Samstag, 21. April 2018

Ignoranz

In der gestrigen beinahe lauen Sommernacht - okay, gegen Morgen wurd's schon ein wenig frisch auf dem Fahrrad - saß ich um genau 3 Uhr auf einer Bank in einem parkartigen Gelände vor einem Wohnheim und genoss mein E-Pipechen. Durch die vielen Fenster drang Licht, das gemeinsam mit dem gelblichen Schein der Straßenlaternen sogar zum Lesen eines Papierbuchs oder eines E-Readers ohne Beleuchtung ausgereicht hätte. Deshalb konnte ich die prächtige weiße Katze auch prima sehen. Sie nährte sich der Bank von der Seite her. Langsam stolzierte sie heran. Als sie ungefähr noch einen Meter von mir entfernt war, beugte ich mich vor und machte, wie ich meinte, akustisch und sprachlich nett auf mich aufmerksam: "Hey, du süße weiße Katze, wer bist du denn?" Sie würdigte mich keines Blickes. Als sei ich Luft trottete sie an der Bank vorüber - an mir vorüber. "Hallo? Vielleicht sitze ich hier. Guckst du mal!", sagte ich lauter, sie hätte schließlich einen Hörschaden haben können. Nichts, nicht mal zu einer einen Bruchteil einer Sekunde andauernden vielleicht nur angedeuteten Geste war dieses Geschöpf willens, sie nahm von mir absolut keine Notiz. In einem Zick-Zack-Kurs entfernte sie sich langsam, interessierte sich mäßig für mir nicht ersichtliche Dinge auf dem Rasen und verschwand schließlich hinter einer Hausecke. Ich sage dir, da kommst du dir völlig überflüssig vor. Ja, warum auch zu mir schauen? Es bin ja nur ich. Mit Hut, nicht zu übersehen. Das war echt frustrierend, ich, ein sinnloses Sein gewissermaßen. Meine mittlerweile durchaus wieder wahrnehmbare körperliche Präsenz war gleichbedeutend mit Luft.

Da wünsche ich dir heute aber einen bedeutungsvolleren Samstag. Ignoranz, also echte und keine gespielte Ignoranz, die ist wirklich seelisch grausam, dat sach ich dir.

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