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Samstag, 15. Juli 2017

Gehe zurück auf Los

"Macht kaputt, was euch kaputt macht", das ist wohl so ein Generationen-Ding, das sich im Kreise drehend alle zwei bis drei Menschenalter auf Anfang stellt. Wegen der instinktiven Tendenz (also der biologischen Gegebenheiten) aller Lebewesen, sich gegen den Selbstmord zu wenden, wird der Grund eigener Unzufriedenheit stets in der Außenwelt vermutet. Und da momentan weder ein neuer Bankencrash bevorsteht, der den Alltag der erlebten Welt aus seinen Fugen hebt, noch ein Weltkrieg oder eine schlimme Naturkatastrophe erwartet wird, muss halt zum Einstieg dieser neuerlichen Kreisbewegung einer jugendlichen Identitätsfindung ein Stadtteilviertel dran glauben. Der Mob schlägt sich freie Bahn und die hämischen Journalisten sowie die Politiker feixen um die Wette, wer die beste Rhetorik auf Lager hat, dies für die eigenen Zwecke zu missbrauchen. Alles wie gehabt, nichts wirklich Neues, kann man in der Geschichte zurückverfolgen und findet alle paar Jahrzehnte Parallelen.

Die Alten jammern und wehklagen vom Untergang des Abendlandes, die arbeitende Bevölkerung stellt gedanklich jeden anders lebenden Menschen sowieso kurzerhand an die Wand und die jungen Karrieristen in ihren Zwangsjacken aus unbezahlten Praktika und unterwürfigem Nach-Oben-Schleimen neiden ihren anarchistischen Altersgenossinnen und -genossen die vermeintliche Freiheit, denn sie benötigen dringend jene Menschen, deren Köpfe sie als Karrierestufen brauchen - aber je mehr von ihnen zu Denken beginnen und für ihre Tritte nicht mehr zur Verfügung stehen, desto unkomfortabler und sinnloser wird die eigene Lebensleiter. Gründe, andere zu verurteilen, haben sie also alle.

"Die Freiheit nehm ich mir" - ein genialer Werbeslogan, der, nimmt man ihn wörtlich, immer auch Kampf bedeutet und nicht selten in der Einsamkeit eines unangepassten Lebens endet. Und du, liebe Leserin und lieber Leser, ahnst vielleicht bereits mein Resümee: hinter all der Wut, der Schreierei und Gegenschreierei, steckt das Wesen unserer unvollkommenen Existenz als ängstliche und sinnsuchende Waisenkinder des Universums. Ein Leben lang alleingelassen mit den Krücken der Liebessuche und denen nach Anerkennung drehen wir uns seit Jahrtausenden im Kreis.

Eine Lösung? Die gibt es nicht, denn zwischen Quelle und Mündung liegt der Weg, und der Sinn eines Flusses ist eben dieses Fließen des Wassers.

So, das war nun also mein Wort zum Sonntag. Ohne Käßmann-Gedöns.

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