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Freitag, 23. Februar 2018

Filmkritik: "Die Verlegerin"

Letzten Abend hatte ich mir im Fernsehsessel "Die Verlegerin" angesehen. Nun ja, was sollte ich kleiner Georg nun zu einem Film sagen, der bereits heute als Oskarpreisträger im Grunde fest steht - allein schon die Reihe der Prominenz, die den Film gedreht hat, ist ein Garant fürs Überschütten von allerlei Auszeichnungen. Hinzu kommt das Thema: die freie Presse als leuchtende Fackel der Demokratie, die edel nur den Menschen und der Wahrheit dient. Himmel!

Es ist der verklärte Blick in eine Vergangenheit, wie wir ihn bei alten Menschen oft beobachten: "Früher, als die Welt noch in Ordnung war, als wir Helden waren, als wir die Pressefreiheit gerettet hatten ... vor dem bösen Nixon", und da merkt der politisch interessierte Zuschauer bereits auf: weshalb gerade jetzt ein solcher Film? Es lautet nämlich die eigentliche Aussage dieser Alt-Herren-Mit-Dame-Runde: Nixon = Trump und Trump = Nixon.

"Die Verlegerin" ist ein Abgesang auf eine alte Welt, gespielt und inszeniert von beinahe senilen Millionären. Bereits die Eingangsszene verrät all den Kitsch, den wir auch später beim vermeintlichen Einblick ins Verlagshaus präsentiert bekommen, indem zum Song "Green River" von CCR jene kultigen Bilder eines Vietnamkriegs gezeigt werden, die ich als Pop-Art bezeichnen möchte, die aber mit Krieg rein gar nichts zu tun haben. "Apocalypse Now" und Hubschrauber-Geschrabbel. Das soll wohl das Lebensgefühl der "68er Generation" widerspiegeln. Seit Jahrzehnten dieselben Szenen, wie peinlich im Jahre 2018.

"Die Zeit" schreibt von einer "brillanten Charakterstudie" die Maryl Streep abliefert - was bitteschön? Ihr Schauspiel hat nun definitiv nichts mit einer Charakterstudie zu tun, da gibt es andere Filme, andere Schauspielrinnen und Schauspieler, die wirklich gefordert werden, Maryl Streep bewegt sich so routiniert wie eh und je. Ihrer Mimik sind weder Zweifel noch überhaupt seelisch tiefere Emotionen anzusehen. Zumindest ich erkenne sie nicht, und ihr gutes aber normales Schauspiel ist nicht automatisch brillant, sondern schlicht und ergreifend eben normal und gut, was man von einer Darstellerin auch erwarten darf.

Tom Hanks als zynischer Zeitungs-Chef spielt mehr oder weniger sich selbst. Aus dem Klischee-Bilderbuch runden Negativ-Gestalten für die knochigen Konservativen jener Zeit als Unsympathen das Gesamtbild ab und natürlich der Teufel in Menschengestalt, Richard Nixon, darf nicht fehlen; von ihm werden zwei, drei fiese Sätze rezitiert, die wir als Zuschauer hinter den Gardinen des Weißen Hauses aus seinen Telefonaten - na, was wohl? - genau, abhören dürfen. OMG!

Es ist schon eigenartig: je länger eine Epoche zu Ende ist, desto verklärter wird sie von den noch Lebenden kitschig weichgezeichnet oder sie dient als Mittel zum gesellschaftspolitischen Zweck einer Zeigefinger-Pädagogik, und manchmal, so wie in "Die Verlegerin", ist es sogar beides.

Trotzdem möchte ich dir den Film ans Herz legen. Schau dir an, wie Hollywoods Prominenz heute politische Filme dreht, es ist ein Lehrstück der Belanglosigkeit, Ignoranz und der Durchsichtigkeit - während rings herum die Armen immer ärmer werden, die Welt schier aus ihren Fugen gerät, beweihräuchern sich die alten ausschließlich weißen Reichen als die einzigen und wahren Hüter demokratischer Werte und besaufen sich an ihrer Liberalität in einen Rausch aus purer Arroganz.

Ach, Thema politischer Film, Freiheit, 1970er Jahre, die Rolle der Presse - gab es da nicht einen wahrhaftig ausgezeichneten Film, der die Maske der Presse herunter reißt und die Verlogenheit dahinter offenbart? Und der im Gegensatz zu Spielbergs Rache-Antwort auf Trump heute so aktuell wie damals ist? "Die verlorene Ehre der Katharina Blum". Buch und Film eine völlig andere Liga. Das ist wirklich brillant, liebe Zeit-Redaktion.

Kommentare:

  1. Den Film werde ich mir ganz sicher nicht im Kino anschauen, da hat mir der Trailer schon gereicht. Dieses allzu routinierte Runterraspeln ihrer altbekannten Gestik, Mimik und Körpersprache langweilt einfach nur noch. Und den Rest kann ich deiner Kritik entnehmen und mir den Kinobesuch schenken.
    Der übrigens keineswegs ein Quell der Freude ist, denn "Der Mensch als Geräusch ist unterschätzt" (Gerhard Polt).
    Für die Billboards haben wir es auf uns genommen, wissen nun um so mehr den heimischen Bildschirm zu schätzen.

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    1. Ich sehe es genauso wie du - aber wir sind in der Minderheit, die meisten Menschen bejubeln diesen Film. Natürlich ist er handwerklich professionell gemacht, Spielberg halt, doch einfallslos und irgendwie schnell hingeklatscht wirkt er auf mich.

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.