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Montag, 8. Mai 2017

Von Human Bots und uns

Um über sich selber nachzudenken, sich als Spezies zu definieren, um sich zu verstehen, hilft es seit Menschengedenken, die Perspektive zu wechseln und die Menschheit von außen zu betrachten. Seit es Menschen gibt, gibt es Geschichten und Erzählungen in Kunst, Religion und Mythologie von Fabelwesen, Mischwesen, außerirdischen oder künstlichen Lebensformen. Von der Höhlenmalerei über Comics bis zu den aufwendig produzierten "Star Wars" Blockbustern, von der Sphinx zu Commander Data, von Chimären und Zombies zu Cyber-Bots, von Frankenstein zur Nano-Technologie, von den Gorgonen zu Graf Dracula und natürlich in unendlicher Art und Weise im Spiel diverser Gottheiten - überall, zu allen Gelegenheiten und immer schon faszinierten und faszinieren uns die nicht- oder halbmenschlichen Wesen, überwinden wir durch ihre gute oder böse Existenz die eigene Verlorenheit und Einsamkeit im schier endlosen Universum und gewinnen durch sie einen Sinn unseres eigenen Daseins. Die Macht des Wissens macht die Fantasie notwendig, ohne die wir orientierungslos treiben würden.

Eine schöne Einleitung für die TV-Serie "Humans" nicht wahr. Dieses Remake der schwedischen Serie "Real Humans" wird ausgerechnet auf einem der miserabelsten Reklamesendern, auf "VOX", gezeigt, deshalb hätte ich mir diese Serie nicht im Traum angeschaut und, hätte ich sie zufällig im TV entdeckt, wäre ich augenblicklich fortgezappt. Woanders war ich ihr also begegnet.

"Humans" ist eine britisch-amerikanische Serie, die auf Kitsch und Action weitgehend verzichtet und die dafür philosophische, rechtliche und kulturelle Aspekte beleuchtet, die entstünden, wären wir nicht mehr einzigartig auf der Erde als denkende und fühlende Wesen, noch dazu, anders als dies bei möglichen Außerirdischen der Fall wäre, wenn von uns selber erschaffene künstliche Wesen Intelligenz und Emotionen erreichten. Ja, diese Gedankengänge sind ebenfalls so alt wie die Menschheit, das alles wurde schon unzählige Male gedanklich durchgespielt und fantasievoll in Szene gesetzt. Mehr oder weniger niveauvoll, intellektuell oder populistisch. Mit "Humans" ist nun ein weiteres positives Beispiel einer Selbstreflektion entstanden, das unterhaltsam und lehrreich zugleich ist.

Die Story ist demnach so simpel wie genial, die Darsteller spielen hervorragend, die Regie vermag das Publikum zu fesseln und in keinem Bereich wird nerdmäßig zu tief eingetaucht (Technik, Philosophie, Pädagogik), so dass der Zuschauerin bzw. dem Zuschauer die eigene Gedanken- und Vorstellungswelt belassen bleibt. Und nichts langweilt an dieser Serie, ausgewogen zwischen Ernsthaftigkeit und Abenteuer ist sie versehen mit einer gerade richtigen Prise Humor, die ein Abdriften in die Albernheit genauso verhindert wie die Kopflastigkeit einer Stanislaw-Lem-Science-Fiction. Es handelt sich weder um eine Komödie, noch um ein schweres Drama, es ist "einfach nur" eine familientaugliche Serie, in der alle Generationen gleichermaßen auf ihre Kosten kommen.

Mehr brauche ich dazu eigentlich nicht zu schreiben. Weder muss die Serie hier nacherzählt werden noch interpretiert, sie ist hervorragende TV-Unterhaltung, die ohne erhobenen Zeigefinger ein wenig anregt, uns über unser eigenes Verhalten und dem anderen gegenüber nachzudenken.

Schulnote: 1 plus mit vielen bunten Sternchen.

Nachtrag: Ein kurzer Vergleich zur Originalserie.

Kommentare:

  1. Hat das Anklänge an den Kinofilm "AI"?

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    1. Oh, du hast mich ertappt! A.I. ist einer der wenigen SIFI-Filme, die an mir unbeachtet vorübergegangen sind. Keine Ahnung, wieso. Jedenfalls habe ich ihn vorhin sofort heruntergeladen und werde ihn mir kommende Nacht aufmerksam anschauen.

      Vorab schon mal vielen Dank für diesen Filmtipp. Vielleicht kann ich morgen dann deine Frage beantworten.

      Liebe Grüße

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    2. Schon geschehen - ich gestehe, aber nicht bis ganz zu Ende :-)

      Um Himmels Willen! "A.I." ist "Blade Runner" für Arme, "A.I." ist ein schlechter Comic, der heute wohl nicht mal mehr auf VOX gesendet werden würde - oder vielleicht doch in einer Art Kultnacht gemeinsam mit alten Folgen von "Dr. Who" oder ähnlichem :-)

      "Humans" ist etwas vollkommen anderes.

      Den Unterschied zu erklären ist aber nicht leicht, vielleicht mit einem Vergleich eines Plastik-Kinderautos, so bobby-car-mäßig, akkubetrieben usw. und einem Tesla-Auto: Sagen wir, jemand kennt beides nicht und du würdest nun versuchen, ihm den Unterschied deutlich zu machen, und nehmen wir weiter an, du beginnst mit den Gemeinsamkeiten: beides hat 4 Räder, wird vom User gelenkt, wird mit Akkus betrieben und bewegt sich munter auf Straßen und Wegen. Beides hat fast alles gemeinsam. Also würdest du mit den Unterschieden fortfahren. Welche sind es? Und schon gerietest du in Erklärungsnot, da du (angenommenerweise) kein Techniker bist. Für jemand, der beides nicht kennt, noch nie zuvor gesehen hat, wären alle Erklärungen verwirrend und führten letztlich zu einem gedanklichen Bild einer Ähnlichkeit. Sind ja auch beides E-Autos. Dabei hat das E-Bobby-Car mit dem 300.000-Euro-Tesla im Grunde genommen nichts, bis auf eben die Eigenschaften, gemeinsam.

      Genauso ist es mit "A.I." und "Humans".

      Nun weiß ich wenigstens, weshalb der Film seinerzeit unbemerkt an mir vorüber gegangen war, ich fahre nämlich kein Bobby-Car ;-)

      Liebe Grüße

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