins Meer treiben möchten, das bedenken heute viel zu wenig Leute.

Das ist das eine, die andere Seite der Medaille ist die Erfahrung mit der Mentalität der arabischen und persischen Politik. Wir in Europa gehen von unseren eigenen Erkenntnissen bei der Bewertung von Konflikten aus, wir können von Glück reden, nicht von solchen mittelalterlichen Strukturen umgeben zu sein, die mit modernen Waffen ausgerüstet in Europa zu unkontrollierbaren Auswüchsen führen würden. Europa würde in einer solch theoretischen Konstellation längst nicht mehr existieren.

Nicht durch Reden, sondern durch Handeln werden die Feinde Israels zurückgehalten. Wie bei Kindern, die wissen, wenn sie etwas Verbotenes machen, folgt sofort und ohne Diskussion die Antwort und ihnen wird auf die Finger geschlagen. Das tut weh und deshalb halten sie die Hände still. Natürlich wird, wie eben auch bei Kindern, von Generation zu Generation immer neu ausgelotet, wie weit sie ungestraft gehen können. Jedes Zaudern Israels bedeutet für seine Feinde einen Sieg - mit Vernunft ist da gar nichts zu machen, nur die Stärke und Konsequenz Israels hält seine Feinde auf Abstand. Das bedarf einer fortwährenden Aufmerksamkeit auf höchstem Niveau. Die Gefahr geht von einem Nachlassen dieser Anstrengungen aus, das darf nie passieren, denn es würde umgehend das Ende Israels bedeuten.

Eine solche Gemengelage, geografisch sowie durch die Mentalität der Feinde bedingt, können wir Europäer kaum verstehen. Wir selber befinden uns in einem unglaublichen Luxus des Friedens. Dass sich die arabischen und persischen Länder unseren europäischen Verhältnissen angleichen, ist nicht zu erwarten, Krieg und Kampf ist bei ihnen positiv besetzt. Ich erkenne nicht, wie sich daran in absehbarer Zeit grundlegend etwas ändern könnte. Daher kann man Israel nur alles Gute wünschen, vor allen Dingen Kraft und Ausdauer seiner Wachsamkeit und Stärke.

Wir Deutsche sollten uns schämen, die Feinde Israels mit unseren Waffen aufzurüsten. Unsere Wirtschaft lebt davon, anderswo Öl ins Feuer zu gießen, doch statt sich darüber zu echauffieren, spornen wir die Feinde Israels auch noch an, indem wir ihnen politische und journalistische Rechtfertigungen für ihr Tun liefern und indem wir ihre Aggressionen auch noch moralisch unterstützen und wirtschaftlich belohnen.

Deshalb schrieb ich auch jüngst, dass mir persönlich eine Auflösung Deutschlands ziemlich egal sei, denn was heute im Namen Deutschlands geschieht, findet nicht meine Unterstützung, im Gegenteil, ich schäme mich tatsächlich für unser Land. Und das bedeutet nicht allein für die politische Führung, denn wenn man die Kommentare der medialen, oft subtilen Hetze gegen Israel und gegen die USA liest, kommt man leicht zu dem Schluss, dass eine Mehrheit der deutschen Bevölkerung hinter dieser Hetze steht. Nein, das ist nicht mein Deutschland, da bleibe ich lieber, was ich bin, nämlich ein Niederrheiner, der wie alle Rheinländer multiethnischer Herkunft europäischer Kultur ist, der seine Heimat liebt aber rein gar nichts mit einer deutschen Mentalität und mit deutscher Politik am Hut hat. Wahrscheinlich sitze ich wieder mal zwischen allen Stühlen.

Das war also heute ein etwas anderer Tagebucheintrag. Warum auch nicht? Einen angenehmen Start ins Wochenende wünsche ich.

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