Sonntag, 29. April 2018

Der böse Kunde

Seit gestern ärgere ich mich immer noch. Die neue Hermes-Paketbotin ist blind oder kann nicht lesen. 20 Jahre lang lebe ich im selben Haus, ein freistehendes Haus abseits und in den Feldern gelegen mit einem Feldweg als Zufahrt, der als Sackgasse exakt vor dem Haus endet; jeder Irrtum ist hier ausgeschlossen, aber nein, die Hermes-Intelligenzbestie schickt ein riesiges Paket zurück an den Absender (Amazon), weil sie sagt, den Adressaten nicht gefunden zu haben. Hallo? Nur durch meine Beobachtung der Online-Paketverfolgung bemerkte ich das überhaupt.

Hermes ist ebenfalls unfähig, den Fehler zu korrigieren, obwohl ich mich sofort beim Service gemeldet hatte. "Das Paket geht zurück an den Absender, leider kann ich da nichts machen", so lautete die Ansage einer im Grunde überflüssigen Mitarbeiterin am Telefon.

Amazon schickt eine Ersatzlieferung, alles gut, aber darum geht es mir bei meinem Ärger eigentlich gar nicht. Mich ärgert diese Unfähigkeit einer Paketzustellerin und die Dreistigkeit ihres Handelns (oder Nichthandelns). So viel mehr unnötige Arbeit halst sie durch ihre Inkompetenz nun anderen Menschen auf.

Der alte Hermes-Fahrer ging in seine wohlverdiente Rente, seiner jungen Nachfolgerin ist im Grunde alles egal. Den Job macht sie sowieso, wie wir alle, nur des Geldes wegen, und sie versucht nicht einmal im Ansatz, ihn gut zu machen. Ja, klar, Überforderung, Überbelastung und so weiter, ich weiß aber kann das Gejammer der "Generation Schneeflocke" langsam nicht mehr hören, Schuld an der eigenen Unfähigkeit sind immer nur die anderen, am Ende ich als Kunde, da ich so unverfroren bin, mir ein Paket schicken zu lassen. Ich bin der Böse, ich beute die Menschen aus, ich bin der Grund für die Knechtschaft aller Paketzusteller hierzulande, denn ich bin Teil eines unmenschlichen Systems, da ich dies durch meine Bestellungen aktiv unterstütze. Bringen wir es doch auf die Spitze: ich und wir "immer die anderen" sind Schuld am Elend dieser Welt.

Bei DHL war es übrigens sehr ähnlich, allerdings lässt deren neue Fahrerin wenigstens eine Benachrichtigung da, wenn sie niemanden vor Ort antrifft und dann kann ich das Paket im Shop abholen. Aber Hermes doch nicht, nein, ab und zurück die Chose, Empfänger unbekannt, ist viel einfacher. Doofe Kuh, doofe.

Heute gibt es keine Zustellungen, daher wünsche ich dir und mir, halt den "immer anderen", einen nervenberuhigenden Sonntag der Erholung. Habe mir schon das Pfefferminz-Liquid in die E-Dampfe geschüttet - wirkt besänftigend.

Kommentare:

  1. Ich reiche dir mal eben mein Baldrianfläschchen.
    Hier ist die Situation natürlich genauso. Kürzlich wartete ich über einen Monat auf eine Lieferung. Ging immer wieder an den Absender zurück wegen eben auch "nicht zustellbar".
    Ich denke, dass wir irgendwann nur noch in die Paketshops beliefert werden. Das wäre auch ok, wenn die Lieferung verbindlich da ist. Mit der online Sendeverfolgung sollte das kein Problem sein.
    Lieber Georg, einen schönen Sonntag wünsche ich dir.

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    1. Interessant finde ich auch, dass wir als Amazon-Kunden meist keine Möglichkeit besitzen, den Versender selber auszuwählen. Beim Kauf in China geht das, im eigenen Land nicht. Somit steht der Korruption Tür und Tor offen, denn wer kontrolliert schon Amazon, welche Kriterien für eine bestimmte Auswahl verantwortlich sind? Amazon wählt natürlich immer den billigsten und schnellsten Versender - auf dem Papier, im Angebot. Dass dies nicht der Realität entspricht, kann oder möchte Amazon gar nicht überprüfen. Also lügen und betrügen nicht nur die kleinen Paketboten, sondern der Fisch stinkt vom Dienstanbieter-Kopf her; wie kann man Betrug den Mitarbeitern vorwerfen, wenn sie für Unternehmen arbeiten, dessen Managements den Betrug als Teil ihrer Firmenstrategie implementiert haben?

      Unseriöse und schlechte Anbieter waschen ihre Dienstleistungen in ihren Angeboten quasi rein. Worte sind geduldig. Jeder Mensch weiß, dass Hermes in der Praxis der schlechteste Paketversender Deutschlands ist, dennoch bekommt das Unternehmen lukrative Aufträge. Das kann nicht nur an geschönten Angeboten liegen, da muss Italien als Vorbild fungieren, anders ist es für mich nicht zu erklären. Mafiöse Strukturen. Schmieren Hermes & Co.? Und falls Ja, wen? Das aufzuklären oder zu kontrollieren, dazu besteht aber nirgendwo, außer beim Kunden, ein Interesse. Aber eine mächtige Kundenlobby gibt es leider nicht. Selbst Behörden hierzulande sind längst Teil dieser italienischen Verhältnisse.

      Von Zeit zu Zeit fliegen einzelne betrügerische Elemente auf, beispielsweise bei der Müllentsorgung, der Energieversorgung, im Bau (Berlin, Stuttgart) oder bei der Bams (gekaufte Zuerkennung des Bleiberechts für Flüchtlinge). Dann rollen ein, zwei Köpfe aber alles geht munter weiter wie bisher, die Strukturen werden nicht geändert. Böse Zungen behaupten, dass selbst diese vereinzelt öffentlich gemachten Korruptionsfälle Absicht sind, um sich im mediterranen Machtpoker unliebsam gewordener Mitspieler zu entledigen. Jedenfalls interessiert sogar das die Normalmenschen nicht die Bohne, sie wählen dieselbe Politik von Mal zu Mal. In der EU blüht förmlich die Korruption, was eine schlimme Zukunft erwarten lässt. Jeder weiß es oder ahnt es zumindest, doch nichts wird dagegen unternommen, dabei liegt bis jetzt noch alle politische Macht in den Händen des Volks. Anscheinend möchte es betrogen werden.

      Von daher betrachtet erfüllen die Paketboten als kleine Marionetten nur die Vorgaben ihrer Arbeitgeber.

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.