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Mittwoch, 3. Mai 2017

"OBS Engine Nano" - wider das Unwissen

Nun habe ich so viel bereits zu den "OBS-Engine-Verdampfern" geschrieben aber plötzlich lese ich schon wieder in einem Magazin fürs E-Dampfen, also von Leuten, die es eigentlich besser wissen sollten, inkompetente und falsche Aussagen über dieses "Engine-Gerät". Gegen dieses Unwissen sollte etwas gesagt werden.

Es ist mir zu viel Arbeit, mich ständig zu wiederholen, deshalb gehe ich nicht im Detail jetzt darauf ein. Hier und hier und hier kannst du es nachlesen.

Beim "Dampfer Magazin" heißt es nun

"Durch die große Verdampferkammer und der mächtigen AFC geht gegenüber den genannten Verdampfern einfach zu viel Geschmack verloren [...] Auf der anderen Seite braucht der Nano für einen Single-Coil-Verdampfer sehr viel Luft, um zu funktionieren. Auch mit fast ganz geschlossener AFC kommt noch sehr viel Luft durch. [...] Es ist scheinbar egal, wie man die AFC einstellt, es kommt für meinen Geschmack immer viel zu viel Luft."

In diesen wenigen Sätzen sind schon so viele Fehler verborgen, dass ich vor lauter Staunen nur noch mit dem Kopf schütteln kann.

1. Die Größe der Verdampferkammer entspricht in etwa der des "Falsh e Vapors", der als Geschmacksverdampfer lange Zeit sogar führend war. Da geht absolut nichts geschmacklich aufgrund der Größe verloren. Es kommt aber immer aufs Zusammenspiel an: Luft - Wicklung - Kammer - Kamin. Gleich mehr dazu.

2. Die AFC (Air-Flow-Control) des "OBS-Engine-Nanos" lässt sich quasi von "0 bis 100" stufenlos regulieren, wobei bei Stufe null die Luftzufuhr komplett unterbrochen und bei 100 (also ganz geöffnet) kein Zugwiderstand mehr vorhanden ist und man förmlich durchs Rohr atmen kann. Besser geht’s nicht, eine solch konsequent variable AFC war lange Jahre der Traum eines jeden e-dampfenden Menschen.

3. Der Kamin ist von Haus aus recht weit, denn heutiges Dampfen mit viel Watt erfordert auch viel Luft. Eine offene AFC bei verengtem Kamin bringt nichts, da nicht mehr Luft eingesaugt werden kann als das Kaminrohr durchlässt. Der sympathische Dieter vom freitäglichen "Dampfer Talk" bohrt als Experte für den "Flash e Vapor" die AFC und eben diesen Kamin der Flashis sogar extra auf, um die moderne Art des Direkt-Zur-Lunge-Dampfens mit mehr Leistung zu ermöglichen. Das wird also bei den neuen Geräten bereits werksseitig berücksichtigt. Umgekehrt gilt diese Regel aber genauso: ist der Kamin bzw. das Luftrohr zu weit, stimmt das Luftverhältnis bei fast geschlossener AFC ebenfalls nicht.

Ich mach mal kurz den Erklärbär:

Um mehr Geschmack und weniger Leistung zu fahren, muss also der umgekehrte Weg eingeschlagen werden. Immer daran denken, es liegt am Verhältnis Luft - Wicklung - Kammer - Kamin. Die Kammer des "OBS-Engine Nano" ist in ihrer Größe ein gelungener Kompromiss (!) für fast alle Spielarten des Dampfens mit Ausnahme des Mund-Zur-Lunge-Dampfens (M2L), auf das ich aber hier und jetzt nicht eingehe. Die Luftzuführung erfolgt wie beim Flashi von der Seite (das hat das "Dampfer Magazin" auch richtig beschrieben), darüber hinaus ist sie anders als beim Bruder "OBS-Engine" optimiert für die Single-Wicklung durch eine unterschiedliche Zufuhr von beiden Seiten. Bleiben demnach als beeinflussbare Parameter Luft, Wicklung und Kamin übrig. Die AFC erfüllt ihren Zweck hervorragend, so dass nur noch die Wicklung und der Kamin übrig bleiben. Soweit verstanden?

Den bereits von von Haus aus "aufgebohrten" Kamin kann man leicht mittels eines entsprechenden Driptips im Durchmesser anpassen. Ein Driptip ist viel mehr als ein modisches Assessor. In den Anfangszeiten des E-Dampfens war es entscheidend für das Dampferlebnis. Es gab sogar solche, bei denen mit einer extra Minischraube die Menge der Zuluft gesteuert werden konnte. Ein weites Feld - über Driptips könnte ich einen eigenständigen langen Beitrag schreiben. Das mitgelieferte Subohm-Driptip funktioniert somit nur auf eine, die ihm zuerdachte Art des Dampfens.

Am Ende bleibt nun also die Wicklung übrig. Beim "Dampfer-Magazin" sehen wir auf den Fotos, dass hier "ein Kilo Metall" in kunstvoll geflochtener Art verwendet wurde. Das ist keine Geschmackswicklung, sondern eine Viel-Dampf-Wicklung, die ebenso viel Luft und elektrische Energie benötigt. Der "OBS-Engine Nano" braucht für eine Geschmackswicklung bei wenig Luft natürlich eine zum Beispiel herkömmliche Kanthalwicklung (es gibt hier mehrere Möglichkeiten, ich beschränke mich mal hier).

Bereits seit Monaten benutze ich Tag für Tag zwei "OBS-Engine Nanos" mit einer 1,3-Ohm Wicklung, 35er Kanthaldraht, ca. 1/4 Öffnung der AFC und natürlich einem engeren Driptip. Dazu nehme ich der Einfachheit halber eines von einem "Cubis-Verdampfer". Ich dampfe dennoch direkt zur Lunge (D2L). Der Liquidverbrauch ist gering, die elektrische Leistung bei 18 Watt ausreichend, der Geschmack vergleichbar mit dem des "Flash e Vapors". Hervorragend.

Der "OBS-Engine Nano" ist ein Allrounder, er lässt sich gleichermaßen mit 60 wie mit 18 Watt betreiben. Mit ihm können Wolkenmassen erzeugt werden oder aber kaum Wolken, dafür dann mehr Geschmack. Das Tolle an ihm ist, dass man ihn nicht aufbohren oder technisch umbauen muss, um einen Wechsel seiner Eigenschaften zu erreichen. Ein Minimum an Grundkenntnissen sollte beim Benutzer oder bei der Benutzerin allerdings schon vorhanden sein. Und eigentlich erwarte ich dieses Grundwissen von einem Magazin ebenso, das speziell fürs E-Dampfen ausgelegt ist. 

Bin ich der einzige, bei dem der Eindruck entsteht, dass eben dieses Grundwissen mehr und mehr verloren geht? Überall sehe ich nur noch geflochtene Drähte, deren Zweck eine hohe Dampfausbeute ist. Geschmackswicklungen werden dabei hauptsächlich durch ihren Widerstand definiert, was unzureichend ist. Einfache Drähte kennt kaum noch jemand. Mich würde nicht wundern, wenn irgendwann in der Zukunft eine solche simple "Mono-Drahtwicklung" als ultimative Innovation eines neuen Verdampfers auf den Markt gebracht wird, der dann wiederum zu einem neuerlichen Hype in der Szene führt. "Mensch, schau mal, wie genial: der Verdampfer braucht nur ein Stückchen Kanthaldraht, das hat die Zaubereigenschaft eines stabilen Widerstands" oder so ähnlich.

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