Dienstag, 13. Februar 2018

Blick in die kalte Nacht

Dieses detailreiche Foto, das in seiner qualitativen Exzellenz zum bewahrenswerten Kulturgut der Menschheitsgeschichte gehört, zählt zudem zu den authentischsten Werken jenes Künstlers, der voller Ignoranz durch Google zum tage- und nächtelangen Untertauchen gezwungen war. Unter dem Radar des Internets bildete er in aller Seelenruhe die Umgebung seines Schaffens mittels lichtempfindlicher Sensoren ab. Nachts - drei Nächte in Folge fuhr der Fotograf mit seinem Fahrrad im winterlichen Wetter jeweils um die 40/50 Kilometer und traf bei seinen Ausfahrten nicht eine Menschenseele. So wechselte er freundschaftliche Worte allein mit einigen Katzen, Dohlen und Krähen, sprach beruhigend zu den aufgeschreckten Tauben und stimmte ein zu einem geheimnisvollen Terzett mit einem Paar Uhus. Im Schneegestöber zückte er spontan sein altes Samsung-Handy der zweiten Generation und lässt uns nun teilhaben an einer vollendeten Vergangenheit, deren ehemalige Gegenwart der Dunkelheit, der Kälte und Nässe aber auch der Stille und des gedankenverlorenen Dahinradelns visuell im fröhlichen Treiben kaum sichtbarer Schneeflocken nachhallt.

Einen angenehmen Dienstag wünsche ich dir. Mal schaun, wie lange das mit Google so noch klappt.

Kommentare:

  1. Regelrecht künstlerisch wertvoll was sich aus so einem alten Schätzchen von Kamera herausholen lässt. Könnte aus einem "Film noir" stammen, grusel.

    Wenn du deiner Quelle "Billboard Outside Ebbing Missouri" entlocken kannst: eine ganz dicke Empfehlung! Frances McDormand und Woody Harrelson sind grandios. Die Geschichte ist im Grunde wie eine Zeitungsnotiz, aber wie sie erzählt wird, das kann hier niemand.

    Beneide dich, dass du Uhus gehört hast. Du wohnst wirklich in der Wildniss.

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    1. Hier können Mitleserinnen und Mitleser mal die unterschiedlichen Rufe der Kauze hören:

      https://www.deutsche-vogelstimmen.de/uhu/

      Bei uns gibt es etliche von ihnen, der Waldkauz ist ziemlich verbreitet, den höre ich nachts eigentlich immer. Lustig sind die Jungvögel, wenn sie akustisch noch üben. Der große Uhu - und das ist der Oberhammer schlechthin - hatte Elli als Welpe auf dem angrenzenden Golfplatz nachts einmal fast als Beute auserkoren. Aus dem Nichts sah ich ihn aus den Augenwinkeln heranstürzen - völlig lautlos, zuerst als Schatten, dann war er so dicht über uns, dass ich mich instinktiv geduckt hatte. Elli befand sich etwa 5 Meter von mir entfernt. Er entschied sich in letzter Sekunde gegen Elli als Beute und überflog sie ganz dicht aber ohne sie zu greifen. Elli war zu dem Zeitpunkt so klein wie ein Kaninchen.

      Meine Eltern besaßen vor 30 Jahren einen Mini-Terrier. Er war an einem Tag plötzlich spurlos verschwunden. Ich bin sicher, er wurde von einem Raubvogel geholt, da der Hund so dumm war, immer aufs angrenzende Feld zu laufen. Da werden regelmäßig Hasen und Kaninchen von Räubern gejagt.

      So viel Natur ist hier gar nicht, mehr Felder und Mini-Wäldchen (ein Waldstück, das du zu Fuß in einer Stunde durchqueren kannst, im Grunde ist der Begriff "Wald" dafür ungeeignet. "Deko-Wald" trifft's viel besser.). Aber die gefiederten Räuber aller Art lieben diese Felder und angrenzenden Haine. Es gibt hier sogar Rehe, die nachts den nur 10 Meter angrenzenden Golfplatz betreten und oft die gefährliche Bundesstraße, die uns von dem Gelände trennt, überqueren (nachts ist sie unbefahren) und dann plötzlich am Gartenzaun auftauchen, der uns an drei Seiten nur von Feldern trennt.

      Firmengelände liegen bekanntlich auch oft abseits, dort ist nachts mitunter eine Menge "naturtechnischer" Betrieb. Denkt man gar nicht, doch was ich da schon alles gesehen habe… Nachts ist viel mehr los als man glaubt. Nur wer ist schon heutzutage zu Fuß nachts außerhalb bewohnter Gegenden noch unterwegs? Die meisten Leute haben Angst - wie verrückt das eigentlich ist, denn Gefahr droht nicht in einsamen Gegenden, sondern dort, wo sich Menschen aufhalten. Aber die Angst ist ja sowieso immer irrational. Viele können heute einfach nicht mehr zwischen Angst und erhöhter Aufmerksamkeit unterscheiden. Aber das ist thematisch mal wieder ein ziemlich weites Feld ...

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    2. PS: "Three Billboard Outside Ebbing Missouri" schaue ich mir nachher an. Danke für den Tipp, habe heute und die nächsten drei Tage frei. Da sind deine Tipps hoch willkommen! :-)

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  2. Vielleicht kannst du noch "Olive Kitteridge" finden. Eine Miniserie mit Frances McDormand die sehr gute Kritiken hat.

    "Peaky Blinders" war tatsächlich allererste Sahne. Nun flöhe ich gerade Netflix durch auf der Suche nach einer würdigen Nachfolgerserie.

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    1. An "Olive Kitteridge" heranzukommen war nicht ganz einfach. Nun habe ich die Miniserie zwar in einer bescheidenen Bildauflösung, doch mein großes TV-Gerät interpoliert sie, so dass es sich erstaunlich gut anschauen lässt. Kommt heute Nacht dran, freue mich schon darauf :-)

      "Three Billboard Outside Ebbing Missouri" war, wie nicht anders zu erwarten, ein ausgezeichneter Tipp. Herzlichen Dank nochmal dafür. Hat mir sehr gefallen und besitzt überdies das Potential einer Fortsetzung, nicht wahr?

      Zusätzlich sah ich gestern noch "Wind River". Ein überraschend guter Thriller. Schnell, einfach aber spannend und unterhaltsam. Könnte mir durchaus vorstellen, dass er bei Netflix ins Programm kommt.

      Ja, es ist verflucht schwierig, nach überdurchschnittlich guten Serien, weitere zu bekommen. Wir sind qualitativ ziemlich versaut, würde ich mal sagen, denn uns kommt längst nicht mehr Halbgares auf den virtuellen Teller, da muss sich die Küche schon gewaltig anstrengen.

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    2. Hatte mir "Olive Kitteridge" später erst angesehen. Was soll ich sagen? Super klasse Tipp von dir! Ja, darin erkennt man sich wieder, ich jedenfalls: schrullig, langsam aber sicher vergreisend, stur und starrsinnig, skurril und im Heute so fremd, da aus einer längst vergangenen Welt stammend. Ich wusste manchmal nicht, ob ich lachen oder weinen sollte, schmunzeln musste ich die gesamten 4 Stunden dieser Miniserie. Intelligent, wahrhaftig, entlarvend, ehrlich und sehr humorvoll, das sind die Attribute, die mir sofort dazu einfallen. Ein Juwel. Habe ich jetzt als DVD bestellt - eine echte Ausnahme, die letzte gekaufte DVD ... ist Jahre her.

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  3. Na, dann lass hören wie du sie fandest. Netflix füllt ja ständig nach und ich habe schon eine ganze Wishlist die ich immer mal wieder abfrage. "Wind River" gibt es noch nicht.
    Jetzt habe ich fünf Serien auf dem Zettel, und da wird hoffentlich was dabei sein, was ich natürlich umgehend vermelden werde.
    Wir sind verzogene Gören! Vor so zehn Jahren wären wir für jedes Bröckchen Serie dankbar gewesen.
    Uns kommt ja immer noch einmal ein Fußballabend dazwischen, so wie gestern das großartige Spiel Real Madrid gegen Paris St. Germain.
    Aber das ist ja nicht so dein Ding, richtig?

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    1. Haha! Da haben sich unserer Kommentare vorhin glatt überschnitten. Ist ja lustig. Saßen wir zeitgleich beide vor dem Kommentarfeld und tippten etwas auf der Tastatur :-)

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  4. Hui, I want what you're having!
    Wenn es der DVD Player noch tut, bestelle ich mir die auch. Wenn du die unbedingt haben mußt, dann ist die Serie absolut sehenswert.
    Ja lustig, dass wir beide gerade schruben.

    Kennst du von früher noch die Serie "Lou Grant"? Kommt gerade als "Die Verlegerin" mit Meryl Streep in die Kinos. Der Trailer lässt mich aber zweifeln, ob ich den Film sehen möchte. An Streep stört mich inzwischen ihre allzu routinierte Spielweise. Mimik, Bewegung - da kommt nichts neues mehr. Sie spult nur noch ab.
    Die Intensität des Spiels der mir bei McDormand Gänsehaut macht, fehlt mir da.
    Das war doch mal anders, oder?

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    1. Das stimmt, ganz besonders habe ich dasselbe Gefühl seit "Thatcher". Seit dem kann ich kaum eine bessere oder bemerkenswerte Rolle von ihr erkennen. Ich gebe aber zu, dass sie mir als Person sehr unsympathisch geworden ist, seit sie ihre politischen Statements öffentlichkeitswirksam kundgetan hat. Ich mag die Frau einfach nicht mehr leiden und das hat wohl auch negative Auswirkungen auf meine Wahrnehmung ihres Spiels. Klar, das muss man trennen. Ich versuche es auch. Und natürlich haben Schauspieler genauso ein Recht, sich politisch zu äußern. Meryl Streeps Vehemenz geht mir dabei aber ziemlich gegen den Strich - sie ist letztlich nur eine Schauspielerin, manchmal habe ich den Eindruck, sie versteht sich als Künstlerin, als Genie oder so etwas. Schauspieler sind aber keine Künstler, auch wenn ihr Schauspiel kunstvoll vorgetragen werden kann. Die kreativen Künstler eines Stückes sind in erster Linie die Autoren und Regisseure. Naja, wiedermal ein weites Feld, zu dem man noch unendlich viel sagen könnte.

      Bei Frances McDormand ist es dasselbe: sie feiert zu recht ihre Erfolge, da Rollen auf ihren Typus zugeschrieben werden. In einer untypischen Rolle wäre sie fehlbesetzt. McDormand muss gar nicht viel tun, ihre Mimik passt zu diesen Rollen. Andere Rollen nimmt sie kaum an.

      Unbekanntere Schauspieler hingegen trainieren für ihre Rollen, für sie werden keine Rollen geschrieben, sie leben sich mitunter monatelang in sie hinein - all das ist großes Können. Deshalb sind sie aber noch keine Künstler, wie ich einen Künstler verstehe, sie erledigen ihre Arbeit schlicht mit Bravour. Ihr Talent und ihre erlernten Fähigkeiten setzen sie dazu ein, ihre Arbeit gut zu machen. Wenn dann ein Star glaubt, seine bloße Anwesenheit sei bereits Arbeit genug und reiche auch für untypische Rollen aus, dann kommen am Ende so schlechte Darstellungen wie die jüngsten von Meryl Streep dabei heraus. Finde ich - ihre Fans sehen das naturgemäß völlig anders und würden mich eher steinigen als dem zuzustimmen.

      Naja, schaun wir mal, wann "Die Verlegerin" verfügbar ist, ich werd's mir auf jeden Fall anschauen.

      Übrigens: Doppel(!)-DVD "Olive Kitteridge" bei Amazon derzeit für nur 6,50 Euro

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Zu alten Blogeinträgen (ab dem zweiten Monat ihrer Reifung) kannst du leider nicht mehr kommentieren, denn um die Lagerung all meiner täglich aromatisierten verbalen Liquids über Jahrzehnte hinweg im Auge zu behalten, geschweige denn ihre Kommentare, bin ich als einzige also einzelne verantwortliche Person schlicht überfordert. Ja, so isses nun mal. Danke trotzdem für dein Interesse.