Sonntag, 18. März 2018

Racheengel

Bis auf eine einzige Ausnahme ("12 Monkeys") stehe ich ja nicht so besonders auf Bruce-Willis-Filme. Dass dieser Haudegen aber gerade für einen Rache-Film eine Idealbesetzung darstellt, steht auch für mich außer Frage. So spielt er nun in "Death Wish" die auf seinen Leib geschnittene Rolle des todesmutigen Rächers. Es handelt sich hierbei um einen der besseren Filme dieses Genres - wie gesagt, eher nicht unbedingt mein Fall, doch bin ich durchaus in der Lage, die Qualität von Spielfilmen objektiv einzuschätzen, selbst dann, wenn sie mir persönlich nicht zusagen. Ganz anders die meisten Berufskritiker, denn "Death Wish" bekommt von ihnen überwiegend Verrisse. Das Publikum hingegen scheint diesen Film zu mögen; bei "Rotten Tomatoes" wird er herausragend gelistet mit 82 Prozent positiver Bewertungen zu nur 17 Prozent guter Kritiken der Fachleute. Wie kann das sein? Wieso eine dermaßen großes Diskrepanz zum gemeinen Volk?

Rate mal.

Alter, weißer und reicher Mann rächt sich am Prekariat. Das geht ja jetzt überhaupt nicht, so etwas ist dermaßen politisch inkorrekt, also das darf nicht sein. Dabei ist der Film nicht einmal besonders brutal, es gibt viele hochgelobte Filme mit wesentlich mehr Brutalität und weniger Inhalt. Aber das ist es auch gar nicht, was die Kritiker in erster Linie an "Death Wish" monieren, es geht ihnen ausschließlich um den ihrer Meinung nach verkehrten Inhalt: Arm darf sich an Reich rächen, Schwarz darf Weiß töten, so etwas entzückt und höchste Auszeichnungen stehen dafür bereit, selbst dann, wenn solche Geschichten handwerklich grottenschlecht verfilmt werden, aber andersherum, da kann der Film noch so gut gemacht sein, das wird nicht zugelassen. Alt, reich, weiß, Mann - gleich vier Anti-Attribute des Zeitgeists auf einen Schlag, das fördert vor lauter Empörungseifer die pure Zornesröte ins Antlitz der Kritiker.

Wie gut, dass Hollywood aus Wirtschaftsunternehmen besteht, die sich einen feuchten Kehricht um die Berufskritik scheren, denn ihre Filme werden fürs Publikum gedreht und von ihm bezahlt. Und es bewahrheitet sich mal wieder mein Glaube an die Schwarmintelligenz, denn bei sehr vielen Bewertungen kann man fast immer blind jenen einer deutlichen Mehrheit vertrauen. So auch beim Film "Death Wish", den sogar ich, obwohl ich dieses Genre nicht mag, sehr gerne gesehen habe. Es ist zwar kein kulturelles Highlight, Bruce Willis halt, doch gute und spannende Unterhaltung allemal, die noch dazu an einer Wahrheit kratzt, die heutzutage unter dicken Mullbinden versteckt als Tabu gilt und lediglich hinter Sichtschutzwänden ihre nötige Beachtung findet.

Auf der persönlichen Bewertungsskala von 1 bis 10 gebe dem ollen Racheengel Bruce 7 Punkte. Einen angenehmen heiligen Sonntag wünsche ich.

Kommentare:

  1. Ein politisch inkorrekter Film zum heiligen Sonntag, tststs.
    Im Leben bisher nur einen einzigen Film mit Bruce Willis gesehen: "Der Tod steht ihr gut". Da war er von der Maske nahezu unkenntlich gemacht worden und spielte seine Rolle äußerst amüsant.
    Schönen Sonntag wünsche ich dir. Hier ist schon wieder Schnee schippen angesagt.

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    1. Tja, ein qualitativ vergleichbarer Film identischen Inhalts der Selbstjustiz aber von einer Frau gespielt, die sich an Männer rächt, erhält gleich von der deutschen Film- und Medienbewertung FBW das Prädikat "besonders wertvoll". Welcher Film? "Der Fremde in dir" mit Jodie Foster. So ist es halt in unserer scheinheiligen Welt der Doppelmoral.

      Hach, das Wetter, ich bin heilfroh, dass mein Wochenende heute beginnt und erst Mittwoch endet. Bis dahin soll's sich noch mal kräftig "auswettern" - wobei wir hier ebenfalls ganz schnell beim Egoismus und den Doppelstandards angelangt sind, nicht wahr; denn dass du bis dahin kräftig Schnee schippen musst, bedaure ich zwar verbal zu tiefst (ach, du Arme!), während ich mich freue, dass es gerade in jenen paar Tagen meiner Freizeit geschieht. Man ist sich halt immer selbst der Nächste, gell ;-)

      In diesem Sinne: bauen wir uns einen März-Schneemann oder genderneutral eine Frühlings-Eisfrau. Ist der weiße Schneemann eigentlich nicht rassistisch? ;-)

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.