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Donnerstag, 11. Januar 2018

Serienbesprechung: "Cardinal" und "Das Haus des Geldes"

"Cardinal", die 1. Staffel von bisher zweien (geplant sind wohl 3) der kanadische Krimiserie ist ziemlich gut. Was heißt "ziemlich"? Zum einmaligen Anschauen prima geeignet. Nachdem der Fall und alle Zusammenhänge aufgeklärt wurden, lohnt eine Wiederholung aber m.E. nicht. Eigentlich entspricht diese Staffel genau meinem ersten Eindruck eines durch und durch gelungenen längeren Krimis. Absolut empfehlenswert. In einer Bewertungsskala von 1 bis 10 bekommt "Cardinal" von mir eine glatte 8.

Was die Serie nicht ist und auch nicht sein muss, was aber von uns verwöhnten Serienjunkies, ohne dies zugeben zu wollen, dennoch viel zu oft erwartet oder erhofft wird, ist das ganz Besondere, das Neue, das Einmalige oder Außergewöhnliche. "Cardinal" ist "nur" ein guter herkömmlicher Krimi, hervorragend gespielt, komplett durchdacht und routiniert in Szene gesetzt.

"Das Haus des Geldes". Eine Staffel, 13 Folgen, von denen ich allerdings erst 8 gesehen habe (es kostet Überwindung, die restlichen 5 anzuschauen, was ich aber trotzdem machen werde). Hier wird eine Beurteilung schon ein wenig schwieriger, denn einerseits ist die Serie spannend erzählt, hat ein gutes Thema und ist gelungen in Szene gesetzt, andererseits existieren etliche Logikfehler, unwahrscheinliche und manchmal einfach nur abstruse Vorgehensweisen und Handlungen der betroffenen Akteure. Das größte Manko dieser Serie ist aber ihr offenkundiger Sexismus, der sich in flachen Witzen und einer längst überwunden geglaubten Charakterzeichnung der weiblichen Darsteller offenbart.

Vor 20/30 Jahren als in Folge der Emanzipationsbewegung Frauenrollen in Filmen/Serien von bloßen Objekten für bzw. rund um die Handlungen männlicher Hauptdarsteller eigene Charaktere bewilligt bekamen, war es noch Usus, die weibliche Wesenszeichnung aus Blickrichtung der Frauenzeitschriften zu beschreiben, das heißt, eine Hauptdarstellerin musste sich zuallererst durch ihren Körper und ihre sexuellen Beziehungen definieren, ihre Sorgen und Nöte galten allein dem Zwiespalt aus Familie und ihrer Arbeitswelt, sie war bei letzterem vermehrt dem Kampf der Geschlechter ausgesetzt. Sie hatte sich gegen derbe Witze und Vorurteile der antiquierten Männerwelt zur Wehr zu setzen. Ob dies jemals so in der Realität dermaßen geballt der Fall war, weiß ich nicht, jedenfalls wurden all die meiner Meinung nach männlichen Klischees und Fantasien kompakt in solche Rollen und Bilder eingefangen. Es waren Männer, die schließlich in einer anderen Welt sozialisiert waren und nun ausführlichere Frauenrollen in die Drehbücher schreiben mussten und dazu die Regie ausübten. Diese Zeit ist aber längst vorüber. Heute ist die Frauenrolle eine gleichberechtigte und sie ist ebenso komplex angelegt wie die ihrer männlichen Kollegen.

Bei "Das Haus des Geldes" werden wir wieder in die Zeit vor 30 Jahren zurück katapultiert: viele flache Witze wie zum Beispiel "bei Frauen ihres Alters ist ihr Verhalten sicher den Hormonen geschuldet", Familien- und Beziehungskonflikte, die eine professionelle Arbeit ihrer dargestellten Figuren erschweren, und natürlich müssen sich alle Hauptdarstellerinnen im Verlauf der Serie mindestens ein mal bis auf die Unterwäsche vor bekleideten Männern ausziehen. Nun könnte man sagen, dieses Frauenbild sei bei einer spanischen Serie nicht verwunderlich, das lasse ich aber in einem längst vereinten Europa im Zeitalter der Massenkommunikation nicht gelten und behaupte, hier zeichnen schlichtweg ziemlich sexistische Männer für die Serie verantwortlich. Ihr vermeintlicher Humor wird aus heutiger aufgeklärter Sicht zur abgrundtiefen Peinlichkeit. Ich könnte das auch fies ausdrücken und feststellen, "Das Haus des Geldes" ist eine Serie fürs bildungsfeindliche (also nicht wirtschaftliche) Unterschichten-Fernsehen. Bewertungsskala 1 bis 10: 4.

Kommentare:

  1. Von der Serie "Das Haus des Geldes" haben wir genau eine Folge gesehen. Hat uns nicht erreicht und wenn man genug im Angebot hat, zieht man gerne weiter.
    Die letzten Folgen von "Elementary" laufen heute. Danach gibts "The People v. O.J.Simpson" (hat Preise abgestaubt). Von "The Americans" gibt es ebenfalls neue Folgen wie ich gerade sehe.
    Inzwischen sind wir allesamt verzogene Bälger, die Feinschmecker der Serien kwasi. So leicht machen wir es den Produzenten nicht.

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    1. "… und wenn man genug im Angebot hat, zieht man gerne weiter", ja genau, verwöhnt wie wir nunmal sind :-)

      Ansonsten kann ich jeden deiner Sätze aus tiefster Überzeugung unterschreiben. Habe mal gesehen, was Netflix derzeit alles so im Angebot hat - meine Güte! Da findet ja beinahe gerade eine Explosion statt. Rein mengenmäßig, über den Inhalt der vielen Serien kann ich wenig sagen, doch die Fülle ist allerhand.

      Das freut das Serienjunkie-Herz. Man stelle sich mal vor, Netflix stünde das Geld der korrupten Propagandasender der öffentlich-rechtlichen zur Verfügung.

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