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Donnerstag, 6. Juli 2017

Meine Meinung zu "Der erste Sohn"

Zwei Monate lang begleitete mich Philipp Meyers Roman "Der erste Sohn" während meiner Aufsicht auf der Baustelle. Er verkürzte die Leerlaufzeiten ungemein, denn es ist ein klasse Roman, bei dem die Spiegel-Online-Kritik eiskalt manipuliert: mir war nicht ein einziger Übersetzungsfehler, der in unverständlichem oder schlechtem Deutsch geschrieben wäre, aufgefallen. Nun habe ich das Original zwar nicht gelesen - genauso wenig wie der Spiegel-Redakteur, da würde ich jede Wette eingehen, seine Anmerkungen hat er von frustrierten Übersetzern, denen der Verlag nicht wie üblich den Auftrag dazu gegeben hatte. Auch ist an seinen Hervorhebungen und Zitaten deutlich zu erkennen, dass ihm beim Überfliegen des Romans solcherlei Sätze aufgefallen sein mögen, die aber mit der Erzählung wenig oder lediglich am Rande etwas zu tun haben. Es erscheint mir, als sei ein völlig anderer Roman dort rezensiert worden, denn auf das Wesentliche der Erzählung wird kaum eingegangen.

Philipp Meyer schreibt recht neutral, also keineswegs naiv kitschig "gute Ureinwohner, schlechte Siedler"; er beschreibt Mexikaner, Indianer und amerikanische Einwanderer mit ihren guten und schlechten Seiten. Er zeigt dabei, dass alle auch gleichsam alles sind. Dass moralische Werte letztlich davon abhängen, wer der Stärkere bei Auseinandersetzungen ist. Die, die mit ihren Fingern anklagend auf andere zeigen, haben selber große dunkle Seelenflecke oder anders ausgedrückt: die Indianer eroberten ihr Land von den Ur-Indianern, verschiedene Stämme nahmen es sich gewaltsam von anderen Stämmen, dann kamen die Spanier bzw. Mexikaner, die es wiederum den Stämmen abnahmen, danach stahlen es den Mexikanern die amerikanischen Siedler, Europäer, denen es abermals von anderen Amerikanern geraubt worden war. Eigentlich nichts anderes als die europäische Geschichte nur komprimiert von 2.000 in 200 Jahren; Überschrift: Das Recht des Stärkeren. Dass der "Spiegel" und linksliberale Kritiker solcherart ideologiebefreite Wahrheit nicht mögen, wundert dann eher weniger.

"Der erste Sohn" ist ein gut geschriebener, unterhaltsamer und lehrreicher Roman, der meinetwegen noch zehn Mal länger hätte ausfallen können. Zum Ende hin kommt er mir wie abgeschnitten vor, wie brutal gekürzt. Mehr davon, kann ich nur sagen.

Hier findest du auch die Links, bin zu faul, neu zu verlinken - nein, zu müde, nicht zu faul, ich begebe mich jetzt nämlich zu Bett. Gute Nacht bzw. guten Morgen, wenn du das hier liest. Kräftig gähnen können wir beide ja augenblicklich, justamente sozusagen.

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