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Freitag, 23. Juni 2017

Das Wetter geht um. Alle Mann von Bord!

Aus einem typischen Wetterumschwung (ist so, ob man's glaubt oder nicht) wird uns ein Jahrhundertunwetter dargeboten. Nur eine winzige Auswahl: "Unwetter-Alarm" (t-online); "Mann vom Baum erschlagen" (n-tv); "Tornado in Hamburg - Bahnverkehr eingestellt" (Die Welt); "Tornados - mindestens ein Toter" (FAZ), später: "Zwei Tote". Es finden förmlich Kriegsberichte statt mit Begriffen wie "Unwetterfront" (NDR), "Chaos" (tz.de) und "Ausnahmezustand" (t-online). Ebenso werden, passend zur gegenwärtigen Sorge aufgrund der Terrorgefahr, Ängste bedient: "Explosive Mischung am Himmel" titelt ausgerechnet die als seriös geltende Tagesschau.

Mehrmals jedes Jahr dasselbe Spiel. Von den Symbolbildern abgelichteter Tornados aus den USA mal ganz zu schweigen. Sind das Qualitätsmedien? Das Banale daran ist, dass solche Berichte gelesen und geliebt werden. An ihnen wird sich mental berauscht - oder deutlicher ausgedrückt, aufgegeilt. Das Publikum verlangt genau diese Medien. Und zwar zuhauf, denn je öfter an immer mehr Orten solche Meldungen zu finden sind, desto mulmiger wird das eigene Gefühl - ein schaurig-schönes Gruselkabinett oder die Geisterbahn vergangener Epochen auf modernen Bildschirmen frei Haus.

Nunja, so sind die Menschen halt ;-)

Der sensationelle Temperatursturz hat aber auch sein Gutes: es ist wieder angenehm kühl in meiner Hütte. Einmalig in der Geschichte der Wetteraufzeichnungen, ach, was sage ich, seit Menschengedenken, so sackte die Temperatur in einer rasanten Talfahrt vom heißesten Tag in diesem Jahr um über 15 Grad ab. Erste Notaufnahmen in Krankenhäuser wegen Kreislaufzusammenbrüchen werden gemeldet. Die frostige eiserne Faust des Blanken Hans greift tief ins Festland hinein. Eine Frontlinie aus dem Ruder gelaufener Isobare widersetzt sich den Befehlen des meteorologischen Sommers und schaufelt Angriffswelle nach Angriffswelle brutalste Kältekämpfer in unser Land. Sei auf der Hut. Rette sich wer kann! Um nicht zu rufen: Alle Mann von Bord! Das Wetter geht um in Schland.

Kommentare:

  1. Beim Thema Wetter kann man einfach schamlos übertreiben, das ist so schnell vergessen wie gelesen. Auf Twitter folge ich Kachelmanns Wetter, der informiert sachlich und präzise (leider hat er für uns hier im Süden noch immer keine Abkühlung im Angebot, stöhn).
    Der Umgang mit dem Wetter nimmt absurde Formen an. Vor Tagen, vom Einkauf kommend, bleiben doch die Menschen tatsächlich unter dem Dach vom Discounter stehen. Ich bin die einzige, die unter den einzelnen Regentropfen davonhüpft. Sind die nie als Kind nach den Sommergewittern nach draußen gelaufen, die Füße in den Rinnstein gehalten und sich richtig nass regnen lassen? Alleine der köstliche Duft der sich nach einem heißen Tag dann verbreitet!

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    1. Wunderbares Beispiel, liebe Barbara. So treffend, treibt einem sofort ein Schmunzeln ins Gesicht :-)

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