Freitag, 13. April 2018

Wer spart, wird betrogen

Seit Jahrzehnten spiele ich Lotto. Bei Westlotto habe ich vor Jahren einen Dauertipp abgegeben. Seit kurzem gibt es die Option, Kleingewinne auf ein Spielerkonto übertragen zu lassen. Jedes mal für 2 Euro oder so eine Banküberweisung zu tätigen, das wollte ich dem Unternehmen ersparen. Gleichzeitig, so dachte ich, sei das doch auch ein prima kleines Sparbuch wie früher in den Kneipen die Sparkästen, in denen man sein Münzgeld steckte und das einmal im Jahr mit allen anderen Sparern zusammen für eine große Sause ausgegeben wurde.

Nun waren gestern auf meinem Spielerkonto 60 Euro angespart. Die wollte ich auf mein Girokonto überweisen lassen. Pustekuchen! Das Kleingedruckte hatte ich nicht gelesen, denn dort steht, dass Beträge des Spielerkontos aus rechtlichen Gründen nicht ausbezahlt werden dürfen, sondern nur verspielt werden können.

Also versuchte ich den Betrag zu nutzen, um meinen Dauerschein eine Zeit lang zu bezahlen. Geht aber auch nicht, denn das Guthaben ist - mit Ausnahme von Dauertipps - nur für die Bezahlung manueller Tipps vorgesehen. Nun gut, ich könnte meinen Dauertipp kündigen und denselben als Einzeltipp mehrere Monate vom Guthaben bezahlen. Doch siehe da, als ich seinerzeit meinen Dauerschein online erstellt hatte, konnte ich die Spiel77-Zahl frei wählen. Mein Geburtsdatum. Heute lässt sich aber nur noch die letzte Zahl frei wählen. Würde ich also den Dauertipp kündigen, so wäre die Zahl meines Geburtsdatums ein für allemal dahin. Sollte die dann in Zukunft gezogen werden, sähe ich das binnen einer Zehntel Sekunde. Diese Zahl zu kündigen, das geht also schon mal gar nicht.

Das Guthaben von 60 Euro ist in Wahrheit also gar keines, sondern es handelt sich dabei lediglich um einen Gutschein in Höhe von 60 Euro. Einen Gutschein aber Guthaben zu nennen, mit Verlaub, dies finde ich eine Verbrauchertäuschung, selbst wenn es rechtlich legal sein sollte.

Was mache ich jetzt mit den 60 Euro? Zuerst habe ich für heute beim Eurolotto einen 30-Euro-Tipp abgegeben mit knapp einem Dutzend Zahlenreihen. Wehe, ich gewinne nichts! ;-) Tja, und mit den restlichen 30 Euro werde ich wohl nächste Woche spielen, denn das Geld auf dem "Konto" zu belassen, macht ja überhaupt keinen Sinn, wenn ich's nicht bekommen kann. Jedenfalls ist jetzt die Option des Ansparens der Kleingewinne ausgestellt und Westlotto muss jeden einzelnen Euro der Kleingewinne auf mein Girokonto überweisen.

Sparen wird heute sowieso überbewertet. Man sollte dafür lieber schöne teure Sachen kaufen, die auch in 20 Jahren noch ihren Wert besitzen. Nur fällt mir gerade nichts für 60 Euro ein; in 20 Jahren hat alles, was ich heute besitze, nur noch Schrottwert. Wahrscheinlich muss ich dann dafür sogar Entsorgungskosten bezahlen. Klar, wer viel Geld sparen kann, kann Gold, Geschmeide und Gutshöfe kaufen, doch Minisparer beißen mal wieder die Hunde. Ach, die Welt ist ungerecht und gemein, nicht wahr?

Daher wünsche ich dir heute ausdrücklich in Saus und Braus einen glücklichen Start ins Wochenende. Verjuble deine paar Münzen und lass es ordentlich krachen.
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Nachtrag. Zum Thema Wahrnehmung hätt ich noch etwas: Real sind 60 Euro für mich viel Geld, wahrgenommen habe ich vorhin, dass VW-Chef Müller seinen Posten aufgibt und in den nächsten zwei Jahren bei VW nichts mehr zu tun haben wird. So lange läuft sein Arbeitsvertrag nämlich noch. In dieser Zeit bekommt er rund 20 Millionen Euro. Zu den 10 Millionen aus dem letzten Jahr - aber dafür hat er schließlich auch "gearbeitet". Und nein, ich neide ihm nicht die vielen Millionen, sondern staune nur über diese Art einer spätrömisch dekadenten Parallelgesellschaft in unserem Land. Sie sprengt schlicht meine Vorstellungskraft.

Kommentare:

  1. Deine Gewinne sind ja recht üppig, da kann ich nicht mithalten;-)
    Dass das nur ein Gutschein ist, habe ich kürzlich erst mitbekommen. Bisher spiele ich bei tipp24.de mit sehr mäßigem Erfolg und daher habe ich mich mit dem Thema nie befasst.
    Nun bietet Aldi ebenfalls online Lotto an und nach der Registrierung wird explizit auf die Nichtauszahlung hingewiesen.
    Ich drücke dir die Daumen für die nächste Ziehung!

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    1. Ich hatte sogar mal 5 Richtige. 2.500 Euro :-)
      Wenn man den Gewinn quasi reinvestiert, kann man pro Woche für 10 Euro knapp 5 Jahre lang plus-minus null Einsatz spielen.

      Ich finde, es wird jetzt allerdings wieder mal Zeit für einen größeren Gewinn ;-)

      Ich drücke dir auch die Daumen. Wobei, selbst bei 6 Richtigen müsstest du rund 20 mal gewinnen, um VW-Müllers Zweijahresgehalt fürs Nichtstun zu erreichen.

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  2. Toll! Ich spiele jede Woche nur 2 Kästchen und wäre superglücklich über einen Hunderttausender.
    Eine höhere Summe habe ich nur einmal bei einem Trabrennen gewonnen. Da habe ich auf den Einlauf der ersten 3 Pferde richtig gesetzt. Es waren noch dazu Außenseiter, da ich mich nach den hübschen Jacken der Jockeys gerichtet hatte.
    Anfängerglück.

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    1. Wie war das noch gleich mit dem positiven Denken? Wir sollen uns fest suggerieren, erfolgreich, schön und reich zu sein; wir sollen uns im Geiste bereits die wunderbarste Villa perfekt einrichten, so, als sei all dies beschlossene Sache, eine unumkehrbare Gewissheit. Keine Bescheidenheit, think big, denke wie eine Vorstandsvorsitzende - dann kommt all das Glück und der Reichtum vollautomatisch auf dich zu, nein, besser noch, dann wedest du als Geisterfahrerin des Erfolges und schwenkst in die richtige Richtung ein, wirst Teil all dieser positiven Masse. So in etwa wird’s gemacht laut der vielen Psycho-Gurus und Management-Trainer.

      Da weißte Bescheid.

      Okay, bisher sehe ich persönlich mich zwar eher als ein abgewracktes altes Geisterschiff, ziellos cruisend auf dem Meer der unendlichen Möglichkeiten - aber immerhin, ich bemühe mich. "Er war stets bemüht ..." :-)

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    2. Apropos Pferdewetten, bin gerade auf dem Weg zur Arbeit und suggeriere derzeit in Endlosschleife meine gute Laune:

      https://www.youtube.com/watch?v=hahCdMlfRyk

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.