Dienstag, 24. April 2018

"Der Grenzgänger", "Hard Sun", "Le Chalet"

Kurz zu drei TV-Serien. Alle drei sind gut anzuschauen, doch besitzen sie auch deutliche Schwächen. Und wiederum gilt wie bei all meinen Kritiken: hier liest du nur meine persönliche, völlig unmaßgebliche Meinung. Es macht also keinen Sinn, zu "haten" oder zu "flamen", im Zweifel sage ich einfach: du hast recht und ich habe meine Ruhe.

1. Der Grenzgänger

"Der Grenzgänger" ist eine norwegische Krimiserie, bei der neben dem spannend erzählten Kriminalfall nichts genretypisch sicher erscheint. Normalerweise gilt: Polizei = gut, Verbrecher = schlecht. Manchmal ist auch die Polizei schlecht und korrupt und wieder ein andermal stehen die Bösen auf der moralisch guten Seite - aber stets ist von Beginn an klar, auf wessen Seite sich die Zuschauenden stellen. Beim "Grenzgänger" ist es ein wenig anders. Sogar nach Ende der Serie ist für mich keine klare Positionierung möglich. So etwas ist schon mal für die Zuschauer sehr gut, da der eigene Kopf zusätzlich zum geschilderten Fall gefordert wird.

Nun ist es aber so, dass trotz der gelungenen Kriminalgeschichte und der Widersprüchlichkeit eines klaren Gut und Böse, nichts wirklich Besonderes in der Serie geschieht. Die Voraussetzungen wären eigentlich ideal, viel mehr Mut zu beweisen und Seriengeschichte zu schreiben, doch leider entwickelt sich die Handlung immer mehr vorhersehbar in typische Muster. Für Krimifans mag das durchaus ausreichen, für mich langt es nicht zu einem zweiten oder dritten Mal Anschauen. Einmal gesehen, gut unterhalten, danach die Filmdateien gelöscht. 7 von 10 Punkte. Gut halt.

2. Hard Sun

"Hard Sun" beginnt wie ein epocheles Science-Fiction-Werk, verliert sich im Laufe der Serie aber zusehens in moralische Zeigefinger-Pädagogik (reale islamistische Brutalität wird einfach umgedreht und durchgeknallten Christen eins zu eins angedichtet), bevor gegen Ende wieder der Faden einer großen Geschichte aufgenommen wird. Je nach Sendeformat, die Serie existiert als Sechs- und als Dreiteiler, kannst du knapp 100 Minuten in der Mitte ausschneiden, dann ist die Erwartung auf eine zweite Staffel groß, denn vielleicht findet die Serie zurück zu ihrem faszinierenden Kern bzw. ihrer großartigen Ausgangslage. Zumal die Schauspieler außerordentlich überzeugend spielen. Am Besten könnte man die Geschichte als Endzeit-Thriller klassifizieren, in dem einzelne Episoden eingeflochten werden, die nichts mit diesem Thema zu tun haben. Ich will nicht behaupten, die Serie sei inhaltlich gestreckt worden, doch komme ich nicht umhin, anzumerken, dass bei ihr scheinbar zu viele Köche mit unterschiedlichen Interessen das Gericht zubereiten. Ein Dilemma, dem schon etliche Co-Produktionen zum Opfer fielen.

Dem ersten Drittel gebe ich 10 von 10 Punkten, dem zweiten Drittel 6 von 10 und dem letzten Drittel 8 Punkte; macht eine Gesamtbewertung von 8 Punkten. Ob ich mir die Serie ein weiteres Mal anschauen würde? Es kommt ganz auf die zweite Staffel an, sie entscheidet letztendlich, ob das Einzigartige oder das Belanglose die Serie auszeichnen wird.

3. Le Chalet

"Le Chalet" - bei dieser Serie fällt eine Bewertung ziemlich leicht. Vorweg: sie ist absolut sehenswert. Sie ist ein Musterbeispiel dafür, wie aus einer B-Serie mit guten Schauspielern eine A-Serie auf mittlerem Niveau geschaffen werden kann.

Die Story ist B-Schrott, viele Tote, wenige Fragezeichen beim Zuschauer, unlogisch und auch nicht mystisch. Ganz schlimm für die dilettantische Regie: Szenen, die eine besondere Wirkung erzielen sollen, werden nicht wirkungsvoll in Szene gesetzt, sondern per Zeitlupe verlangsamt. Andersherum wird Geschwindigkeit und Eile durch Zeitraffer vorgegaukelt. Beides Stilmittel aus den Pioniertagen des Films, in denen es nichts anderes gab, als die Rolle beim Vorführen schneller oder langsamer laufen zu lassen. Als Regisseur würde ich mich dafür heutzutage schämen. Dasselbe gilt übrigens für die Filmmusik: eine Variation des immer gleichen Themas geklimpert auf dem Klavier - dasselbe Thema, das ich als Gitarrenschüler mir glaubte selber erdacht zu haben und das ich im Alter von 14 Jahren laufend vor mich hin zupfte, das aber von Abermillionen Menschen gespielt wurde und wird, ein musikalisches Universalthema. Es passt zu allem und nichts. So ist es auch in der Serie: bei manchen Szenen wirkt es unterstützend, bei anderen findet die gegenteilige Wirkung statt. Nicht einmal für die Filmmusik musste sich ein Mensch anstrengen und etwas komponieren - wie damals beim Stummfilm: der Mann im Kino nach XX Vorstellungen mehr oder weniger gelangweilt am Klavier.

Jetzt habe ich viel zu viel Text für Negatives verwandt, denn die Darstellerinnen und Darsteller (von ganz jung über mittelalt bis älter) erschaffen durch ihre Kunst aus der mäßigen Geschichte und der Billig-Regie dennoch einen absolut sehenswerten Film bzw. eine solche Serie.

Story: 6 von 10 Punkten; Regie, Musik usw. 3 von 10 Punkten; Schauspieler 9 Punkte. Macht zusammen 6 Punkte, doch die Gewichtung bei der Darstellung wiegt schwerer, so dass ich "Le Chalet" insgesamt 7 Punkte (noch ein Gut) geben möchte.

So sieht's aus für heute. Wie gesagt, nur für mich. Falls es für dich anders aussehen sollte, mach dir nichts draus, bunt ist die Welt, und ich erzähle sowieso auch viel Unsinn.

Kommentare:

  1. Wir haben gerade "Die Einkreisung" zu Ende gesehen. Gute Charaktere, gute Schauspieler und spielt mal wieder in tollem Ambiente. Gut, man kann die Serie auch als gepflegte Langeweile ansehen wie "Rotten Tomatoes" das sieht. Und sie verdient sicher keine 10 Punkte. Aber dennoch, in Zeiten der Flaute nicht schlecht.
    "Le Chalet" kann ich streamen. Mal gucken.

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    1. Genau so sehe ich es auch. Wenn ich arbeitsfrei habe und dennoch nachts wach bin, da eine Umstellung des Tag-/Nachtrhythmus sich nicht für vereinzelte freie Nächte lohnt bzw. miesere Auswirkungen auf Körper und Psyche zur Folge hätte als alles so zu belassen, wie es eingespielt ist, dann lese ich oder schaue Serien/Filme. Wenn ich die Auswahl habe, bevorzuge ich die visuelle Unterhaltung. Da bin ich halt genauso dankbar über Werke mittlerer Qualität. Wobei das ja auch immer eine Sache des Maßstabs ist. Ausgezeichnete Serien erschweren es einem nach deren Konsum überhaupt etwas Neues zu beginnen. Oft lese ich dann doch lieber ein paar Nächte lang. Danach geht’s dann mit den mittelprächtigen Serien wieder.

      Bei "Die Einkreisung" lag mein Zeigefinger schon mal auf der Maustaste über den Button "Download", doch bisher hatten andere Download-Knöpfe anderer Serien den letztendlichen Klick verhindert. Du meinst also, ich sollte mir "Die Einkreisung" durchaus mal gönnen? Gut, das mache ich also demnächst. Und danke für die Erinnerung, meine Erwartungen dabei tief anzusetzen, das bewahrt mich nämlich vor einer möglichen Enttäuschung und lässt mich eine Mittelmäßigkeit dennoch als gute Unterhaltung genießen. Deshalb finde ich deine Einschätzungen auch Gold wert.

      Momentan stehen wieder zwei Wochen ausgesprochen unfreundlicher Dienstzeiten an (2 Nächte arbeiten, 1 frei, 1 arbeiten, 2 frei, 3 arbeiten, 1 frei und so weiter), bevor eine Regelmäßigkeit wieder Einzug hält. Voraussichtlich. Nein, nein, es soll gar nicht meckernd klingen, ich beschwere mich nicht, es soll nur für die Mitlesenden, die die Umstände meines Serien- und Filmkonsums nicht kennen, verdeutlichen, weshalb es ist, wie es ist. Bei dir wirkt sich ja die Schlaflosigkeit darauf aus, bei anderen Menschen mögen andere Gründe vorhanden sein, jedenfalls ist unser Medienkonsum für normale, noch nicht vom Leben gezeichnete Menschen schlecht nachvollziehbar. Sie verstehen noch nicht so viel vom Leben und glauben oft, ihre eigene eingeschlagene Lebensroutine sei für alle anderen "normalen Menschen" gleichfalls die Orientierungslinie. Dann heißt es schnell despektierlich: "Hat der/die nichts besseres zu tun als Tag und Nacht Serien zu schauen?" Mittlerweile lesen hier halt auch viele lebensunkundige Menschen mit, ver.di-Gewerkschaftsmitglieder usw., darauf habe ich ja leider keinen Einfluss (boah, das war jetzt aber ein fieser kleiner Seitenhaken, gell?).

      Muss gleich und die nächsten 3 Nächte wieder zum Dienst, bis die Tage, alles Gute.

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  2. Mit "Le Chalet" wurde gestern begonnen, allein die Serie wird uns nicht bei der Stange halten. "Master of None" wurde nach einer Folge geknickt. Da sind wir nicht die Zielgruppe.
    Mal sehen, was ich Netflix noch aus der Seite leiere. Es gäbe schon noch Interessantes, da ist aber das Problem mit den leidigen Untertiteln.
    First World problems;-)

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    1. Jep, kann ich verstehen. Obwohl "Le Chalet" etwas besser wird. Auch an die schlecht inszenierten Zeitsprünge muss man sich erst mal gewöhnen. Die Serie ist wirklich miserabel inszeniert. Französisches TV ist qualitativ scheinbar dem öffentlich-rechtlichen hierzulande sehr ähnlich.

      First World Problem? Hey, One World! Dann zählt das auch in umgekehrter Richtung :-)

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.